Boxpromoter Öner: Das Comeback des Prolls
Den Klitschkos gehen die Gegner aus. Den einen fehlt die Klasse, die anderen prügeln sich ins Abseits. Die Dominanz der Box-Brüder scheint zementiert. Es sei denn, sie lassen sich auf einen Deal mit ihrem erstarkten Erzfeind ein, dem Promoter Ahmet Öner. Der fordert Wladimir und Vitali heraus.
Es war ein kräftiger Biss. Wie in einen saftigen Apfel rammte Ahmet Öner seine Zähne in die eigene Faust. Der türkische Boxpromoter stand im Ring, er bebte innerlich. Kurz zuvor war Odlanier Solis, einer seiner wichtigsten Kämpfer, nach nur 169 Sekunden von Vitali Klitschko ausgeknockt worden. Nur wenige Minuten nach dem Kampf wurde Öner dann noch seinem rüpelhaften Ruf gerecht und rastete auf der anschließenden Pressekonferenz völlig aus.
Das war im März 2011. Öners Karriere als Promoter schien nach dem Eklat beendet zu sein.
Als der ehemalige Sonnenstudio-Besitzer nun rund ein Jahr später die Raucherlounge des Hamburger Atlantic Hotels betritt, wirkt er müde. Er hat tiefe Augenringe, einen dichten Bart. Sein Bauchumfang ist offenbar noch einmal gewachsen. Der ehemalige Profiboxer zieht seine Lederjacke aus, lässt sich in einen Sessel fallen und zündet sich fast im selben Moment eine Zigarette an.
Öner, der wegen Kokainbesitzes mehrere Bewährungsstrafen abbrummen musste, ist erst vor wenigen Stunden in Deutschland gelandet. Hinter ihm liegt ein langer Flug aus den USA, im Gepäck hat er einen Vertrag, der aufhorchen lässt. "Ich bin jetzt das Tor zur Welt im Profiboxen. Nur über mich lässt sich das große Geld verdienen", sagt Öner. Die großen Töne hat er noch nie gescheut.
Diesmal jedoch nicht ganz ohne Grund. Er hatte den Kampf zwischen seinem kubanischen Boxer Yuriorkis Gamboa und Brandon Rios eingefädelt, es sollte ein Kampf um den Weltmeistertitel im Leichtgewicht werden. Der Fight hatte eine Multimillionen-Dollar-Börse, der amerikanische TV-Sender HBO wollte am Samstag live aus Las Vegas übertragen. Doch der Kampf gegen Rios wurde abgesagt, Gamboa war zu keiner Pressekonferenz erschienen.
Lange Fehde mit Klitschko-Manager Bönte
Öner hatte zuvor große Pläne mit Gamboa: "Wenn Gamboa gewinnt, greifen wir nach den ganz großen Sternen. Dann holen wir uns Gegner wie Manny Pacquiao", hatte Öner orakelt. Pacquiao gilt als weltbester Boxer im Weltergewicht, seine Kampfbörsen liegen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.
Für Öner, den ehemaligen Türsteher, bedeutet die Absage einen Rückschritt. Dennoch, in den USA ist er mittlerweile eine ansehnliche Größe im Sportbusiness geworden. Seine laute und aggressive Art kommt gut an. Öner ist ein gern gesehener TV-Gast, seine Kooperation mit der streitbaren Promoterlegende Don King verleiht ihm Ansehen.
Nur einer scheint so gar keine Lust mehr auf ihn zu haben: "Wir werden niemals wieder mit Öner über einen Kampf verhandeln", sagt Bernd Bönte, der Manager der Klitschko-Brüder. Die Fehde zwischen den beiden Promotern ist lang. Bönte wirft Öner vor, ihn mehrfach geschlagen und beleidigt zu haben, Öner nennt Bönte arrogant und abgehoben.
Solis soll wieder gegen die Klitschkos ran
Beiden Promotern eilt in der Boxszene zudem kein besonders guter Ruf voraus. Der eine, Bönte, gilt als eitler, knallharter Verhandlungspartner. Öner bemüht sich inzwischen nicht einmal mehr, sein Proll-Image zu verbergen. "Nicht Bönte entscheidet darüber, gegen wen die Klitschkos boxen, sondern die Weltverbände", sagt er. Und zaubert einen Plan aus der Kiste, der die Langeweile im Schwergewicht beenden könnte: "Odlanier Solis wird in den kommenden zwölf Monaten zu einem Pflichtherausforderer der Klitschkos. Ich werde das erzwingen."
Solis war der Grund, warum Öner sich im März 2011 in Köln in die Faust biss. Der Kubaner riss sich im Kampf gegen Vitali Klitschko das Kreuzband und den Meniskus, zudem wurde ein Knorpelschaden in seinem Knie diagnostiziert. Drei Operationen später steht er nun vor dem Comeback: "Er wird im Mai gegen einen Kämpfer aus der Weltrangliste antreten und dann schauen wir nur noch auf die Klitschkos", sagt Öner.
Solis, der Vitali Klitschko in dem rund dreiminütigen Kampf häufiger traf als manch anderer Gegner über die volle Distanz, gilt als ernstzunehmender Herausforderer. Insbesondere, da sich andere mögliche Kontrahenten der Klitschkos förmlich selbst ins Aus manövrieren. Dereck Chisora und David Haye haben sich durch ihre wilde Prügelei im Februar selbst K.o. geschlagen. Marco Huck hat zwar Herz, aber nicht die Technik für das Schwergewicht und Alexander Powetkin ist nach dem umstrittenen Sieg über Huck auch keine wirkliche Gefahr.
"Wenn sie ein Fünkchen Sportlerehre haben, werden sie gegen Solis kämpfen. Oder sie gehen weiter auf Fallobstjagd", sagt Öner und lächelt dabei selbstzufrieden. Auf die Antwort aus dem Klitschko-Lager darf man gespannt sein.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war fälschlicherweise davon die Rede, dass der Kampf zwischen Gamboa und Rios am Samstag stattfinden werde. Das ist nicht korrekt. Der Kampf wurde abgesagt. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.
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- Freitag, 13.04.2012 – 17:06 Uhr
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- Auslage: Unter der Auslage eines Boxers versteht man die Stellung und Richtung zum Gegner. Die Kämpfer stehen dabei einander nicht frontal, sondern versetzt gegenüber, wobei diejenige Hand, die dem Gegner näher ist, als Führhand, die hinten liegende Hand als Schlaghand bezeichnet wird. Da die meisten Menschen Rechtshänder sind, gilt die Linksauslage als normal und wird meistens Normalauslage genannt. Bei ihnen stehen linkes Bein und linke Hand näher zum Gegner - in der Rechtsauslage entsprechend andersherum. Jab: Eine abrupt geschlagene Gerade mit der Führhand. Der Schlag hat zumeist den Kopf zum Ziel. Der Jab zählt dabei nicht zu den stärksten Schlägen, nur selten geht ein Boxer nach einem einzelnen Jab zu Boden. Cross: Eine Gerade, die mit der Schlaghand geschlagen wird. Die Schlaghand wird vom Kinn auf einer geraden Linie ins Ziel geführt. Die Führhand wird dabei zurückgenommen, um das Kinn zu schützen. Der Cross ist ein sogenannter Powerpunch.
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