Weltmeister Powetkin: Bereit für Wladimir

Von Florian Schröder

Zwei Runden, dann war alles vorbei: Alexander Powetkin hat seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht erfolgreich verteidigt. Dabei ließ der Russe seinem Gegner Hasim Rahman keine Chance. Als Pflichtherausforderer soll jetzt endlich der Kampf gegen Wladimir Klitschko folgen.

Box-Weltmeister Powetkin: Jetzt soll der Kampf gegen Klitschko folgen Zur Großansicht
AP

Box-Weltmeister Powetkin: Jetzt soll der Kampf gegen Klitschko folgen

Frisch geduscht und verarztet stellte sich Hasim Rahman den Fragen der Journalisten - doch selbst mit reichlich zeitlichem Abstand waren dem US-Amerikaner die Folgen des Kampfes noch anzumerken, Rahman wirkte deutlich angeschlagen. "Powetkin ist ein großer Kämpfer - ich hatte keine Chance", zollte der 39-Jährige seinem Gegner Respekt.

Im Vorfeld des Fights hatte er mit markigen Sprüchen seinen Sieg angekündigt: "Ich werde Powetkin definitiv ausknocken. Meine Erfahrung ist Gold wert", so Rahman. Doch in den Katakomben der Hamburger Sporthalle war davon in der späten Samstagnacht keine Rede mehr. Der Ex-Weltmeister, der 2001 mit einem Sieg gegen Lennox Lewisfür eine Sensation sorgte, konnte zu keinem Zeitpunkt überzeugen, ging in der zweiten Runde technisch K.o.

Nicht einmal fünf Minuten waren zuvor geboxt gewesen, ehe das Spektakel schon wieder vorbei war: Nach einem platzierten linken Haken konnte sich Rahman kaum noch auf den Beinen halten, einige harte Treffer später war es dann soweit - der Ringrichter brach den Kampf zugunsten von Alexander Powetkin ab.

Fotostrecke

4  Bilder
Schwergewichts-Boxen: Powetkin mit Power, Rahman ratlos
Der 1,89 Meter große und 116 Kilogramm schwere Rahman wirkte schon bei seinem Einmarsch in den Ring, der auf eigenen Wunsch ohne die sonst übliche Einlaufmusik stattfand, behäbig und nicht austrainiert. Ganz anders der Weltmeister aus Russland: Konzentriert, schnell und ungewohnt beweglich präsentierte sich Powetkin den Zuschauern in Hamburg. Der 33-Jährige, der nach seinem schwachen Kampf gegen Marco Huck zuletzt häufig kritisiert wurde, ließ seinem sechs Jahre älteren Kontrahenten von Anfang keine Chance. "Ich hätte mir auch gewünscht, dass der Kampf ein bisschen länger geht", sagte der Russe nach seinem Sieg, sah aber noch Verbesserungspotenzial: "Es ist mir noch nicht alles gelungen. Aber es wird immer besser".

Dass Rahmans beste Zeiten wohl vorbei sind, war auch seinem Manager Greg Cohen nicht entgangen. "Wir werden uns jetzt zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was das beste für Hasim ist", antwortete er auf die Frage, ob es möglicherweise der letzte Kampf der Unterlegenen gewesen sei. Es war erst die achte Niederlage im 61. Profi-Kampf für den US-Amerikaner.

Showdown gegen Klitschko

Für Powetkin soll es jetzt zum Showdown gegen Wladimir Klitschko kommen. Der Ukrainer kämpft am 10. Oktober ebenfalls in Hamburg gegen den Polen Mariusz Wach. "Der Sieger aus diesem Kampf wird definitiv gegen Alexander Powetkin antreten", sagte Powetkins Manager Wilfried Sauerland nach der Titelverteidigung seines Schützlings. Klitschko hatte zuletzt den Status Powetkins als WBA-Weltmeister kritisiert: "Die Entscheidung, ihn als Weltmeister zu bezeichnen, finde ich nicht so glücklich. Ein Weltmeister sollte ja eigentlich nicht zu übertreffen sein", sagte der 36-Jährige der "Berliner Morgenpost". Die World Boxing Association (WBA) machte Klitschko im vergangenen Jahr zum WBA-Superchampion und ermöglichte so Powetkin, gleichzeitig den Weltmeistertitel zu tragen.

