Hamburg-Marathon "Die Laufstrecke wird ständig überprüft"

Die tödlichen Bombenexplosionen in Boston erschüttern auch die Sportwelt. In wenigen Tagen schon findet der Marathon in Hamburg statt. Organisator Frank Thaleiser spricht über die Auswirkungen der US-Tragödie auf seinen Lauf.

Hamburg-Marathon: Im Schatten der Tragödie von Boston
dapd

Hamburg-Marathon: Im Schatten der Tragödie von Boston


SPIEGEL ONLINE: Herr Thaleiser, Sie veranstalten am kommenden Wochenende den Marathon in Hamburg. Kann man solch ein Event nur wenige Tage nach den Anschlägen in Boston überhaupt verantworten?

Frank Thaleiser: Ja. Der Hamburg-Marathon wird stattfinden, trotz der schrecklichen Geschehnisse in Boston. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Heute Morgen haben Polizei, Innenbehörde und Verfassungschutz getagt, ihrer Ansicht nach besteht kein erhöhtes Sicherheitsrisiko für unseren Lauf.

SPIEGEL ONLINE: Beeinflussen die Bombenexplosionen den Ablauf des Hamburger Marathons?

Thaleiser: Wir prüfen derzeit, ob wir die Veranstaltung durch zusätzliche Maßnahmen sichern können. Die Laufstrecke wird die Woche über ganz genau überwacht. Aber wir können am Wochenende nicht die ganze Stadt mit Bombenspürhunden durchkämmen oder während des Wettkampfs an jeder Stelle der 42 Kilometer einen Polizei- oder Sicherheitsbeamten postieren. Vielleicht würde es das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen, wenn wir im Zieleinlauf 100 Polizisten aufstellen würden. Doch wirklich geholfen ist damit niemandem.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Thaleiser: So ein Marathonlauf ist eine Veranstaltung im öffentlichen Raum. Das lässt sich nicht mit einem Fußballspiel vergleichen, bei dem die Zuschauer durch Einlasskontrollen müssen. Jeder kann zuschauen und nah dabei sein. Das macht diesen Sport und unseren Lauf doch aus, dafür ist auch Boston berühmt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen denn die konkreten Sicherheitsvorkehrungen für so eine sportliche Großveranstaltung aus?

Thaleiser: Auch ohne derartige Vorkommnisse im Vorfeld stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit der Innenbehörde, mit der wir eine Risikoanalyse anhand der zu erwartenden Teilnehmer- und Zuschaueranzahl erstellen. Darin spielt ein möglicher Anschlag normalerweise keine Rolle. Anhand dieser Analysen organisiert die Polizei ihren Einsatz entlang der Strecke und rund um die ganze Veranstaltung. Zudem haben wir etliche freiwillige Helfer, deren einzige Aufgabe es ist, sich um das Wohl der Sportler zu kümmern.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt nach erheblichem Aufwand.

Thaleiser: Wir machen 51 Wochen im Jahr nichts anderes, als uns auf diesen Tag vorzubereiten. Gleiches gilt für die Sportler. In der letzten Woche steigt der Adrenalinspiegel ohnehin. Dass jetzt, so kurz vor dem Marathon, so eine Tragödie passiert, ist für alle eine Katastrophe, Läufer wie Organisatoren. Ich hatte seit den Anschlägen keine ruhige Minute mehr.

SPIEGEL ONLINE: Und trotzdem wollen Sie an Ihrer Veranstaltung festhalten?

Thaleiser: Gerade deshalb. Das Wetter soll gut werden, wir erwarten 750.000 Zuschauer entlang der Strecke. Für sie und die Athleten auf der ganzen Welt soll unser Marathon ein Hoffnungsschimmer sein: Wir lassen uns unseren Sport und die damit verbundenen Werte von so etwas nicht kaputtmachen.

Das Interview führte Sara Peschke

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