Blutdoping-Affäre: Sportgerichtshof bestätigt Pechstein-Sperre

Der internationale Sportgerichtshof Cas hat die vom Eisschnelllauf-Weltverband verhängte Sperre für die deutsche Athletin Claudia Pechstein bestätigt. Das Management der 37-Jährigen kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Dopingsperre: Der tiefe Fall der Claudia Pechstein Fotos
DPA

Hamburg - Fassungslosigkeit, Bestürzung und unbändige Wut bei Claudia Pechstein: Nach dem Urteilsspruch des höchsten Sportgerichts droht Deutschlands erfolgreichster Winter-Olympionikin das Karriereende. Pechsteins Management kündigte an, vor der nächsten Instanz, dem Schweizer Bundesgericht, Berufung einzulegen.

"Das zu akzeptieren, ist für mich unglaublich hart. Nach dem wochenlangen unwürdigen Hin und Her war das Urteil aber abzusehen. Ich bin nicht mehr über das Ergebnis geschockt, sehr wohl aber darüber, wie es zustande gekommen ist", sagte Pechstein in einer ersten Reaktion "Erst die Isu, jetzt der Cas. Ich habe lernen müssen, dass es ausgerechnet vor Sportgerichten offenbar keinen Platz für das im Sport so oft beschworene Fairplay gibt", so Pechstein.

"Wie man mich ohne Beweis, aufgrund eines einzigen Indizes, das zudem in der Wissenschaft noch sehr umstritten ist, sperren kann, wird mir für immer unbegreiflich bleiben", fügte sie hinzu. "Ich werde mich jetzt keinesfalls geschlagen geben. Der gerichtliche Weg wird erst dann zu Ende sein, wenn die Gerechtigkeit gesiegt hat", erklärte Pechstein. Ihr Anwalt Simon Bergmann sprach von eine "schwarzen Tag für die Sportrechtsprechung."

DESG akzeptiert Urteil zähneknirschend

Der Eislauf-Weltverband Isu hatte die Berlinerin, die jegliches Blutdoping bestreitet, am 3. Juli wegen auffälliger Blutwerte rückwirkend für zwei Jahre gesperrt. Pechstein war als erste Sportlerin aufgrund von indirekten Dopingnachweisen von den Wettbewerben ausgeschlossen worden. Dagegen war sie vor dem Sportgericht in Berufung gegangen.

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) hat das Urteil bereits akzeptiert und wird keine weiteren Rechtsmittel einlegen. Gleichwohl kritisierte DESG-Präsident Gerd Heinze die Entscheidung. "Der CAS hat unsere Auffassung von Recht und Fairplay nicht geteilt. Das ist ein Tiefschlag für mein Rechtsempfinden", sagte Heinze: "Wie müssen das Urteil akzeptieren und werden keine weiteren Stellen anlaufen. Wir sind dem Dopingkampf verpflichtet und müssen jetzt im Sinne unserer Satzungen und Richtlinien handeln."

Heinze weigerte sich allerdings, nach dem Urteil von seiner persönlichen Unschuldsvermutung abzurücken. "Es ist menschlich nicht möglich, Claudia wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen." Die DESG hatte ebenso wie Pechstein gegen die vom Weltverband Isu verhängte Zweijahressperre vor dem CAS Berufung eingelegt.

Pechstein-Anwalt rechnet mit Prozessflut

Nach diesem Urteil könnten nun zahlreich Sperren gegen verdächtige Sportler in allen olympischen Verbänden folgen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass der Cas die Reichweite der auch im Sportrecht geltenden Unschuldsvermutung verkannt hat", erklärte Bergmann.

"Soweit der CAS hier nach dem Grundsatz 'Der Zweck heiligt die Mittel' vorgegangen ist, könnte dies ein klassisches Eigentor werden. Man muss damit rechnen, dass nun zahlreiche Verbände versuchen werden, Athleten auf Basis fragwürdiger Blutwerte zu sperren. Ich rechne mit einer Prozessflut", sagte Bergmann und sprach von einem 'schwarzen Tag für die Sportrechtsprechung.'"

Pechstein muss nun auch um ihren Beamtenstatus bei der Bundespolizei fürchten, die bereits ein Disziplinarverfahren eröffnet hat. Die Sperre endet am 9. Februar 2011.

