Vorrunde der Handball-WM: Ein bisschen Stimmung und viele Patzer

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Handball-Bundestrainer Heuberger: Verzweifelt wegen der Kampfrichter Zur Großansicht
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Handball-Bundestrainer Heuberger: Verzweifelt wegen der Kampfrichter

Technik, die überfordert, Heizstrahler, die ausgeschaltet sind und Dolmetscher, die nicht dolmetschen: In der ersten Woche der Handball-WM in Spanien lief so einiges schief. Was von der Vorrunde übrig bleibt: halbvolle Hallen, arme Australier und ein südkoreanischer Rapper.

Kennen Sie Gangnam Style? Dieses Lied, die Ode an eine "sexy Lady"? Höchstwahrscheinlich kennen Sie das, andernfalls hier das Video. Es ist ein Hit, weltweit. Und der Song ist die Hymne dieser Handball-Weltmeisterschaft in Spanien geworden, die inoffizielle natürlich. Vor dem Spiel: Gangnam Style. Nach dem Spiel: Gangnam Style. Während des Spiels: genau.

Was der südkoreanische Rapper Psy da genau singt, versteht kaum jemand. Man will es vermutlich auch gar nicht wissen. Stimmung, darum geht es. In Spanien funktioniert's, zumindest ein bisschen. Die Laune ist gut, bei den Offiziellen und den Voluntaria, den freiwilligen Helfern. Die Hallen sind trotzdem oft nur halbvoll. Wer am Spieltag eine Eintrittskarte will, bekommt sie nicht selten für zehn Euro und kann sich seinen Platz auch noch aussuchen. Die Turnier-Organisatoren versenden trotzdem stolz Newsletter, in denen sie auf das große Interesse an den Spielen hinweisen.

Es gibt keinen Hauptsponsor für diese WM. In den Spielorten sieht man hier und da ein paar Hinweistafeln an Laternen und Verkehrsschildern, für viel mehr hat es nicht gereicht. Das ist bitter für (Handball-)Spanien, das mit dem Turnier wohl einen satten Verlust machen wird. Und schade für all die ehrenamtlich arbeitenden Frauen und Männer, die so ein Turnier erst möglich machen.

Heizstrahler im Pressekonferenzraum ist ausgeschaltet

Alles schaffen allerdings auch sie nicht. Nach den Partien in Granollers, wo die deutsche Mannschaft vier ihrer fünf Gruppenspiele austrug, treffen sich die Journalisten in einem Seitentrakt der Sporthalle zur Pressekonferenz. Weil es dort kälter als draußen ist, steht ein Heizstrahler bereit, so wie man ihn aus der Kneipe um die Ecke kennt. Der hält Gäste schön warm. In Granollers ist der Heizstrahler ausgeschaltet.

Das macht aber eigentlich nichts, denn die Pressekonferenzen mit den Trainern dauern nicht lange. Ein, zwei Statements, fertig. Wer nicht Englisch spricht, nutzt einen Dolmetscher, so wie der brasilianische Coach nach dem Auftaktduell mit Deutschland. Als der Übersetzer loslegt, rätseln die Journalisten, ob damals in der Schule nicht doch Portugiesisch die bessere Wahl bei den Fremdsprachen gewesen wäre. Man versteht kein Wort. Zum Glück funktioniert die Lautsprecheranlage nicht, sonst hätte womöglich noch ein Kollege aus den hinteren Reihen eine Nachfrage.

Einer konnte über die technischen Aussetzer in der Vorrunde so gar nicht lachen: Martin Heuberger wird bei dem Gedanken an die Anzeigetafeln in Granollers wohl immer noch sauer. Sowohl gegen Argentinien als auch gegen Montenegro verzweifelte der Bundestrainer an den Offiziellen, die mit den vielen Knöpfen mehr als einmal überfordert waren. Entscheidend waren die Fehler zum Glück nicht.

Auch das passt zu einer Vorrunde, der abgesehen vom deutschen Sieg gegen Frankreich die echten Highlights fehlten. Es war eine Woche mit viel, aber selten großem Sport. Australien beispielsweise musste sich in der Gruppe B gleich mehrfach vorführen lassen. Bei der 11:51(!)-Niederlage gegen Spanien war das einzig Tröstliche für den Außenseiter, dass auch andere kräftig Prügel kassierten. Chile, Südkorea oder Ägypten sind ebenfalls nicht über die Rolle des Punktelieferanten hinausgekommen.

Aber die Diskussionen um das sportliche Niveau sind nun glücklicherweise vorbei. Am Sonntag startet das Achtelfinale, im K.o.-System sind alle großen Handball-Nationen dabei. Sogar Deutschland. Dann gibt es auch wieder Gangnam Style.

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Handball-Nationalmannschaft: Der deutsche WM-Kader
Hallenhandball-Weltmeister der Männer
Jahr Team
2015 ???
2013 Spanien (31:19 gegen Dänemark)
2011 Frankreich (37:35 n.V. gegen Dänemark)
2009 Frankreich (24:19 gegen Kroatien)
2007 Deutschland (29:24 gegen Polen)
2005 Spanien (40:34 gegen Kroatien)
2003 Kroatien (34:31 gegen Deutschland)
2001 Frankreich (28:25 n.V. gegen Schweden)
1999 Schweden (25:24 gegen Russland)
1997 Russland (23:21 gegen Schweden)
1995 Frankreich (23:19 gegen Kroatien)
1993 Russland (28:19 gegen Frankreich)
1990 Schweden (27:23 gegen die UdSSR)
1986 Jugoslawien (24:22 gegen Ungarn)
1982 UdSSR (30:27 n.V. gegen Jugoslawien)
1978 Deutschland (20:19 gegen die UdSSR)
1974 Rumänien (14:12 gegen die DDR)
1970 Rumänien (13:12 n.V. gegen die DDR)
1967 CSSR (14:11 gegen Dänemark)
1964 Rumänien (25:22 gegen Schweden)
1961 Rumänien (9:8 n.V. gegen die CSSR)
1958 Schweden (22:12 gegen die CSSR)
1954 Schweden (17:14 gegen Ges.-Deutschland)