Bradley Wiggins und Sebastian Coe Schwere Doping-Vorwürfe gegen britische Sportler

"Eine ethische Grenze überschritten": Radsportstar Bradley Wiggins und sein Team Sky sollen therapeutische Mittel zur Leistungssteigerung genommen haben. Auch Leichtathletik-Boss Sebastian Coe wird belastet.

Bradley Wiggins, Tour-Sieger 2012
DPA

Bradley Wiggins, Tour-Sieger 2012


Das britische Sportministerium hat schwere Vorwürfe gegen die Radsportmannschaft Team Sky erhoben. Vor allem der frühere Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins gerät erneut in den Fokus: Laut einer Untersuchung des Department for Digital, Culture, Media and Sport hat Sky medizinische Ausnahmegenehmigungen ("TUE", Therapeutic Use Exemption) missbraucht, um mit Wiggins an der Spitze die Frankreich-Rundfahrt 2012 zu gewinnen.

Der Bericht könnte sogar das Aus für das Radsport-Team Sky bedeuten, spekulieren britische Medien. Die Mannschaft steht nicht nur wegen des Falls Wiggins, sondern auch wegen der Salbutamol-Affäre um den viermaligen Tour-de-France-Sieger Christopher Froome unter Druck.

Das Sportministerium sieht es als erwiesen an, dass Wiggins und möglicherweise auch dessen Helfer im Team Sky unter dem Deckmantel von Ausnahmegenehmigungen leistungssteigernde Kortikoide konsumiert haben - um sich auf die Tour vorzubereiten.

Auch die ominöse Medikamentenlieferung an Wiggins im Jahr 2011 - bekannt unter dem Schlagwort "mystery package" - wird in dem Bericht als unglaubwürdig eingestuft. Anders als von Sky und Wiggins stets behauptet, dürfte das Päckchen nicht das Hustenmittel Fluimucil, sondern das Kortikoid Triamcinolon enthalten haben, hieß es. Im November hatte die britische Anti-Doping-Agentur (UKAD) die Ermittlungen gegen Wiggins eingestellt.

Kein Doping - aber die missbräuchliche Verwendung von Dopingmitteln

Der Report betont, dass es sich beim festgestellten Sachverhalt nicht um eine Verletzung des Anti-Doping-Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) handele. Jedoch seien Dopingmittel innerhalb dieses Codes genutzt worden, um die Leistung der Fahrer zu steigern - "nicht nur aus medizinischer Notwendigkeit". Sky habe damit "eine ethische Grenze überschritten" - ausgerechnet die Mannschaft, die unter dem Motto des "sauberen Siegens" antritt.

Team Sky und Wiggins wiesen die Vorwürfe zurück. "Ich finde es traurig, dass Anschuldigungen erhoben werden können, bei denen Leuten Dinge vorgeworfen werden, die sie nie getan haben, die aber als Fakten angesehen werden", sagte Wiggins. Er werde sich in den nächsten Tagen detailliert äußern, um die Vorwürfe auszuräumen, ergänzte der fünfmalige Olympiasieger.

Hat IAAF-Präsident Sebastian Coe gelogen?

Neben Wiggins wird ein zweiter prominenter Ex-Sportler in dem Bericht scharf kritisiert: Sebastian Coe, vierfacher Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1980 und 1984 - und inzwischen der Präsident des Leichtathletik-Weltverbands IAAF. Coe werden "irreführende" Aussagen während einer parlamentarischen Anhörung im Jahr 2015 vorgeworfen. Vor seinem Amtsantritt war Coe damals öffentlich zu seinem Wissen über den russischen Doping-Skandal befragt worden.

Sebastian Coe
REUTERS

Sebastian Coe

Es sei extrem unglaubwürdig, dass Coe von den Anschuldigungen nichts gewusst habe, bevor die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" im Dezember 2014 ausgestrahlt wurde. Coe habe die Aufklärung des Skandals unnötig verzögert, so der Bericht.

Das Sportministerium kommt in seinem Bericht zum Schluss, dass die Anti-Doping-Agentur mit größeren Machtbefugnissen und Ressourcen ausgestattet werden sollte. Der Gesetzgeber wird dazu aufgefordert, die Beschaffung leistungssteigernder Substanzen im Sport auch strafrechtlich zu ahnden.

chh/sid/Reuters



insgesamt 38 Beiträge
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kp229 05.03.2018
1. Rudi Altig
hat mal gesagt: "Nur mit Apfelschorle hat noch keiner die Tour de France gewonnen". (Fast) jeder, der heute im Spitzensport aktiv ist, hilft doch mit medizinischen Mitteln nach. Man denke nur an die vielen Asthmatiker bei den norwegischen Medaillengewinnern, Asthma scheint heutzutage notwendige Voraussetzung für Erfolg im Ski-Langlauf zu sein, weil dann die entsprechenden Medikamente ohne negatives Dopingergebnis konsumiert werden können. Es wird immer klarer, dass systematisches Doping wohl nicht nur ein russisches Problem ist.
Jo-achten-van-Haag 05.03.2018
2. Ja was denn
entweder verboten oder nicht. Klare Kante ist gefragt. Ansonsten kann man alles unter dem Deckmantel der "Moral" (wessen Moral?) verteufeln oder für gut befinden.
The Restless 05.03.2018
3. Seb Coe
hat in den 1980er Jahren diverse Weltrekorde pulverisiert. Die britische Gruppe um Coe, Ovett, Cram und Elliott hat regelmäßig die hoch gedopten Sportler des Ostblocks dominiert. Alles nur gutes Training? Ich fürchte leider, Coe ist ein Experte auch beim Thema Doping, und das wohl nicht immer nur als Außenstehender.
ex_Kamikaze 05.03.2018
4. Coe muss in seiner aktiven Zeit
auch gedopt gewesen sein - alle die mit ihm konkurriert haben waren nachweislich voll bis unters Dich mit allen möglichen Hormonen und ähnlichen damals üblichen Mitteln.
clausina 05.03.2018
5. Überraschung
Reichen die Asthma Mittel nicht mehr aus um zu gewinnen?Das Beste daran ist,das die Menschen von solchen Nachrichten noch überrascht sind.Aber der Wille das Doping zu unterbinden ist wohl nicht vorhanden.Da hilft wohl nur der Boykott dieser Sportarten
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