mig/sid/dpa

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Forum - Sperre für Claudia Pechstein bestätigt - Ihre Meinung zum Urteil?
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1.
lemmiecaution 25.11.2009
Zitat von sysopie hatte auf einen Freispruch gehofft, doch Claudia Pechstein darf auch weiterhin nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Der Internationale Sportgerichtshof bestätigte die Dopingsperre gegen die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin. Ein faires Urteil? Oder wurde an Pechstein ungerecht behandelt?
Da ich davon ausgehe, dass sie manipuliert hat - was ich allerdings auch allen anderen Athleten in der absoluten Weltspitze unterstelle - bin ich über dieses Urteil erfreut. Die windige Unschuldskampagne mit Hilfe des Boulevards und windigen Experten fand ich einfach unerträglich. Immerhin bleibt sie bis heute die Erklärung für ihre auffälligen Leistungsschübe innerhalb weniger Tage, die öfter zu verzeichnen waren, schuldig. Sie ist einfach dem Motto "Angriff und Díffamierung ist die beste Verteidigung" verfahren. Mehr nicht. Zudem unterliegt sie den eindeutigen, wenn auch recht neuen, Vorschriften und Vorgaben ihres Verbandes. Und der ist schließlich seinen eigenen strengen Richtlinien gefolgt. Pech für sie, dasss sie halt die erste Betroffene ist. Aber jetzt, nach diesem Urteil, gehe ich von einer größeren Zahl von Athleten aus, denen das Gleiche blüht.
2.
Hador, 25.11.2009
Zitat von sysopie hatte auf einen Freispruch gehofft, doch Claudia Pechstein darf auch weiterhin nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Der Internationale Sportgerichtshof bestätigte die Dopingsperre gegen die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin. Ein faires Urteil? Oder wurde an Pechstein ungerecht behandelt?
Was soll man auf diese Frage antworten? Als Aussenstehender ist es bei einem derart komplexen Verfahren einfach nicht möglich zu sagen ob das Urteil gerecht ist oder nicht. Keiner von uns hier im Forum kann sagen ob Frau Pechstein gedopt hat oder nicht und aus den wenigen harten Fakten, die öffentlich bekannt sind können wohl selbst Fachleuten keine sicheren Schlüsse ziehen. Insofern....
3. endlich
jogi246, 25.11.2009
endlich ist es soweit! konsequent, hart und gerecht! nur so kann man den kampf gegen doping gewinnen. ich habe überhaupt kein mitleid mit ihr. auch ihre polemische und sachfremde pr hat nun ein ende! sie hat mir bis heute immer noch nicht erklären können, warum ausgerechnet zu entscheidenden wettkämpfen ihre erbliche krankheit voll zugeschlagen hat.... es spielt auch keine rolle, dass womöglich alle anderen auch dopen! sie hat es getan und indirekt erwischt worden....
4.
derTeebeutel, 25.11.2009
Na endlich.Jetzt ist es endlich möglich,auch in anderen Sportarten die Sperren auszusprechen,die nötig sind um die Betrüger auszuschliessen.Ich finde es richtig ,das Indizien ausreichend sind um jemanden wegen Dopings zu sperren.Das es mit Frau Pechstein nun ausgerechnet so eine prominente Sportlerin trifft,ist eben so.Und ehrlich..diese reflexhaften Ausreden,das die Blutwerte angeboren abnorm sind...ist doch immer wieder dasselbe.Ich mags nicht mehr hören.Noch schlimmer in diesem Fall ist ja die Argumentation,das da ein Nachweisverfahren angewendet wurde,was eigentlich noch nicht hätte angewendet werden dürfen....Oft erinnern mich die Argumente der Betrüger an die Schlange die sich windet.
5.
hook123 25.11.2009
Zitat von sysopie hatte auf einen Freispruch gehofft, doch Claudia Pechstein darf auch weiterhin nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Der Internationale Sportgerichtshof bestätigte die Dopingsperre gegen die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin. Ein faires Urteil? Oder wurde an Pechstein ungerecht behandelt?
Das Urteil bestätigt nur, dass auch der CAS ein korrupter Haufen schmutzigster Funktionäre ist die nicht Ansatzweise ein schlüssiges Konzept zur Dopingbekämpfung haben und deswegen ein Exempel statuieren wollten. Demnächst reicht als Indiz für Doping aus, dass man schon mal in einer Apotheke war. Man kann Frau Pechstein nur die Daumen drücken, dass ein echtes Gericht mit unabhängigen Richtern diese Sauerei wieder graderückt. Ich finde es jedenfalls sehr tapfer, dass Frau Pechstein weiterkämpfen will und der korrupten Funktionärsmafia die Stirn bietet.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)

Der neue Wada-Code
Härtere Strafen
Für schwerwiegende Erstverstöße wie systematisches Doping oder Verhinderung der Aufdeckung von Vergehen wurde die Sperre von zwei auf vier Jahre angehoben. Drei Verstöße gegen die Meldepflicht ("Missed Tests") binnen 18 Monaten führen zu einer Sperre von ein bis zwei Jahren. Nach einer positiven A-Probe wird eine provisorische Suspendierung des Athleten ausgesprochen. Die B-Probe muss spätestens sieben Tage später analysiert sein.
Flexibilität
In Einzelfällen können besondere Umstände berücksichtigt werden und flexiblere Strafen verhängt werden. Eine Strafminderung kann z.B. gewährt werden, wenn ein Athlet beweisen kann, dass eine verbotene Substanz ohne Verschulden in seinen Körper gelangt ist. Außer Sperren können zusätzlich Geldbußen verhängt werden.
Kronzeugenregelung
Die Kronzeugenregelung ist erweitert worden. Wenn ein Athlet die Aufdeckung von Dopingverstößen Dritter substantiell mit Detailinformationen unterstützt, kann die Sperre um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Eine Verkürzung bis um die Hälfte wird eingeräumt, wenn ein Athlet Doping gesteht, bevor er positiv kontrolliert wurde.
Gültigkeit
Der neue Welt-Anti-Doping-Code, beschlossen auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Madrid Mitte November 2007, ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Die "Deklaration von Madrid" verpflichtet alle Organisationen des Sports, ihre Statuten dem neuen Code anzugleichen. Gleichzeitig werden alle Regierungen aufgerufen, die Unesco-Konvention gegen Doping zu unterzeichnen und damit den Code als universell verbindlich anzuerkennen.