Huck-Titelverteidigung "Ein Unentschieden wäre auch gerecht gewesen"

Die Entscheidung der Punktrichter war einstimmig, das Urteil trotzdem umstritten. Nach dem WM-Kampf im Cruisergewicht wurde Marco Huck ausgebuht, Verlierer Firat Arslan fühlte sich betrogen. Selbst Hucks Promoter Wilfried Sauerland glaubte, dass ein Unentschieden gerecht gewesen wäre.

Boxer Huck, Arslan (r.): Herausforderer bestimmte den Fight
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Boxer Huck, Arslan (r.): Herausforderer bestimmte den Fight


Hamburg - Die Zuschauer in Halle sahen eine packenden Boxkampf und zwei Kontrahenten, die sich unermüdlich bekämpften, es war Werbung für das Boxen. Was danach jedoch folgte, überschattete den sehenswerten Fight. Weltmeister Marco Huck wurde nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung im Cruisergewicht ausgebuht, Herausforderer Firat Arslan gefeiert. Der Grund: Die Ringrichter hatten den Kampf einstimmig für Huck entschieden (115:113, 115:113, 117:111).

Arslan empfand das Urteil als ungerecht. "Ich bin der wahre Champion, das hat heute doch wirklich jeder gesehen. Solche Entscheidungen machen den Boxsport einfach nur kaputt", sagte der 42-Jährige: "Wo führt der Sport hin, wenn es solche Urteile gibt? Man braucht nur in unsere Gesichter zu schauen." Huck hatte eine geschwollene Nase, ein lädiertes Ohr und Veilchen an den Augen, Arslan dagegen nur Rötungen auf der Stirn.

Der Sieger sah das Urteil anders. Huck sagte, er habe die präziseren Schläge gelandet und dementsprechend verdient gewonnen. Der 27-Jährige, eigentlich für seinen spektakulären Boxstil bekannt, fand zunächst kaum eine Lücke in Arslans Doppeldeckung. Erst in der zweiten Kampfhälfte wurde Huck besser und konnte einige Runden für sich entscheiden. Aber waren es genug für einen so eindeutigen Sieg?

Hucks Wechsel ins Schwergewicht vorerst auf Eis

"Ein Unentschieden wäre auch gerecht gewesen", sagte Hucks Manager Wilfried Sauerland, der den Kampf veranstaltet hatte. Trainer Uli Wegner sagte, er wolle nicht über das Urteil sprechen. Der 70-Jährige räumte aber ein: "Marco hat taktisch verkehrt geboxt."

Arslan setzte den favorisierten Weltmeister von Beginn an unter Druck und landete immer wieder Treffer mit seinem Aufwärtshaken. Der Herausforderer schien sogar das hohe Tempo noch über die zwölf angesetzten Runden hinaus gehen zu können. Trotz der Niederlage kündigte Arslan an, weiter Boxen zu wollen.

Promoter Kalle Sauerland stimmte der Rückkampfforderung der anderen Seite zu: "Es ist eine offene Rechnung da. Den Kampf will ich noch mal sehen." Zunächst werde Huck jedoch zum dritten Mal gegen Ola Afolabi antreten, gegen den er im Februar knapp gewonnen hatte.

Einen Wechsel ins Schwergewicht und einen Fight gegen Wladimir Klitschko, wie es sich Huck und sein Lager in den letzten Tagen gewünscht hatten, wird es damit vorerst nicht geben. Laut Sauerland junior ist ein Wechsel erst in anderthalb Jahren ein Thema. Die Vorstellung, noch einmal gegen Arslan ran zu müssen, schien Huck nicht besonders zu erfreuen. "Im Schwergewicht würde es mir leichter fallen", sagte der Cruisergewichtler. Aber: "Wenn ich diese Schlacht überlebt habe, was soll mir da noch passieren?"

