Von Florian Schröder
Frisch geduscht und verarztet stellte sich Hasim Rahman den Fragen der Journalisten - doch selbst mit reichlich zeitlichem Abstand waren dem US-Amerikaner die Folgen des Kampfes noch anzumerken, Rahman wirkte deutlich angeschlagen. "Powetkin ist ein großer Kämpfer - ich hatte keine Chance", zollte der 39-Jährige seinem Gegner Respekt.
Im Vorfeld des Fights hatte er mit markigen Sprüchen seinen Sieg angekündigt: "Ich werde Powetkin definitiv ausknocken. Meine Erfahrung ist Gold wert", so Rahman. Doch in den Katakomben der Hamburger Sporthalle war davon in der späten Samstagnacht keine Rede mehr. Der Ex-Weltmeister, der 2001 mit einem Sieg gegen Lennox Lewisfür eine Sensation sorgte, konnte zu keinem Zeitpunkt überzeugen, ging in der zweiten Runde technisch K.o.
Nicht einmal fünf Minuten waren zuvor geboxt gewesen, ehe das Spektakel schon wieder vorbei war: Nach einem platzierten linken Haken konnte sich Rahman kaum noch auf den Beinen halten, einige harte Treffer später war es dann soweit - der Ringrichter brach den Kampf zugunsten von Alexander Powetkin ab.
Dass Rahmans beste Zeiten wohl vorbei sind, war auch seinem Manager Greg Cohen nicht entgangen. "Wir werden uns jetzt zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was das beste für Hasim ist", antwortete er auf die Frage, ob es möglicherweise der letzte Kampf der Unterlegenen gewesen sei. Es war erst die achte Niederlage im 61. Profi-Kampf für den US-Amerikaner.
Showdown gegen Klitschko
Für Powetkin soll es jetzt zum Showdown gegen Wladimir Klitschko kommen. Der Ukrainer kämpft am 10. Oktober ebenfalls in Hamburg gegen den Polen Mariusz Wach. "Der Sieger aus diesem Kampf wird definitiv gegen Alexander Powetkin antreten", sagte Powetkins Manager Wilfried Sauerland nach der Titelverteidigung seines Schützlings. Klitschko hatte zuletzt den Status Powetkins als WBA-Weltmeister kritisiert: "Die Entscheidung, ihn als Weltmeister zu bezeichnen, finde ich nicht so glücklich. Ein Weltmeister sollte ja eigentlich nicht zu übertreffen sein", sagte der 36-Jährige der "Berliner Morgenpost". Die World Boxing Association (WBA) machte Klitschko im vergangenen Jahr zum WBA-Superchampion und ermöglichte so Powetkin, gleichzeitig den Weltmeistertitel zu tragen.
"Der Kampf muss bis zum 27. Februar stattfinden", sagte Box-Promoter Kalle Sauerland, Sohn von Manager Wilfried Sauerland, nun über ein mögliches Duell des Russen gegen Klitschko. Schon mehrfach hatte es Verhandlungen über ein Duell der beiden Schwergewichtler gegeben, zu einer Einigung kam es bisher allerdings nicht: "Ich war immer bereit zu kämpfen. Daran ändert sich auch nach dem Kampf Powetkins gegen Rahman nichts", hatte Klitschko bereits im Vorfeld gesagt.
"Bessere Chancen als ausgegrabene Pflaumen"
Nach Powetkins Titelverteidigung war der mögliche Kampf gegen Klitschko das alles beherrschende Thema. Niemand wollte sich wirklich intensiv mit dem schnellen und einfachen Sieg Powetkins gegen Rahman beschäftigen. Zu schwach war der 39-Jährige, zu dominant der Russe. Sein neuer Trainer Kstya Tszyu scheint bereits den richtigen Draht zum 33-Jährigen gefunden zu haben. "Er war wirklich sehr gut drauf. Trotzdem hätte ich niemals gedacht, dass es nach zwei Runden vorbei ist", sagte der ehemalige Weltmeister im Halbweltergewicht.
Zu den Chancen Powetkins in einem möglichen Kampf gegen Klitschko wollte sich dann aber nur Promoter Sauerland wirklich äußern: "Eines ist sicher: Alexander hat in jedem Fall bessere Chancen, als die ausgegrabenen Pflaumen, die zuletzt gegen die Klitschkos geboxt haben", sagte der 36-Jährige.
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