Kontroverses Ende bei Box-WM Ward besiegt Kowaljow mit Tiefschlägen

Andre Ward hat zum zweiten Mal durch eine umstrittene Entscheidung gegen Sergej Kowaljow gewonnen. Ward siegte durch technischen K.o., obwohl seine entscheidenden Schläge unter der Gürtellinie landeten.

Andre Ward
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Andre Ward


WBA-, WBO- und IBF-Halbschwergewichtsweltmeister Andre Ward hat seine Titel gegen Ex-Champion Sergej Kowaljow verteidigt. Der 33-jährige US-Amerikaner setzte sich im Mandalay Bay Hotel in Las Vegas durch technischen K.o. in der achten Runde durch. Ringrichter Tony Weeks brach den Kampf ab, als Ward Kowaljow an den Seilen stellte und mit Körpertreffern bearbeitete. Der Russe protestierte, weil der Abbruch aus seiner Sicht zu früh kam und die entscheidenden Schläge zu tief angesetzt waren.

"Ich weiß nicht, warum der Kampf gestoppt wurde", sagte der frustrierte Kowaljow direkt nach der Urteilsverkündung. "Ich war nicht auf dem Boden und hätte weitermachen können. Außerdem waren das nur Tiefschläge, mit denen ich getroffen wurde. Ich verlange ein weiteres Rematch."

Zum Zeitpunkt des Abbruchs führte Ward in einem unsauberen Kampf auf zwei Punktzetteln 67-66, der dritte Punkrichter sah Kowaljow 68-65 vorne. Der Russe boxte aus der Ringmitte und versuchte, den Weltmeister mit harten Treffern unter Druck zu setzen. Doch Ward zeigte sein gutes Distanzgefühl, pendelte die meisten Schläge des Russen mit sehenswerten Meidbewegungen aus und brachte mit seinen schnellen Händen immer wieder Konter ins Ziel. Wenn ihm Kowaljow im Infight zu nah kam, unterband der Amerikaner die Aktionen durch frühes Klammern. Die ersten Runden waren ausgeglichen. Doch je länger das Duell dauerte, desto mehr schien Ward die Kontrolle zu übernehmen.

"Titelkämpfe beginnen für mich erst ab der sechsten Runde", sagte der alte und neue Weltmeister, der mit seiner Leistung sichtlich zufrieden war. Die Entscheidung fiel in Runde acht. Ward brachte Kowaljow mit einer schönen Links-rechts-Kombination ins Wanken, setzte nach und drängte seinen Herausforderer an die Seile. "Ich wusste, dass er angeschlagen war", sagte Ward. "Dann habe ich die Entscheidung mit Kombinationen aus Körper- und Kopftreffern gesucht."

Die Zeitlupe zeigte, dass mindestens zwei der entscheidenden Haken deutlich unter der Gürtellinie landeten. Hätte Ringrichter Weeks das gesehen, hätte er dem zuvor schon wegen eines Tiefschlags verwarnten Ward einen Punkt abziehen und Kowaljow Zeit geben müssen, sich von der Wirkung zu erholen. Stattdessen brach der Referee den Kampf ab und erklärte Ward zum Sieger.

Das erste Duell zwischen Ward und Kowaljow hatte der Amerikaner im vergangenen November knapp und umstritten nach Punkten gewonnen, obwohl er in der zweiten Runde zu Boden gegangen war. Der Sieger war ausgepfiffen, Verlierer Kowaljow gefeiert worden. Im Rematch zeigte Ward eine bessere Leistung und verdiente sich den Applaus des Publikums. Wegen des erneut kontroversen Endes könnte es zu einem dritten Kampf kommen.

mmm

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
IvicaMarkovic 18.06.2017
1.
Der Kampfabbruch war ein Skandal! Ward haut seinem Gegner in die N*sse (und ich unterstelle ihm wirklich keine Absicht) und dann wird das als KO zu Gunsten Ward gewertet? Für alle, die sich den entscheidenden Tiefschlag ansehen wollen: https://m.youtube.com/watch?v=iLxlV5C4KHY
g.s-sanet 18.06.2017
2. Nix neues
Amerikanischer Boxer, amerikanischer Ringrichter, amerikanischer Austragungsort = und du hast schon verloren. Haben wir in zu vielen Kämpfen schon erlebt. Wie sagt die Twitter-Trumpete: US first, egal wie.
Rahvin 18.06.2017
3.
Nach Ansicht des entscheidenden Tiefschlags: Die Geschichte war abgekartet. Der Schiedsrichter hat beste Sicht auf das Geschehen und bricht den Kampf ab. Also entweder hat der Schiedsrichter gerade eine Auszeit genommen, oder - wahrscheinlicher - war das abgesprochen. Den Ruf nach einem Re-Rematch kann ich jedenfalls nachvollziehen.
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