max/dpa/sid



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hatem1 04.11.2012
1. Gebührengelder für Betrug
Es ist eine Schande, dass ein Öffentlich-Rechtlicher Sender diesen systematischen Betrug (das war nicht das erste Fehlurteil zugunsten eines Sauerlandkämpfers) mit Gebührengeldern alimentiert.
einsteinalbert 04.11.2012
2. hierzu fällt
mir eigentlich nur noch der Filmklassiker " Schmutziger Lorbeer " ein. Der Kommentar von Uli Wegner sprach Bände. Wenn einer weiss wovon er spricht, dann ist es ist dies er. Auch Henry Maske dürfte sich noch daran erinnern wie es ihm erging. Huck ist kein würdiger Weltmeister und hat gegen einen Klitschko erst in 10 Jahren eine Chance, wenn dieser nur noch mit Mühe in den Ring steigen kann.
kaiser-k 04.11.2012
3. Waldis naive Welt
Selbst während der 11. und 12. Runde, wo Huck eher stärkere Phasen hatte, schien mit Kommentator Andreas Witte in ein Paralleluniversum abgeglitten zu sein: Schlug Huck eine Salve in Arslans Deckung, wurden daraus "starke Treffer", verpasste Arslan Huck wiederum deutliche Aufwärtshaken, die den Schädel des Gegners herumwirbelten, blieb Witte stumm oder bescheinigte Fehlschläge. Irgendwann wurde das grotesk. In der nachfolgenden Besprechung zwischen Waldi H. und H.Maske erklärte Maske, der Zuschauer sei - verständlicherweise - nicht in der Lage (zu unerfahren, blöd, blind?) den Kampf richtig zu deuten. Man sprach von Qualität der Schläge versus Quantität. Waldi konterte zuvor auf die Vorwürfe Arslan, die ARD sei doch nur für die Übertragung der Veranstaltung zuständig, sonst nichts ... So naiv ist nicht einmal Waldi selbst: Ein Kampf zwischen Huck und Klitschko steht irgendwann vielleicht an. Und da geht es um Geld, Geld, Geld und um Übertragungsrechte mit viel Geld. Boxsport ist traditionell ein Ort des Betruges, nicht erst seit Don King. Was beim Radfahren das Doping sind die Schiedsrichter-Entscheidungen nach dem Kampf: Unschöne Anti-Werbung für einen eigentlich großartigen Sport. Firat Arslan hatte mit seiner Tirade in allen Punkten recht. Er war letztendlich nicht nur durch seine sportliche Leistung der Held des Abends.
widower+2 04.11.2012
4. Huck gegen Klitschko
Zitat von kaiser-kSelbst während der 11. und 12. Runde, wo Huck eher stärkere Phasen hatte, schien mit Kommentator Andreas Witte in ein Paralleluniversum abgeglitten zu sein: Schlug Huck eine Salve in Arslans Deckung, wurden daraus "starke Treffer", verpasste Arslan Huck wiederum deutliche Aufwärtshaken, die den Schädel des Gegners herumwirbelten, blieb Witte stumm oder bescheinigte Fehlschläge. Irgendwann wurde das grotesk. In der nachfolgenden Besprechung zwischen Waldi H. und H.Maske erklärte Maske, der Zuschauer sei - verständlicherweise - nicht in der Lage (zu unerfahren, blöd, blind?) den Kampf richtig zu deuten. Man sprach von Qualität der Schläge versus Quantität. Waldi konterte zuvor auf die Vorwürfe Arslan, die ARD sei doch nur für die Übertragung der Veranstaltung zuständig, sonst nichts ... So naiv ist nicht einmal Waldi selbst: Ein Kampf zwischen Huck und Klitschko steht irgendwann vielleicht an. Und da geht es um Geld, Geld, Geld und um Übertragungsrechte mit viel Geld. Boxsport ist traditionell ein Ort des Betruges, nicht erst seit Don King. Was beim Radfahren das Doping sind die Schiedsrichter-Entscheidungen nach dem Kampf: Unschöne Anti-Werbung für einen eigentlich großartigen Sport. Firat Arslan hatte mit seiner Tirade in allen Punkten recht. Er war letztendlich nicht nur durch seine sportliche Leistung der Held des Abends.
Ein Kampf von Huck gegen einen der Klitschkos wäre eine reine Farce, bei der Huck nicht den Hauch einer Chance hätte. Wir würden aber wahrscheinlich vor dem Kampf wochenlang medial mit Geschichtchen bombardiert, in den Hucks boxerisches Können hochgejubelt würde, bis einige tatsächlich glauben, er hätte eine Chance. Arslan ist zwar boxerisch limitiert, aber der vielleicht härteste Brocken im Boxsport. Der Kampf war eigentlich so vorhersehbar (das ungerechte Ende durch den falschen Kampfrichterentscheid auch).
kuhmann 04.11.2012
5.
Zitat von kaiser-kSelbst während der 11. und 12. Runde, wo Huck eher stärkere Phasen hatte, schien mit Kommentator Andreas Witte in ein Paralleluniversum abgeglitten zu sein: Schlug Huck eine Salve in Arslans Deckung, wurden daraus "starke Treffer", verpasste Arslan Huck wiederum deutliche Aufwärtshaken, die den Schädel des Gegners herumwirbelten, blieb Witte stumm oder bescheinigte Fehlschläge. Irgendwann wurde das grotesk. In der nachfolgenden Besprechung zwischen Waldi H. und H.Maske erklärte Maske, der Zuschauer sei - verständlicherweise - nicht in der Lage (zu unerfahren, blöd, blind?) den Kampf richtig zu deuten. Man sprach von Qualität der Schläge versus Quantität. Waldi konterte zuvor auf die Vorwürfe Arslan, die ARD sei doch nur für die Übertragung der Veranstaltung zuständig, sonst nichts ... So naiv ist nicht einmal Waldi selbst: Ein Kampf zwischen Huck und Klitschko steht irgendwann vielleicht an. Und da geht es um Geld, Geld, Geld und um Übertragungsrechte mit viel Geld. Boxsport ist traditionell ein Ort des Betruges, nicht erst seit Don King. Was beim Radfahren das Doping sind die Schiedsrichter-Entscheidungen nach dem Kampf: Unschöne Anti-Werbung für einen eigentlich großartigen Sport. Firat Arslan hatte mit seiner Tirade in allen Punkten recht. Er war letztendlich nicht nur durch seine sportliche Leistung der Held des Abends.
Ich hatte schon gezweifelt, ob nur ich das so gesehen habe. Aber genauso habe ich es auch empfunden. In meinen Augen wäre selbst ein Unentschieden Betrug gewesen. Arslan war der klare Sieger. Aber leider nicht der erste fehlurteil dieser Art :(
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