Boxen Weltverband erlaubt Profis Olympia-Teilnahme

Kehrtwende im Boxsport: Der olympische Weltverband hat überraschend entschieden, dass ab sofort auch Profiboxer um Olympiamedaillen kämpfen dürfen. Ex-Weltmeister Wladimir Klitschko wird wohl jedoch nicht in Rio starten.

Profiboxer Wladimir Klitschko (r.): Wurde im November 2015 von Tyson Fury besiegt
REUTERS

Profiboxer Wladimir Klitschko (r.): Wurde im November 2015 von Tyson Fury besiegt


Der olympische Box-Weltverband Aiba hat die Beschränkungen für die Teilnahme von Profis bei Olympia aufgehoben. Bisher hatte er neben Amateuren nur die Profis aus der verbandseigenen Sparte APB zugelassen. Dem Entschluss zufolge dürfen ab sofort auch Berufsboxer aus den bekannten Weltverbänden wie WBA, WBC, IBF und WBO an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Die bei einer Aiba-Tagung in Manchester beschlossene Kehrtwende fiel deutlich aus: 80 Prozent der 197 nationalen Boxverbände, die befragt wurden, votierten für den neuen Weg. "Die Öffnung seitens der Aiba war mehr als überfällig", sagte Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV).

Eine Vergabe von Wildcards an gestandene Profiboxer ist nicht geplant, unabhängig von bisherigen Erfolgen muss sich jeder sportlich qualifizieren. In einem ersten Schritt müssten sich die Profis und deren Management zunächst bereiterklären, sich in Ausscheidungskämpfen mit den Aiba-Boxern messen zu wollen. Nach einer erfolgreichen nationalen Qualifikation muss man sich anschließend bei einem Kontinental-Turnier durchsetzen.

Profis geben WM-Kämpfen Vorrang

In dieser Zeit müssten die Berufsboxer allerdings auf hochdotierte Titelkämpfe verzichten. "Ich habe Bedenken", sagte daher Promoter Karl-Robin Sauerland. "Kein Boxer kann sagen: Jetzt unterbreche ich mal meine Profikarriere. Es geht auch ums Geld." Zudem muss der auf zwölf Runden eingestellte Profi seine Strategie plötzlich auf drei Runden verkürzen. "Die Profis boxen ganz anders als die Olympia-Teilnehmer", sagte Geschäftsführer Christian Mayer vom Profistall Sauerland.

Promoter Sauerland kann sich vor diesem Hintergrund Olympia-Teilnahmen zwar bei jüngeren Boxern vorstellen, nicht aber für gestandene Weltmeister: "Das wäre ein Rückschritt. Olympia ist ein Sprungbrett. Profiboxen ist ein Schritt nach oben."

DBV-Sportdirektor Müller sieht das anders. "Es heißt, Klitschko und Pacquiao hätten mehrfach angerufen und nach ihren Olympia-Chancen gefragt", sagte Müller. Für Wladimir Klitschko würde sich gegen Ende seiner Karriere der Kreis schließen, er war 1996 Olympiasieger. "Ich habe immer gesagt, dass Olympia für mich ein Thema ist. Aber derzeit zählt nur der Rückkampf mit Tyson Fury", stellte der ukrainische Ex-Weltmeister klar. Im Mai oder Juni will er sich seine Titel vom Briten zurückholen. Genau in dieser Phase müsste sich der Schwergewichtler aber auch für das olympische Boxturnier qualifizieren. Sein Start in Rio gilt daher als unwahrscheinlich.

lst/sid

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insgesamt 5 Beiträge
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Mimimat 25.02.2016
1. Toll!
Welche Show wird als nächstes olympisch? Formel 1? Wrestling? Na, Hauptsache, es kommt Geld in die Kassen des darbenden IOC. Mein Interesse an Olympia sinkt mehr und mehr.
Rohrbruch 25.02.2016
2. Warum auch nicht?
Sollen sich bei Olympia nicht die Besten einer Sportart miteinander duellieren? Welchen Sinn hat es, Profis da auszuschließen? Im Gegenteil: Es hätte sogar den Reiz von zuvor nicht abgesprochenen und hochdotierten Duellen. Kein monatelanges Vorbereiten auf die Stärken und Schwächen eines Gegners. Ergo: Weniger Show und weniger Taktieren, dafür umso mehr "Boxen"! Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass wohl viele Profis diese "sportlichen Risiken" nicht eingehen werden. Zu groß wäre die Blamage einer Niederlage, die man mit entsprechender Vorbereitung wohl nicht kassiert hätte.
palef 25.02.2016
3. ...wer ist nochmal Präsident des IOC?
...money makes the world go round...das mit dem Sport ist ein Kollateralschaden...
Einweckglas 26.02.2016
4. Die Trennung zwischen Amateur und Profiboxen..
Die Trennung zwischen Amateur und Profiboxen macht(e) schon Sinn. So geht es beim Amateurboxen ganz anders zu als beim Profiboxen. Als alter Amateurboxer habe ich eben dieses "amateur"mässige geliebt inkl. 3 Runden und Kopfschutz etc. Amateurboxen mag für ambitionierte Boxer der Einstieg in das Profiboxen sein, doch dazwischen liegen m.E. Welten, denn mit Show hat Amateurboxen nun wirklich nichts zu tun! Aber wenn sich nun ein abgehalfteter Profi bei Olympia blamieren möchte...bitte schön!
foolbar 26.02.2016
5.
Zitat von MimimatWelche Show wird als nächstes olympisch? Formel 1? Wrestling? Na, Hauptsache, es kommt Geld in die Kassen des darbenden IOC. Mein Interesse an Olympia sinkt mehr und mehr.
Boxen ist schon seit Ewigkeiten olympische Sportart und nicht erst ab den nächsten Spielen. F1 und Wrestling dagegen waren es nie und werden es wohl auch nie sein. Im Tennis ist es denn übrigens auch schon seit der Ära Steffi Graf so, dass auch die Profis teilnehmen dürfen.
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