Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Boxer und Bürgerrechtler: Rubin "Hurricane" Carter ist tot

Rubin "Hurricane" Carter: Kämpfer im Ring und für Menschenrechte Fotos
DPA

Sein Fall ging in die US-Geschichte ein, Bob Dylan schrieb einen Song darüber: Der US-Boxer Rubin "Hurricane" Carter saß 19 Jahre zu Unrecht im Gefängnis, verurteilt von einer rassistischen Justiz. Jetzt ist er im Alter von 76 Jahren gestorben.

Der US-amerikanische Boxer Rubin "Hurricane" Carter ist tot. Er starb im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Toronto, teilte sein Weggefährte John Artis mit. Carter hatte an Prostatakrebs gelitten.

Vor 1967 war Carter bekannt als Mittelgewichtsboxer. Er hatte zwar nie eine Weltmeisterschaft gewonnen, dafür aber einmal den Weltmeister Emile Griffith in der ersten Runde k. o. geschlagen. Das war allerdings in einem Nicht-Titelkampf. Eigentlich war Carter zu klein für einen Boxer, aber seine Aggressivität und seine Kraft ließen ihn trotzdem immer wieder gewinnen.

Weltberühmt hatte Carter dann der Fall eines Dreifachmords gemacht, für den er ins Gefängnis musste, obwohl er ihn nicht begangen hatte. 19 Jahre saß er hinter Gittern, verurteilt von einer rassistischen US-Justiz im Jahre 1967. Der spektakuläre Kriminalfall ging in die amerikanische Rechtsgeschichte ein, Carter wurde international zur Symbolfigur rassistisch motivierten Unrechts.

Der Mord hatte sich 1966 in einer Bar in New Jersey ereignet, drei Menschen waren bei dem Überfall getötet worden. Die Polizei stoppte Caters Wagen, zu diesem Zeitpunkt hatte sie den Boxer schon häufiger kontrolliert. Ihnen gefiel das Selbstbewusstsein nicht, das der schwarze Boxer ausstrahlte. Zudem kannte die Polizei Carter schon seit seiner Kindheit: Als kleiner Junge neigte er zu Gewaltausbrüchen; seine Eltern hatten ihn früh den Behörden übergeben, weil sie mit ihm nicht zurecht kamen.

Carter fuhr wie die Täter ein weißes Auto, in dem auch noch zwei Waffen gefunden wurden. Der Wagen war aber ein anderes Modell, Carter wurde von den Augenzeugen nicht erkannt und Fingerabdrücke gab es nicht. Dennoch wurden er und John Artis zu mehrfach lebenslänglich verurteilt.

"Ich hätte mich geweigert, die Gefängnisluft zu atmen"

Er habe nicht aufgegeben, sagte Carter später in einem Interview über seine Zeit im Gefängnis. "Nur weil eine Jury von zwölf desinformierten Personen mich für schuldig befindet, macht mich das noch nicht schuldig." Deswegen habe er sich auch geweigert, sich wie eine schuldige Person zu benehmen: "Als ich ins Gefängnis ging, weigerte ich mich, ihre Streifen zu tragen. Ich weigerte mich, ihr Essen zu essen. Ich weigerte mich, ihre Arbeiten zu übernehmen, und ich hätte mich geweigert, die Gefängnisluft zu atmen, wenn ich es hätte tun können."

Seit dem Urteilsspruch hatten sich Richter und Journalisten mit dem Fall beschäftigt. Bob Dylan schrieb das Lied "Hurricane", Muhammad Ali widmete seinem Kollegen einen Titelkampf, im Jahr 2000 kam der Film "Hurricane" von Norman Jewison in die Kinos, Denzel Washington spielte die Hauptrolle.

1976 wurde der Fall ein zweites Mal verhandelt. Denn die zwei Belastungszeugen, zwei stadtbekannte Kriminelle, hatten dem "New York Times"-Reporter Selwyn Raab gestanden, gelogen zu haben. Vor Gericht allerdings zogen sie ihre Aussagen zurück. Das Revisionsverfahren scheiterte.

Jahre später ermunterten kanadische Bürgerrechtler Carters Anwalt, den Fall noch einmal aufrollen zu lassen, neue Indizien sprachen für Carters Unschuld. 1985 wurde er dann freigesprochen. Ein Bundesgericht entschied, dass die Verurteilung "eher auf rassistischen Gründen denn Beweisen" beruht habe.

Nach seinem Freispruch zog Carter nach Toronto und setzte sich lange Jahre für Menschen ein, die zu Unrecht verurteilt wurden. Er wurde deswegen mit zwei Ehrendoktorwürden ausgezeichnet.

Im Februar noch hatte er einen Essay für die "New York Daily News" geschrieben, darin erwähnte er kurz auch seinen Gesundheitszustand. Er liege praktisch auf dem Totenbett, schrieb er. Und: "Ich habe 49 Jahre in der Hölle gelebt, und im Himmel in den vergangenen 28 Jahren."

fln/AP/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: