Box-WM Joshua vs. Parker Die Suche nach dem neuen "König der Könige"

Anthony Joshua gilt als der beste Schwergewichtsboxer der Welt. Aber er ist nicht unumstrittener Weltmeister. Dazu fehlen dem Briten noch zwei WM-Gürtel. Einen will er sich gegen Joseph Parker holen.

AFP

17 Gewichtsklassen und vier große Weltverbände (IBF, WBA, WBC und WBO) gibt es im Profiboxen. Bis zu 68 Weltmeister (Interims-Champions und andere Titelträger nicht mitgerechnet) buhlen also um die Gunst des Publikums. Entsprechend schwer ist es, den besten Boxer der Welt zu ermitteln.

Fachmedien versuchen das in den sogenannten "Pound for Pound"-Ranglisten. Außerhalb der eingeschworenen Box-Fan-Gemeinde gilt seit jeher das Schwergewicht als die Königsklasse des Faustkampfs. Wer es schafft, alle Titel bei den schweren Jungs zu vereinen und sich zum "undisputed Champion", also zum unangefochtenen Weltmeister, zu krönen, der ist tatsächlich der "König der Könige", wie es Muhammad Ali einst in aller Bescheidenheit über sich selber sagte.

Je nachdem, welchen Experten man fragt, ist dieses Kunststück seit fast 20 oder sogar fast 30 Jahren keinem Boxer mehr gelungen. Lennox Lewis gewann am 13. November 1999 im Kampf gegen Evander Holyfield zu seinem WBC-Titel auch noch die WM-Gürtel nach Version der IBF, WBA sowie der eher unbedeutenden IBO. Doch selbst bei Lewis ist umstritten, ob er sich damit "undisputed" nennen darf oder nicht. Schließlich gab es zu der Zeit schon einen amtierenden WBO-Weltmeister - nämlich Vitali Klitschko.

Deswegen zählt der US-Sender "Showtime" Lewis, Holyfield, Riddick Bowe und James "Buster" Douglas nicht zur Ahnenreihe der wirklich unangefochtenen Weltmeister, sondern sieht Mike Tyson als letzten "undisputed Champion", der 1987 - zwei Jahre vor Gründung der WBO - alle relevanten Titel vereinigt hatte. Lewis will das nicht akzeptieren und liefert sich auf Twitter eine erbitterte Diskussion mit den TV-Verantwortlichen.

Anthony Joshua und Joseph Parker dürften sich nicht für die Frage interessieren, wer der bis heute letzte unangefochtene Weltmeister war. Für sie geht es darum, wer der nächste Schwergewichtler sein könnte, dem es gelingt, alle WM-Gürtel zu sammeln. Am Samstagabend treffen sie vor 70.000 Fans im Principality Stadium von Cardiff aufeinander (Livestream DAZN ab 22.45 Uhr). Der 28-jährige Brite Joshua, der im April 2017 spektakulär Wladimir Klitschko besiegt hatte, hält die Titel nach Version der IBF und WBA, sein zwei Jahre jüngerer neuseeländischer Kontrahent ist amtierender WBO-Weltmeister.

Beide sind ungeschlagen und gelten als enorm schlagstark. Der Kampf wäre also auch dann interessant, wenn nicht so viele WM-Titel auf dem Spiel stünden. Trotzdem wissen Joshua und Parker natürlich, dass dem Sieger nur noch ein Gürtel fehlt, um sich als unumstrittener Champion einen Platz in den Box-Geschichtsbüchern zu sichern. Der ebenfalls noch unbesiegte WBC-Weltmeister Deontay Wilder wird sich den Kampf sehr genau anschauen, um möglichst schnell gegen den Sieger anzutreten.

Egal ob Joshua, Parker oder Wilder - wer auch immer am Ende alle Titel hält, wird sich einreihen in die Liga der größten Schwergewichtler aller Zeiten. Klicken Sie sich durch die Ahnengalerie der Box-Königsklasse:



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gringoaleman 31.03.2018
1. Fast niemand ist unbesiegbar
Ohne Zweifel Anthony Joshua ist eine Klasse für sich - er kombiniert exzellente technische mit härtesten Knockouter - Fähigkeiten bei einer athletischen UND konditionell austrainierten Physis. Boxer auf diesem Niveau benötigen sicherlich ein genetisch bedingtes ausgeprägtes Ego, aber ein bißchen weniger Arroganz würde ihn noch sympathischer und ihn zum absoluten Sportidol werden lassen. Wie heißt es so treffend: Hochmut kommt vor dem Fall.
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