Broncos-Quarterback Tebow: Gott steht ihm bei

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Die USA sind dem Tim-Tebow-Hype verfallen. Der Footballspieler der Denver Broncos galt bisher als mittelmäßiger Quarterback, berühmt wurde er durch spontane Gebete auf dem Platz. Seine Pose ist inzwischen Kult, im Internet wimmelt es von Nachahmern. Auch Präsident Obama und Lady Gaga sind Fans.

Football-Star Tebow: Wirf Touchdowns, knie nieder Fotos
REUTERS

Hamburg - Lady Gaga ist ein Anhänger, US-Präsident Barack Obama bewundert ihn und wenn er auf seiner Facebookseite auch nur eine Bibelstelle postet, klicken gleich hundertausende Menschen den "like"-Knopf: Tim Tebow ist Quarterback beim Team der Denver Broncos in der US-Profiliga NFL. Und er spaltet die Nation, denn er ist bekennender Christ.

Seine Pressekonferenzen nach den Spielen beginnt er mit den Worten: "Als allererstes möchte ich meinem Herrn und Erlöser Jesus Christus sowie meinen Mannschaftskameraden danken."

Nach erfolgreichen Touchdownpässen kniet Tebow, 1,91 Meter groß und 111 Kilogramm schwer, nieder, stützt den Kopf auf die Hand, schließt die Augen und dankt Gott. Alles vor einem Millionenpublikum in TV und im Stadion. Sein Fokus bestehe darin, "den Herrn zu ehren, egal, ob ich gewinne oder verliere". Vor Spielen twittert Tebow für seine Online-Jünger Bibelverse. Nach dem letzten großen Sieg seines Teams, dem Erreichen der Playoff-Viertelfinale, schrieb Pop-Ikone Lady Gaga: "Ich bin zwar ein Giants-Fan (NFL-Konkurrent New York Giants, d. Red.), aber wow. So wie Tebow sieht verdammt nochmal ein Meister aus."

In den USA, wo christlicher Glauben traditionell öffentlicher ausgelebt wird als in Europa, jubelt die religiöse Rechte in Zeiten des Vorwahlkampfes der Republikaner über den "Football-Messias". Sie wollen "Gottes Quarterback" für ihren Kreuzzug ins Weiße Haus benutzen. Der in Umfragen abgeschlagene Gouverneur von Texas, Rick Perry, erklärte in Anlehnung an die Comeback-Qualitäten des Football-Stars, der "Tebow der Vorwahlen" sein zu wollen.

Der Hype in den USA: "Tebowing" - knien wie der Football-Star

Auch der aktuelle Amtsinhaber ist Tebow-Fan: "Tim ist für so viele eine Inspiration - ein Kerl, der seine wahre Stärke nicht aus dem Fitnessstudio, sondern aus seinem Glauben bezieht", schwärmt Präsident Barack Obama.

Auch der Rest der USA kann sich dem Hype kaum entziehen, "Tebowing" ist derzeit DAS Internet-Phänomen: Auf der Internetseite tebowing.com veröffentlichen Nachahmer aus aller Welt Fotos von Menschen in der Gebetspose, auch Prominente wie Ski-Superstar Lindsey Vonn knieten schon nieder. Der Masse geht es um den Gag, im Online-Shop der Seite kann man Fanartikel kaufen, das Geschäft mit dem Gebet läuft.

Vielen seiner Fans mag es nicht allzu ernst sein mit der Religion, Tebow selbst lebt seinen Glauben von kleinauf. Er wurde auf den Philippinen geboren, wo seine Eltern als Missionare arbeiteten. Später kehrte er dorthin zurück, um Hilfsprojekte zu unterstützen. In der High School fing er an, Football zu spielen, in den vergangenen Wochen stieg er plötzlich zum NFL-Superstar auf, zur Football-Sensation des Jahres.

Am vergangenen Sonntag besiegten die Broncos die favorisierten Pittsburgh Steelers nach Verlängerung 29:23 und zogen in die regulären Playoffs der besten acht NFL-Teams ein. Es ist die erste Teilnahme der Mannschaft an der K.o.-Runde seit 2005, ohne Tebow wäre auch dieses Mal nichts daraus geworden.

Er leitete die Entscheidung mit einem Pass über 20 Yards zu Demaryius Thomas ein, der trug anschließend den Ball zum Touchdown in die Endzone. "Als ich ihn punkten sah, dachte ich nur 'Danke Gott'", sagte Tebow: "Dann bin ich so schnell ich konnte zu ihm gerannt und dann in die Zuschauer gesprungen."

Ist auch im Playoff-Viertelfinale wieder "Tebow-Time"?

Es war das dramatische Ende einer typischen Tebow-Partie. Phasenweise tauchte die Nummer 15 unter, das Geschehen schien an ihm vorbeizulaufen, wie schon so oft in der Vergangenheit. Doch dank seiner unkonventionellen Spielweise machte er in der Verlängerung einmal mehr den Unterschied.

Selbst erfahrenste US-Football-Experten verzweifeln bei ihren Analysen an Tebow, er definiert das Quarterback-Spiel neu, ohne wirklich viele überragende Partien abzuliefern. Selten sieht man von ihm lange Pässe auf die Receiver, stattdessen reißt er mit Läufen Lücken, zieht Gegenspieler auf sich. In der regulären Saison erlief er im Schnitt 47,1 Yards pro Spiel, mehr als jeder andere Quarterback.

Doch für viele Kritiker kaschiert diese Stärke lediglich eine Schwäche: Pässe an die Mitspieler zu bringen. Lediglich 46,5 Prozent seiner geworfenen Bälle kommen an, damit liegt er gut 20 Prozent unter den Führenden in dieser Statistik. Gegen Pittsburgh glänzte er sogar mit seinem Passspiel. Er erwarf starke 316 Yards bei 21 Versuchen, so wird er für seine Gegner unberechenbar. Schon abgeschrieben holt er doch noch zum großen Wurf aus.

Auch für diese Art von Last-Minute-Siegen gibt es schon einen Namen. Als "Tebow Time" ist die entscheidende Phase der Footballspiele inzwischen bekannt. In der Nacht auf Sonntag soll die nun auch im Playoff-Viertelfinale kommen: dann wird Tebow sein Team zum Sieg gegen die New England Patriots führen - so Gott will.

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Whos bad
grossermanitu 14.01.2012
Ich weiß nicht was ich schlimmer finden sollte: Radikale Islamisten oder Radikale Christen?
2.
rumpyho 14.01.2012
Zitat von sysopDie USA sind*dem Tim-Tebow-Hype verfallen. Der Footballspieler*der Denver Broncos galt bisher als mittelmäßiger Quarterback, berühmt wurde er durch spontane Gebete auf dem Platz.*Seine Pose ist inzwischen Kult, im Internet wimmelt es vor Nachahmern. Auch Präsident Obama und Lady Gaga sind Fans. Broncos-Quarterback Tebow: Gott steht ihm bei - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,808466,00.html)
Zum Glück ist morgen früh der Tebow Hype vorbei. Endgültig. Tim ist ein richtig schlechter QB, die Broncos haben nur dank einer überragenden Defense die PlayOffs erreicht.
3. Ganz einfach...
unifersahlscheni 14.01.2012
Zitat von grossermanituIch weiß nicht was ich schlimmer finden sollte: Radikale Islamisten oder Radikale Christen?
...radikale Islamisten. Die sprengen sich meist in die Luft und reißen Unschuldige mit. Tebow ist ja nicht radikal, nur weil er seine Kraft aus seinem christlichen Glauben zieht. Ganz im Gegenteil, hier gilt, "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Würden alle nur dieses eine Gebot befolgen, wäre die Welt viel friedlicher... ...aber bis es soweit mit unserer Zivilisation ist, werden wohl noch ein paar tausend Jahre vergehen (müssen)...!
4.
deepray 14.01.2012
Wie wäre wohl die Reaktion wenn ein muslimischer Spieler ein Gebetsteppich ausrollt und 15 min lang betet. Bei jedem Touchdown. Entsetzen, Grauen, Terrorismus, Weltuntergang. Das Maß. Es wird zweierlei gemessen.
5.
alexbln 14.01.2012
Zitat von unifersahlscheni...radikale Islamisten. Die sprengen sich meist in die Luft und reißen Unschuldige mit. Tebow ist ja nicht radikal, nur weil er seine Kraft aus seinem christlichen Glauben zieht. Ganz im Gegenteil, hier gilt, "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Würden alle nur dieses eine Gebot befolgen, wäre die Welt viel friedlicher... ...aber bis es soweit mit unserer Zivilisation ist, werden wohl noch ein paar tausend Jahre vergehen (müssen)...!
es geht doch nichts über leute die an märchenbücher glauben.
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