Beachvolleyball-Krise Schatten am Strand

Beach-Volleyball erlebt 2006 sein schwerstes Jahr seit langem. Trotz anfänglicher Begeisterung zogen sich Fernsehsender und Sponsoren von der Sandsportart zurück. Wie selten zuvor kämpfen die Beacher nun um Aufmerksamkeit – und glauben dennoch an eine große Zukunft.

Von Malte Knuth


Werner von Moltke feierte es als großen Durchbruch. Als der Präsident des Deutschen Volleyballverbandes (DVV) im vergangen Frühjahr RTL als neuen TV-Partner für Beach-Volleyball präsentierte, herrschte noch grenzenloser Optimismus in der Verbandszentrale. Über Jahre hinweg hatten Funktionäre und Aktive auf regelmäßige Übertragungszeiten im deutschen Fernsehen und die daraus resultierenden Vermarktungsvorteile gehofft.

Dieses Ziel war 2005 erreicht und auch der Kölner Sender zeigte sich von der Partnerschaft angetan. Bereits beim Boxen und Skispringen hatte RTL bewiesen, dass der Marktführer unter den Privatsendern in der Lage ist, Randsportarten in Quotengaranten zu verwandeln. Mit der Symbiose aus Wettkampf, nackter Haut und unbeschwerter Stimmung wollte der Sender erneut zahlreiche Zuschauer vor die Fernsehschirme locken.

Ein Jahr später ist von der Euphorie der vergangenen Saison wenig übrig geblieben. Das muss auch von Moltke einräumen: "Wir haben diesen Sommer in der Tat Probleme. Aber man darf dabei nicht vergessen, wir haben gleich drei miese Geschehnisse hinter uns." Das ist etwas untertrieben, schließlich hat es für die Sportart in jüngster Vergangenheit weit mehr als drei Rückschläge gegeben, nur werden die Schwierigkeiten im eigenen Land wiederholt vom Erfolg deutscher Spitzenteams bei internationalen Wettkämpfen verdrängt.

Fakt ist: Die Fernsehquoten für Beach-Volleyball blieben 2005 weit hinter den Erwartungen zurück. Selbst bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land reichten Außenseitererfolge, Spielerstreik und knappe Bikinis nicht aus, um die breite Masse zu mobilisieren. Lediglich 430.000 Zuschauer verfolgten im vergangenen Jahr am Finalsonntag die TV-Übertragung – ein Marktanteil von lediglich 3,6 Prozent. Für die Kölner Programmplaner ein mittleres Desaster und Anlass, das Engagement in diesem Jahr nicht zu wiederholen. Trotz der famosen Stimmung auf den Rängen gäbe es "keine Hinweise auf Entwicklungspotenzial", hieß bei RTL.

Es war ein Rückzug mit Signalwirkung. Schon kurze Zeit später verabschiedete sich der bisherige Hauptsponsor Zuerich-Versicherung. Zudem machte die Vermarktungsagentur Sportfive von ihrer Rücktrittsoption Gebrauch – dabei war die Zusammenarbeit mit dem DVV ursprünglich bis 2008 vereinbart worden. "Unsere Vorstellungen von einem zukünftigen Format waren insbesondere in Bezug auf die Exklusivität der Beach-Events andere, als die des Verbandes", sagte Frederick Ness, ehemals Leiter der Event-Abteilung bei Sportfive. "Uns fehlten die optimalen Rahmenbedingungen." So einfach ist das.

Der überraschende Ausstieg des Telekommunikationsunternehmens Nokia Anfang dieses Jahres als einer der letzten großen Partner des Verbandes war der jüngste Rückschlag. Der sehnliche Wunsch der DVV-Funktionäre nach Aufmerksamkeit und finanzieller Planungssicherheit verlief buchstäblich im Sande. Anstatt Beach-Volleyball in der Krisensituation die Treue zu halten ergriffen die vermeintlichen Partner die Flucht. Ein harter Schlag für die Sportart, der immer noch nicht überwunden scheint.

"Natürlich ist die Situation in diesem Jahr für niemanden befriedigend", sagt Christian Dau, Geschäftsführer der Münchner Agentur "sportsandevents" und verantwortlich für die ranghöchste deutsche Turnierserie. "Die Serien Masters und Cups haben zusammen Millionenbeträge als Sponsoringsummen generiert, um den Turnierbetrieb zu finanzieren. Jetzt müssen wir mit neuen guten Partnern eben teilweise wieder von vorne anfangen."

Konzentration auf die Fußball-WM

Von vorne anfangen bedeutet vor allem mit lediglich einer Beach-Volleyball-Tour durch den Sommer zu kommen. Der finanzielle Engpass führte zur Fusion der ehemals großen Turnierserien Masters und Cups. Einen festen TV-Partner für die einzige deutsche Beach-Tour gibt es nicht mehr und die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land erschwert die Sponsorensuche zusätzlich.

"In diesem Jahr konzentriert sich einfach alles auf die Fußball-WM", weiß auch der ehemalige Nationalspieler Andi Scheuerpflug. Tour-Organsiator Christin Dau sagt: "Die Kunden sind letztlich an ihrem finanziellen Limit, weil sie durch ihr Fußball-Engagement viele Nebenleistungen übernehmen müssen." In den vergangenen Jahren habe man "eine Luxus-Situation gehabt, da könne man aber wieder hinkommen. Ich glaube, dass wir in diesem Jahr die Talsohle in Sachen Sponsorensituation erreicht haben", so Dau und Scheuerpflug ergänzt: "Der Markt muss sich bereinigen."

Um Beach-Volleyball wieder ins Gespräch zu bringen, setzt Präsident von Moltke weiterhin vehement auf die Wirkung der Medien. Neben TV-Resonanz auf der Basis sportlichen Erfolgs sähe der Präsident seine sonnengebräunten Sportler gerne auch abseits des Platzes vor der Kamera "in Gebieten wie Quiz-Sendungen beispielsweise. Es gibt viele Sendungen, in denen man die Spieler unterbringen könnte, um die Sportart populärer zu machen", so von Moltke, der bei solchen Gedanken gleich wieder optimistischer klingt. Im deutschen Beach-Volleyball haben sie die Hoffnung auf den echten großen Durchbruch längst noch nicht aufgegeben.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.