Boxen Abraham verliert WM-Gürtel in Las Vegas

Zu defensiv: Box-Profi Arthur Abraham verliert in Las Vegas seinen WM-Titel im Supermittelgewicht an den Mexikaner Gilberto Ramirez. Box-Legende Manny Pacquiao hingegen überzeugt auch bei seinem Abschiedskampf.

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Für Arthur Abraham wurde der Ausflug nach Las Vegas zum Reinfall. Der gebürtige Armenier verlor nach einer einstimmigen Punktniederlage gegen den zwölf Jahre jüngeren Mexikaner Gilberto Ramirez seinen WM-Gürtel im Supermittelgewicht und verpasste die Chance, als erster deutscher Boxer im Spielerparadies einen WM-Kampf zu gewinnen.

"Ich habe ihn mir nicht richtig hinstellen können. Er hat viel geschlagen, aber nicht zu hart", sagte Abraham nach dem Kampf. Auf die Frage, ob er nach der klaren Niederlage noch einmal zurückkommt, meinte der Ex-Champion: "Natürlich, das war heute keine richtige Leistung."

In der legendären MGM Garden Arena hatte "King Arthur" von Beginn an einen schweren Stand und kam mit seinen Schlägen nur selten durch. Der 14 Zentimeter größere Herausforderer nutzte seinen Längenvorteil, war bis zur letzten Runde schnell, schlagstark und äußerst beweglich.

In der zweiten Runde kassierte Abraham eine krachende Rechte und zeigte sich beeindruckt. In der Folge kamen seine Attacken zu selten. Am Ende musste der 36-Jährige seinen WBO-Titel verdient abgeben. Ramirez feierte im 34. Profikampf seinen 34. Sieg.

Nach der fünften Niederlage im 49. Profikampf muss Abraham auch die Hoffnungen auf weitere lukrative Kämpfe beim Pay-TV-Sender HBO zunächst wohl begraben. Vor dem Kampf hatte der Wahl-Berliner noch angekündigt, in den nächsten Jahren ein paar Mal in den USA boxen zu wollen.

Pacquiao gewinnt drittes Duell gegen Bradley

Manny Pacquiao hingegen hat in seinem womöglich letzten Profikampf noch einmal für Furore gesorgt. Der philippinische Box-Superstar, Spitzname "Pac-Man", schlug in Las Vegas den Amerikaner Timothy Bradley nach einem turbulenten Weltergewichts-Fight einstimmig nach Punkten und sicherte sich den WBO-International-Titel.

Fight zwischen Timothy Bradley Jr. und Manny Pacquiao
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Fight zwischen Timothy Bradley Jr. und Manny Pacquiao

In der legendären MGM Grand Garden Arena von Las Vegas wurde Bradley zweimal angezählt und konnte am Ende das Blatt nicht mehr wenden. Es war bereits das dritte Duell der beiden Kontrahenten, die zuvor jeweils einen Kampf für sich entscheiden konnten.

Pacquiao gilt als einer der besten Boxer aller Gewichtsklassen; er war bereits in acht Gewichtsklassen Weltmeister, vom Fliegengewicht (bis 50,802 Kilogramm) über Bantamgewicht (53,525 kg) bis zum Superweltergewicht (69,853 kg). Er feierte nun im 67. Kampf seinen 58. Sieg und kündigte seinen Abschied von der großen Box-Bühne an. Der Publikumsliebling will sich in Zukunft verstärkt seiner politischen Karriere in seinem Heimatland widmen. Bereits im Mai 2010 hatte er die Kongresswahlen in seiner Heimatprovinz Sarangani gewonnen und war damit ins Parlament eingezogen.

Auch in der neuen Karriere teilt er mitunter kräftig aus: Unlängst hatte er bei einem TV-Interview mit homophoben Äußerungen für einen Eklat gesorgt.

oka/dpa/sid



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kodu 10.04.2016
1. Arthur Abraham ...
... hat in Würde verloren. Gegen den deutlich größeren und sehr schnellen Mexikaner hätte ihn nur ein "lucky punch" auf die Siegerstraße bringen können. In D muss deshalb niemand traurig sein. Es gehört zum sportlichen Geschäft (auch im Preisboxen) auf stärkere Gegner zu treffen, und ihnen zu unterliegen . Wie gut die Sportler der deutschen Profiboxställe wirklich sind, zeigt sich ausschließlich zu solchen Events. Schon bei dem - aus meiner Sicht sehr interessanten - 6er-Vergleich vor ein paar Jahren, konnte man ja eine gewisse "globale" Einordnung vornehmen. Abraham ( der damals freilich in eine höhere Gewichtsklasse wechslen musste) als auch der bis dahin bärenstarke Däne Mikkel Kessler bekamen dort eindrucksvoll ihre Grenzen aufgezeigt. Wenn das Profiboxen in D noch einmal eine Renaissance erleben soll, sollten transparente aussagekräftige Wettkämpfe in ähnlicher Art etabliert werden, die per Kreuzvergleich zu nachvollziehbaren Ergebnissen führen. Parallel könnte man die Rundenzahl vielleicht auf acht begrenzen ... ?!
Meier Rene 10.04.2016
2. Arthur Abraham -Gilberto Ramirez
Gilberto Ramirez hat Arthur Abraham die Grenzen aufgezeigt. Seine boxerische Ressourcen genügen bei weitem nicht mit den besten Boxer seiner Gewichtsklasse mithalten zu können. In Deutschland oder in den Staaten zu boxen ist ein grosser Unterschied. Auch ein Felix Sturm ist nur Mittelmass und in Deutschland gewinnen solche Boxer nur nach Skandalurteilen.
paganx 10.04.2016
3. Im internationalen Vergleich,
sind wir schon lange abgeschlagen. Nur fällt es bei den üblichen Kämpfen hier in Deutschland nicht auf. Es wird nur gegen die immer gleichen Gegner von beschränkten Niveau gekämpft. Das Boxen hat sich international weiter entwickelt. Sich nur hinter der Doppeldeckung zu verstecken und dann und wann mal zu schlagen reicht gegen wirklich starke Gegner nicht. Leider fehlt mir der Glaube an ein Umdenken bei den hiesigen Boxtrainern. Einfacher ist es die Komfortzone (Deutschland, Sat1 usw.) nicht zu verlassen und weiterhin die hier namenhaften Sturm, Abraham usw. gegen Fallobst in der Provinz zu inszenieren.
dissidenten 10.04.2016
4. @3
100% Zustimmung! Vor allem diese Peinlichkeit mit dem Culkay-Kampf. Keine Ahnung, was für eine "Weltmeisterschaft" da ausgeboxt wurde, aber da würde ich mich als Sender ja schämen, sowas zu senden. Wenigstens hatte Herr Rocchigianni auf der Aftershowparty die Eier zu sagen, was das für ein Witz war.
bert_baller 10.04.2016
5.
Vielleicht sollte man langsam von "King Arthur" zu "Vatter Abraham" umdenken - seit Jahren kommt da nichts mehr, und jeder Bericht über diesen ehemals guten Boxer, der sein Ende nicht findet, ist unnützes Abnutzen des Mausrads.
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