Blutdoping-Affäre: Nada zieht vor Sportgerichtshof, WDR siegt gegen Franke

Der Fall der in Erfurt praktizierten UV-Behandlung von Blut geht vor den Internationalen Sportgerichtshof. Zuvor hatte das Deutsche Sportschiedsgericht einen Radsportler freigesprochen. Der Mediziner Andreas Franke hat vor Gericht hingegen eine Niederlage erlitten.

Blutprobe: Nada will Urteil zur UV-Behandlung von Blut prüfen lassen Zur Großansicht
dapd

Blutprobe: Nada will Urteil zur UV-Behandlung von Blut prüfen lassen

Hamburg - Die Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschland (Nada) will vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) überprüfen lassen, ob die in Erfurt praktizierte UV-Behandlung von Blut wirklich kein Doping-Verstoß gewesen ist. Nach einem Urteil des Deutschen Sportschiedsgerichts vom 2. November dieses Jahres war die UV-Behandlung von Blut vor dem 1. Januar 2011 nicht als Doping eingestuft worden.

"Das Urteil des Deutschen Sportschiedsgerichts ist zwar richtungsweisend, aber das heißt nicht, dass wir damit einverstanden sind. Wir wollen nun auf internationaler Ebene Rechtssicherheit vor allem für diesen Tatbestand für den Zeitraum vor 2011 erlangen", sagte Nada-Chefjustiziar Lars Mortsiefer.

Das Verfahren um die UV-Behandlung von Blut zwischen der Nada und einem Radsportler endete vor dem Schiedsgericht mit einem Freispruch für den namentlich nicht genannten Athleten.

Derweil hat der Mediziner Andreas Franke vor Gericht eine Niederlage erlitten. Der Autor Hans-Joachim Seppelt und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) dürfen wie im WDR-Beitrag vom Januar wieder behaupten, der Arzt habe am Olympia-Stützpunkt Erfurt mit seiner UV-Blutbehandlung eine verbotene Methode angewendet. Laut OLG-Richterin Stefanie Rüntz kam der Senat zur Auffassung, die Kommentare des WDR seien erlaubte Meinungsäußerungen gewesen. Danach zog Franke seinen Antrag auf Unterlassung zurück.

Anders geurteilt hatte im Juni das Landgericht Köln. Damals hatte Franke eine einstweilige Verfügung gegen Autor und Sender erwirkt. Der WDR hatte dann vor dem OLG Einspruch eingelegt.

mib/sid/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)