Titelverteidigung von Manuel Charr So ersteigert man eine Boxweltmeisterschaft

Schwergewichts-Weltmeister Manuel Charr muss seinen WM-Titel gegen Fres Oquendo verteidigen. Weil sich die Lager nicht einigen können, wird der WM-Kampf versteigert - und jeder darf mitbieten.

Schwergewichts-Weltmeister Manuel Charr
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Schwergewichts-Weltmeister Manuel Charr


Am 25. November krönte sich Profiboxer Manuel Charr in Oberhausen durch einen Punktsieg gegen Alexander Ustinov zum Weltmeister im Schwergewicht nach Version der World Boxing Association (WBA). Der Titelgewinn war mehr als überraschend, weil Charr ein halbes Jahr vor dem Kampf zwei neue Hüftgelenke eingesetzt worden waren. Jetzt muss der 33-Jährige seinen WM-Gürtel zum ersten Mal verteidigen. Als Pflichtherausforderer benannte die WBA den Puerto Ricaner Fres Oquendo.

Promoter Christian Jäger möchte den WM-Kampf in Charrs Wahlheimat Köln ausrichten. Doch bislang hat die Gegenseite jedes Angebot abgelehnt. "Das Oquendo-Management hat absurde Forderungen ohne jeglichen Realitätsbezug", sagt Jäger. "Oquendos Marktwert tendiert gen Null, aber sein Team träumt von Klitschko-Gagen. Das ist mit uns nicht zu machen. Auf der anderen Seite gibt es auch kein akzeptables Gegenangebot für einen Kampf in den USA, deswegen stocken die Verhandlungen."

So funktioniert ein "purse bid"

Da der Kampf vom Weltverband angeordnet wurde, muss er auch dann stattfinden, wenn sich die Lager nicht auf einen Austragungsort und Kampfbörsen einigen können. Für diesen Fall sieht das Reglement das sogenannte "purse bid" vor, eine Versteigerung, bei der sich der Höchstbietende das Veranstaltungsrecht sichert. Allerdings gibt es dabei keine offene Auktion, bei der man sich gegenseitig hochtreibt. Stattdessen gibt jeder, der an der Ausrichtung der WM interessiert ist, genau ein Gebot ab.

In geschlossenen Umschlägen vermerken die Bieter den Gesamtbetrag, der an beide Boxer ausgeschüttet wird. Im Normalfall stehen dem Weltmeister 75 Prozent, dem Herausforderer die verbleibenden 25 Prozent der Summe zu. Beim Kampf zwischen Charr und Oquendo macht die WBA allerdings eine Ausnahme: Weil der Puerto Ricaner seit fast vier Jahren auf eine WM-Chance wartet, wurde sein Anspruch auf 50 Prozent angehoben.

Mindestgebot von einer Million Dollar aufgehoben

Um am "purse bid" teilzunehmen und ein Gebot abzugeben, muss man sich vorher beim Verband als Promoter registrieren und eine Gebühr von 15.000 US-Dollar bezahlen. Zudem müssen zehn Prozent der gebotenen Summe als Sicherheitsleistung hinterlegt werden. Das Mindestgebot für Schwergewichts-Weltmeisterschaften liegt laut Reglement bei einer Million US-Dollar.

In diesem Fall werden aber auch niedrigere Gebote akzeptiert, da eine Versteigerung für den Kampf zwischen Oquendo und Ex-Weltmeister Shannon Briggs im vergangenen Jahr daran scheiterte, dass kein Interessent bereit war, die Mindestsumme zu bieten. Theoretisch könnte die WM also für einen Dollar versteigert werden. Das "purse bid" findet am 9. Februar um 11 Uhr Ortszeit in der kolumbianischen Millionenstadt Medellín statt. Bis dahin haben interessierte Promoter Zeit, sich zu registrieren und ihr Gebot vorzubereiten.

Holyfield vs. Tyson wurde für über 50 Millionen Dollar versteigert

"Purse bids" sind im Boxen nichts Ungewöhnliches und werden von allen anerkannten Weltverbänden durchgeführt. Das Rekordgebot gab 1991 US-Promoter Dan Duva ab, als er die Weltmeisterschaft zwischen Evander Holyfield und Mike Tyson für 50,1 Millionen Dollar ersteigerte. Der Kampf fand dann allerdings nicht statt, weil sich Tyson zunächst weigerte, dann verletzte und schließlich wegen Vergewaltigung ins Gefängnis musste.

2013 sicherte sich der russische Oligarch Andrey Ryabinsky die Rechte an der Schwergewichts-WM zwischen Wladimir Klitschko und Alexander Povetkin für 23,33 Millionen Dollar. Klitschko erhielt für seinen klaren Punktsieg 75 Prozent des Betrags, was zu diesem Zeitpunkt laut Promoter Bernd Bönte die "mit Abstand" größte Börse seiner Karriere war.

Charrs Team geht davon aus, das "purse bid" für den Kampf gegen Oquendo zu gewinnen. In dem Fall würde die Weltmeisterschaft Anfang April in Köln stattfinden. Wenn sich die Parteien nicht doch noch einigen, fällt die Entscheidung darüber aber erst am 9. Februar.

mmm



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
The Restless 19.01.2018
1.
"Oquendos Marktwert tendiert gen Null, aber sein Team träumt von Klitschko-Gagen. Das ist mit uns nicht zu machen." Ich fürchte nur: Charrs Marktwert liegt ebenfalls nicht dramatisch über Null ;-)
cs01 19.01.2018
2.
Zitat von The Restless"Oquendos Marktwert tendiert gen Null, aber sein Team träumt von Klitschko-Gagen. Das ist mit uns nicht zu machen." Ich fürchte nur: Charrs Marktwert liegt ebenfalls nicht dramatisch über Null ;-)
Na ja, er ist "deutscher Schwergewichtsweltmeister". Da sollte schon ein Sender in Deutschland etwas springen lassen. Natürlich weit weg von Gagen, wie sie Klitschko oder früher Maske und Schulz kassiert haben. Eine Millon Gesamtbörse sollte schon drin sein.
larry_lustig 19.01.2018
3. Char ist kein echter Weltmeister
Der stärkste Kämpfer der Klasse heisst bei der WBA Superchampion-Weltmeister und ist A. Joshua. Das wäre so als wäre Argentinien im Fussball Weltmeister, weil die FIFA meint den 2. der Welt Weltmeister zu nennen und den 1. Superchampion.... Und die jetztige Posse zeigt nur was für ein verkorkster Verband das ist...
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