Nach Absage von Alexander Zverev Boris Becker kritisiert Davis-Cup-Format

Probleme mit dem Belag, Streit über die Turnierform: Boris Becker hat den Davis Cup in seiner bisherigen Form kritisiert. Zuletzt hatten drei deutsche Top-Spieler für den Ländervergleich abgesagt.

Boris Becker
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Boris Becker hält den Davis Cup im traditionellen Format für "nicht immer zeitgemäß". Das sagte der dreimalige Wimbledonsieger, seit Kurzem als "Head of Men's Tennis" im Deutschen Tennis Bund (DTB) tätig, am Rande der US Open bei Eurosport.

"Man versucht seit geraumer Zeit, Veränderungen herbeizuführen: vielleicht nur alle zwei Jahre, vielleicht in Turnierform über zehn Tage", sagte Becker. Zudem sei es für die Spieler schwierig, "auf einem Belag zu spielen, den man die Woche davor oder die Woche danach nicht spielt".

Anfang August waren Kernpunkte einer Reform des traditionsreichen Mannschaftswettbewerbs beim Kongress des Tennis-Weltverbandes ITF in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam gescheitert.

Nach dem Votum der Mitgliedsverbände werden die Partien im Davis Cup auch in Zukunft über drei Gewinnsätze ausgetragen. Bereits im Vorfeld war die Idee abgelehnt worden, Davis-Cup- und Fed-Cup-Endspiele auf neutralem Boden auszutragen.

"Er wollte spielen"

Deutschland spielt im Match um den Klassenerhalt in der Weltgruppe vom 15. bis zum 17. September in Portugal. Die Partie in Estoril wird auf Sand ausgetragen, auf der ATP-Tour finden die Turniere im Herbst dagegen auf Hartplatz statt.

Die deutschen Topspieler Alexander und Mischa Zverev sowie Philipp Kohlschreiber werden nicht dabei sein. Im Fall von Alexander Zverev haben laut Becker die Berater des Tennisprofis zur Absage geraten: "Er wollte spielen, er hat uns das auch noch mal glasklar versichert, aber sein Management hat ihm davon abgeraten."

Mischa Zverev habe hingegen gemeinsam mit Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann entschieden, dass er nicht spiele, sagte Becker. Sand ist nicht der beste Belag des 30-Jährigen, zudem klagte der Linkshänder über Probleme am Nacken.

"Ich weiß, wie viele Menschen an einem rumzerren."

Kohlschreiber hatte schon vor der offiziellen Verbandsmitteilung angedeutet, wegen mehrerer Blessuren auf einen Einsatz im prestigeträchtigen Mannschaftswettbewerb zu verzichten. "Ich muss auch auf meinen Körper hören", sagte der 33-Jährige.

Becker zeigte sich vor allem von der Absage des jüngeren Zverev-Bruders enttäuscht: "Das ist schade, er ist ein Idol von Millionen von Menschen. Das wäre eine große Chance gewesen, etwas für sein Image zu tun." Er äußerte aber auch Verständnis: "Ich weiß, wie viele Menschen an einem rumzerren. Das ist nicht immer einfach für einen 20-Jährigen."

Beim Davis Cup sollen es jetzt Jan-Lennard Struff, Cedrik-Marcel Stebe sowie die Debütanten Yannick Hanfmann und Tim Pütz richten. "Es ist die Chance für diese Jungs, aus dem Schatten der großen drei herauszutreten", sagte Becker.

bka/dpa/sid



insgesamt 7 Beiträge
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ptb29 06.09.2017
1. Wenn die gehypten Tennisprofis nicht spielen wollen,
wird dieser Sport wieder ein Randdasein führen. Kerber absteigen, Zwerev-Brüder egoistisch nur für den eigenen Erfolg antretend, Damit lockt man keine Nachwuchsspieler an.
fisch4567 06.09.2017
2. Hier ist auch der Sponsor gefordert!!!
Man würde sich wünschen, dass hier auch der Sponsor Adidas, immerhin auch ein deutsches Unternehmen, mal eine ganz klare Ansage an den jungen "Schnösel" und sein Management macht. Es sollte, wie in nahezu allen anderen Sportarten eine Selbstverständlichkeit sein, für sein Land zu spielen. Und es sollte auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass ein Tennisverband Spieler, die aus persönlichen Gründen nicht für den Davis-Cup oder den Federations-Cup zur Verfügung stehen, dann auch nicht für die Olympischen Spiele nominiert. Dass man sich als Gastgeber-Land beim Davis-Cup einen genehmen Belag aussucht, ist nun mal Tradition und vom DTB auch viele Male schon so gehandhabt worden. Das macht halt auch den Charme und die Tradition des DC aus.
kopi4 06.09.2017
3.
Gäbe es das Schulfach " wie ruinier ich meinen Ruf" wäre S.Zverev Musterschüler. Statt in Stuttgart auf Rasen spielte er zeitgleich lieber in den Niederlanden, die German Open ließ er sausen, den Davis Cup jetzt auch, bei den Grand Slams ernennen er und sein Umfeld ihn zum Mitfavoriten um dann nicht einmal in die 2.Woche zu kommen.
lesenbildetimmernoch 06.09.2017
4. Die Herren sind sich zu fein...
Schon seit Jahren geben die deutschen Tennisherren im Davis Cup ein erbärmliches Bild ab. Die "guten" Spieler sind sich regelmäßig zu fein dafür, im Davis Cup zu spielen, weil man damit keinen Blumentopf gewinnen kann. Einzig die individuelle Solokarriere zählt. Deutschland zählt schon längst nicht mehr zur internationalen Tenniselite. Vor allem bei den Männern sieht man einen zerstrittenen Gockelhaufen, in dem sich jeder stets der Nächste ist. Für das eigene Land zu spielen ist lästig und unbeliebt. So kann das deutsche Tennis nur verlieren, an Ansehen und Nachwuchs. Daran kann und wird auch Boris Becker nichts ändern. Traurig.
briancornway 06.09.2017
5. Erbarmen
Zitat von lesenbildetimmernochSchon seit Jahren geben die deutschen Tennisherren im Davis Cup ein erbärmliches Bild ab. Die "guten" Spieler sind sich regelmäßig zu fein dafür, im Davis Cup zu spielen, weil man damit keinen Blumentopf gewinnen kann. Einzig die individuelle Solokarriere zählt. Deutschland zählt schon längst nicht mehr zur internationalen Tenniselite. Vor allem bei den Männern sieht man einen zerstrittenen Gockelhaufen, in dem sich jeder stets der Nächste ist. Für das eigene Land zu spielen ist lästig und unbeliebt. So kann das deutsche Tennis nur verlieren, an Ansehen und Nachwuchs. Daran kann und wird auch Boris Becker nichts ändern. Traurig.
Kohlschreiber hat in 10 der letzten 11 Jahre mitgespielt, A.Zverev will zwar, soll aber nicht, M.Zverev ist auf Sand nicht erste Wahl ... Nun sagen Sie, wer ist sich denn da zu fein ?
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