Boxen Funktionäre bagatellisieren offenbar Missbrauchsvorwürfe

Schwere Anschuldigungen in der Hamburger Box-Szene: Ein Trainer soll 2011 eine 17-jährige Sportlerin mehrfach sexuell missbraucht haben. Der Beschuldigte spricht von einer "äußerst schmutzigen Kampagne".

Boxerkleidung (Symbolfoto)
Heinrich Holtgreve/ OSTKREUZ/ DER SPIEGEL

Boxerkleidung (Symbolfoto)

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Eine 23 Jahre alte Boxerin aus Hamburg beschuldigt einen Trainer, sie bedroht und sexuell missbraucht zu haben. Die Vorfälle sollen sich nach SPIEGEL-Recherchen 2011 zugetragen haben. Damals war die Sportlerin 17 Jahre alt und lebte am Bundesstützpunkt in Schwerin. Sie war Deutsche Jugendmeisterin und boxte im Nationalkader.

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Die Übergriffe des Trainers sollen sich bei Turnieren und Lehrgängen im Ausland zugetragen haben. "Er wusste genau, dass ich das nicht wollte. Ich habe mich so hilflos gefühlt", sagt die Sportlerin dem SPIEGEL. Sie hat den Boxtrainer im Dezember angezeigt, zurzeit vernimmt die Staatsanwaltschaft in Schwerin Zeugen. Sie ermittelt wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der beschuldigte Trainer, Christian M., war 2011 Landestrainer in Mecklenburg-Vorpommern, mittlerweile ist er Sportdirektor des Hamburger Boxverbands. Er ist mit seiner Promotionsfirma auch an der Organisation der Box-Weltmeisterschaft beteiligt, die ab Ende August in Hamburg ausgetragen wird. Aus diesem Grund bagatellisieren offenbar mehrere Boxfunktionäre die Anschuldigungen der Sportlerin. M. arbeitet trotz der Ermittlungen weiter als Sportdirektor des Verbands, obwohl der Deutsche Olympische Sportbund in solchen Fällen eine vorläufige Suspendierung des vermeintlichen Täters empfiehlt.

Jürgen Kyas, der Präsident des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV), soll in einem Gespräch mit Verbandsvertretern gesagt haben, dass die Sache "nicht hochkommen" dürfe, "wegen der Weltmeisterschaft". Kyas bestreitet diese Äußerung. Dem SPIEGEL legte er ein Schreiben von Ende Mai vor, in dem er dem Hamburger Boxverband "nachdrücklich und eindringlich" empfohlen hat, Christian M. von seinem Amt zu entheben.

In der Kritik steht auch der Hamburger Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD). Unterstützer der Sportlerin haben sich mehrmals an Grote gewandt und ihn gebeten, "zu intervenieren", damit M. "von der Trainertätigkeit suspendiert" werde. Aus seiner Behörde heißt es, es gebe keine Handhabe für den Senator, weil der Sport in dieser Sache autonom sei.

M. nennt die Vorwürfe gegen ihn "Humbug". Sein Anwalt schreibt auf Anfrage, sie seien "Teil einer äußerst schmutzigen Kampagne".

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