Hammerwerferin Heidler Olympisches Silber mit sechs Jahren Verspätung

Bei den Sommerspielen in London 2012 gewann Hammerwerferin Betty Heidler die Bronzemedaille. Die Siegerin war jedoch gedopt, deshalb rückt Heidler nun auf. Die Freude hält sich in Grenzen.

Betty Heidler (r.) und Tatjana Lysenko (M.) sowie Anita Wlodarczyk
DPA

Betty Heidler (r.) und Tatjana Lysenko (M.) sowie Anita Wlodarczyk


Ihre Karriere ist längst beendet, das Dopingvergehen ihrer Kontrahentin ist bereits seit 22 Monaten bekannt. Doch erst jetzt, mehr als sechs Jahre nach den Olympischen Spielen in London wurde der früheren Hammerwurf-Weltmeisterin Betty Heidler offiziell vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Silbermedaille zugesprochen. Vorausgegangen war die nun rechtskräftige Disqualifikation der Siegerin Tatjana Lysenko (Russland). Gold geht an die polnische Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk, die damals in einem dramatischen Wettkampf Silber gewonnen hatte.

Die Ergebnislisten seien bereits entsprechend geändert worden, teilte das IOC dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit. Der DOSB informierte daraufhin Heidler, die ihre Karriere 2016 beendet hatte. Ihre Frankfurter Teamkollegin Kathrin Klaas, die bei der EM vor knapp zwei Wochen in Berlin Abschied von der internationalen Bühne genommen hatte, rückte von Platz fünf auf vier vor.

"Auf der einen Seite freue ich mich, auf der anderen Seite bin ich verärgert", sagte Heidler, die mit ihrem 2011 erzielten Weltrekord von 79,42 m nach wie vor die deutsche Bestmarke hält. Den aktuellen Weltrekord (82,98) hält Wlodarczyk. Alles, was mit der Verleihung einer Silbermedaille bei den Olympischen Spielen verbunden ist, sei ihr genommen worden. "Dass die Korrektur erst sechs Jahre später stattfindet, macht mich traurig", sagte die 34-Jährige.

Für die Zukunft hoffe sie, dass solche Korrekturen durch einen stärkeren und effektiveren Dopingkampf "gar nicht erst passieren und den Sportlern dieser wichtige Moment der Siegerehrung nie mehr genommen werden kann". Heidler darf nun wählen, zu welchem Anlass sie ihre Silbermedaille erhält. Eine Möglichkeit wäre bei den kommenden Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

krä/sid



insgesamt 4 Beiträge
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M. Vikings 22.08.2018
1. Ich kann mich sehr gut an den Wettkampf erinnern.
Die Wettkampfrichter haben nämlich während ihres Wurfes ein Schwätzchen gehalten und erst den falschen Abdruck gewertet. Nach endloser Suche und umherirren auf dem Rasen hat man sich schließlich auf einen anderen Abdruck geeinigt. Jahre später ist das Aufrücken von Rang Drei auf Rang zwei sicherlich egal. Anita Wlodarczyk wird das nicht egal sein, die ist nämlich jetzt Olympiasiegerin, auch wenn das nachträgliche aufrücken sicher auch mit einem finanziellen Verlußt verbunden ist. Olypiasieger/siegerin bleibt man bis an sein Lebensende. Und deshalb herzlichen Glückwunsch nachträglich, an die legitime Olympiasiegerin aus Polen.
laberbacke08/15 22.08.2018
2.
ich kann die Veraergerung verstehen aber immerhin hat sie auf dem Treppchen stehen duerfen und sich Medaillengewinnerin nennen duerfen. Der damaligen Viertplatzierten die jetzt Bronze kriegt ist das alles entgangen, sie ist in meinen Augen die eigentliche Verliererin
Levator 22.08.2018
3. So sieht es aus
Zitat von laberbacke08/15ich kann die Veraergerung verstehen aber immerhin hat sie auf dem Treppchen stehen duerfen und sich Medaillengewinnerin nennen duerfen. Der damaligen Viertplatzierten die jetzt Bronze kriegt ist das alles entgangen, sie ist in meinen Augen die eigentliche Verliererin
muss verdammt bitter sein im Nachgang erfahren zu müssen, dass man eigentlich einen Platz auf dem Treppchen damals verdient hätte...
mariakar 22.08.2018
4. Vor allen Dingen auch ärgerlich für die wahre
Siegerin, vorausgesetzt, sie war nicht auch gedopt. Man hat der Polin das größte im Leben eines Sportlers genommen: Bei Olympia gekürt zu werden und die eigene Nationalhymne zu hören.
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