"Der Kampf muss bis zum 27. Februar stattfinden", sagte Box-Promoter Kalle Sauerland, Sohn von Manager Wilfried Sauerland, nun über ein mögliches Duell des Russen gegen Klitschko. Schon mehrfach hatte es Verhandlungen über ein Duell der beiden Schwergewichtler gegeben, zu einer Einigung kam es bisher allerdings nicht: "Ich war immer bereit zu kämpfen. Daran ändert sich auch nach dem Kampf Powetkins gegen Rahman nichts", hatte Klitschko bereits im Vorfeld gesagt.

"Bessere Chancen als ausgegrabene Pflaumen"

Nach Powetkins Titelverteidigung war der mögliche Kampf gegen Klitschko das alles beherrschende Thema. Niemand wollte sich wirklich intensiv mit dem schnellen und einfachen Sieg Powetkins gegen Rahman beschäftigen. Zu schwach war der 39-Jährige, zu dominant der Russe. Sein neuer Trainer Kstya Tszyu scheint bereits den richtigen Draht zum 33-Jährigen gefunden zu haben. "Er war wirklich sehr gut drauf. Trotzdem hätte ich niemals gedacht, dass es nach zwei Runden vorbei ist", sagte der ehemalige Weltmeister im Halbweltergewicht.

Zu den Chancen Powetkins in einem möglichen Kampf gegen Klitschko wollte sich dann aber nur Promoter Sauerland wirklich äußern: "Eines ist sicher: Alexander hat in jedem Fall bessere Chancen, als die ausgegrabenen Pflaumen, die zuletzt gegen die Klitschkos geboxt haben", sagte der 36-Jährige.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Boxen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Box-Legenden: Historische Kämpfe

Box-Glossar
Beim Boxen ist die Stellung der Kämpfer ausschlaggebend, dazu kommen in der Regel drei verschiedene Schlag-Varianten zum Einsatz. Diese werden untereinander beliebig zu sogenannten Schlag-Kombinationen zusammengefügt. Ebenfalls ein probates Mittel ist das Klammern, um sich aus ungünstigen Situationen zu befreien.

  • Auslage: Unter der Auslage eines Boxers versteht man die Stellung und Richtung zum Gegner. Die Kämpfer stehen dabei einander nicht frontal, sondern versetzt gegenüber, wobei diejenige Hand, die dem Gegner näher ist, als Führhand, die hinten liegende Hand als Schlaghand bezeichnet wird. Da die meisten Menschen Rechtshänder sind, gilt die Linksauslage als normal und wird meistens Normalauslage genannt. Bei ihnen stehen linkes Bein und linke Hand näher zum Gegner - in der Rechtsauslage entsprechend andersherum.

    Jab: Eine abrupt geschlagene Gerade mit der Führhand. Der Schlag hat zumeist den Kopf zum Ziel. Der Jab zählt dabei nicht zu den stärksten Schlägen, nur selten geht ein Boxer nach einem einzelnen Jab zu Boden.

    Cross: Eine Gerade, die mit der Schlaghand geschlagen wird. Die Schlaghand wird vom Kinn auf einer geraden Linie ins Ziel geführt. Die Führhand wird dabei zurückgenommen, um das Kinn zu schützen. Der Cross ist ein sogenannter Powerpunch.

Haken: Ein Schlag, bei dem zwischen Kopf- und Körperhaken unterschieden wird. Zum Einsatz kommt der Haken beim Boxen in der Halbdistanz. Der Schlag eignet sich vor allem als K.o.-Schlag, da er zumeist von der Seite kommt und so durch die Deckung des Gegners geht.

Klammern: Eine taktische Maßnahme, um sich eine Pause zu verschaffen oder sich aus einer ungünstigen Position zum Gegner zu befreien. Der Ringrichter muss die Kontrahenten aus der Klammerung trennen, so dass eine neue Kampf-Situation entsteht. Klammern stellt einen Regelverstoß dar, der aber aufgrund der Häufigkeit oft geduldet wird. Ab einem gewissen Grad wird das Vergehen jedoch mit Verwarnungen und damit mit Punktabzügen bestraft.