Box-Sensation: "Lennox Lewis war zu arrogant"

Es ist eine der größten Überraschungen der Box-Geschichte: Der britische Schwergewichts-Champion Lennox Lewis ging in Johannesburg gegen einen amerikanischen Außenseiter k.o.

Champion Lewis am Boden: "Ich kann es nicht glauben"
DPA

Champion Lewis am Boden: "Ich kann es nicht glauben"

Johannesburg - Die Box-Welt steht auf dem Kopf: Mit einem "lucky punch" beendete der Amerikaner Hasim Rahman am Sonntagmorgen in Johannesburg die Herrschaft des Briten Lennox Lewis im Schwergewicht und holte sich durch seinen bereits im Vorfeld angekündigten K.o.-Sieg nach 2:32 Minuten in der fünften Runde die Weltmeistergürtel der Verbände IBF und WBC. "Ich kann es gar nicht richtig glauben", wunderte sich der 35 Jahre alte Lewis nach der bitteren Niederlage, seiner ersten in sechseinhalb Jahren.


"Allah hat all meine Gebete erhört"


In der Schwergewichtsszene werden nun die Karten nach dieser größten Überraschung des letzten Jahrzehnts neu gemischt. Der 100-Millionen-Dollar-Kampf von Lewis gegen den Amerikaner Mike Tyson wird nun wohl platzen. Stattdessen sind die Kurse der beiden Klitschko-Brüder stark gestiegen.

Sein größter Sieg: Hasim Rahman
REUTERS

Sein größter Sieg: Hasim Rahman

WM-Debütant Rahman tanzte wie ein Irrwisch im Ring und jubelte freudetrunken: "Jetzt bin ich der Champion. Ich habe alles in diesen einen Schlag gelegt. Allah hat meine Gebete erhört. Nun wird es nichts mit dem Kampf Lewis gegen Tyson. Jetzt kämpfe ich gegen Mike. Auch Lewis bekommt sein Rematch, er ist noch immer ein großer Champion. Ich danke Allah!"


WM-Vorbereitung mit Julia Roberts


Völlig überraschend lief der WM-Kampf vor 5500 Zuschauer in der ausverkauften Carnival City Arena von Johannesburg fast auf die Minute genau so, wie es Rahman schon lange vor dem ersten Gong prophezeit hatte. "Ich denke, Lewis hat einen Fehler begangen; man braucht mindestens drei Wochen, um sich zu akklimatisieren. Er wird es nach fünf Runden definitiv merken", hatte der Herausforderer im Vorfeld immer wieder getönt. Seinen Worten ließ Rahman, der schon 27 Tage vor dem WM-Duell in Südafrika eingetroffen war, schlagkräftige Taten folgen. Für Lewis, der nach Filmaufnahmen mit Oscar-Preisträgerin Julia Roberts erst zwei Wochen vor dem Fight eingeflogen war, wurde die Luft in 1700 Meter über Meereshöhe immer dünner.


Kritik von Axel Schulz


"Lewis wollte den Kampf zu stark dirigieren, das war sein Fehler. Er war zu arrogant. Lennox sah diesen Kampf wohl nur als Durchgangsstation für einen Tyson- oder Klitschko-Kampf", schrieb Ex-Boxer Axel Schulz dem unterlegenen Briten als Fachkommentator des Fernsehsender "Premiere World" ins Stammbuch.

Der Verlierer bemühte sich, die Bedeutung der Niederlage in seinem 15. WM-Kampf im Schwergewicht herunterzuspielen: "So ist eben das Schwergewichts-Boxen. Sein Schlag kam voll durch, ich nicht mehr rechtzeitig hoch - so einfach ist das. Es war eine starke Rechte, und ich stand in dem Moment mit dem Rücken zu den Seilen. Ich habe mich eigentlich gut gefühlt im Kampf. Aber ich habe nicht getroffen und er dagegen schon - fertig!"

Der schwer geschlagene Brite, der schon 1994 nach seiner überraschenden Niederlage gegen Oliver McCall in London zurückgekehrt war und die Revanche in Las Vegas gewonnen hatte, kündigte an: "Ich will das Rematch, und dann liegt Rahman auf dem Boden!"

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