Macht-Buch "Geschichten von Erfolg und Scheitern": Ein Traum, ein Schuss, ein Meister

Was bringt Menschen an die Macht - und was für Menschen sind das? Die ehemalige Spitzen-Fußballerin und -Managerin Katja Kraus geht diesen und vielen weiteren Fragen nach. Im Falle von Thomas Hitzlsperger ließ ein Kindheitstraum den Fußballer viele Entbehrungen auf sich nehmen.

Fußball-Spieler Hitzlsperger: Ging als 18-Jähriger nach England Zur Großansicht
dapd

Fußball-Spieler Hitzlsperger: Ging als 18-Jähriger nach England

In den vergangenen Jahren hatte ich in verschiedenen Management-Funktionen die Gelegenheit, viele Frauen und Männer mit exponierten Lebensläufen und in einflussreichen Positionen zu beobachten und kennenzulernen. Menschen, die politisch gestalten, Unternehmen zu Erfolgen führen, Meinung machen oder mit besonderen Fähigkeiten, Gedanken oder Werken unser Leben beeinflussen und bereichern.

Oft habe ich mich gefragt, was diese Menschen antreibt, wann die Entscheidung fällt, den Weg bis ganz an die Spitze zu gehen. Und an welcher Stelle dieser Weg selbst zum Antrieb wird.

Wann entsteht die Bereitschaft, die eigene Fähigkeit, das Selbstverständliche, die innere Leidenschaft, die Überzeugung für eine Sache der öffentlichen Bewertung auszusetzen? Ab wann und wofür sind Menschen bereit, schier unaushaltbaren Druck auszuhalten und Persönlichkeitsveränderungen zu akzeptieren? Gibt es diesen Moment der Entscheidung überhaupt, oder entwickelt sich in jedem Prozess eine Dynamik, die eine ganz eigene Kraft entfaltet? Welche Voraussetzung eint all diejenigen, die nach Macht und Bedeutung streben? Sind sie alle Anstifter, Klassensprecher und Zaunrüttler gewesen? Wann prägen sich Siegermentalität, Führungsverhalten, Gestaltungswille, Machtanspruch aus?

Ich habe diese und weitere Fragen ganz unterschiedlichen Menschen mit besonderen Karriere- und Lebensläufen gestellt, neugierig darauf, ob die Antworten einander gleichen.

Hitzlsperger verzichtete, aber er vermisste nichts

Einer war der Fußballer Thomas Hitzlsperger. Bei seinem Lauf zur Eckfahne, nachdem der Ball im Tor zappelte, habe er für vier oder fünf Sekunden uneingeschränktes Glück empfunden, schildert der ehemalige Nationalspieler ergriffen seine ganz persönliche Belohnung. Die Szene, die er als kleiner Junge nächtelang geträumt, auf der Straße tausendfach vorgespielt hatte. Das entscheidende Tor im entscheidenden Spiel. Der Treffer, der den VfB Stuttgart am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2007 zum Deutschen Meister machte. Eine tollkühne Bolzplatzphantasie und deren spektakuläre Verwirklichung.

Hitzlsperger schaut sich die Aufnahmen heute noch manchmal an. Die vom Tor, dem Jubel und den Momenten danach. Doch das Gefühl kommt nicht zurück. Das bedauert er. Der 31-Jährige erinnert sich daran, dass er diesen Tag als Belohnung empfunden hat. Dass alles Erfüllung fand, in einem Schuss auf das Cottbusser Tor. Alles, was er vermeintlich geopfert hat, in seiner Jugend als angehender Fußballprofi: Partys mit Klassenkameraden oder sommerlange Interrail-Reisen. Vermisst hat er all das damals nicht. Er wollte einfach Fußball spielen, besser sein als andere und besser auch als er selbst.

Lange war der Perfektionismus sein Freund. Sein innerer Ansporn, sein strengster Trainer. Mit achtzehn Jahren ging er nach England, angezogen von der rauen Ehrlichkeit des Kick-and-Rush-Fußballs. Seine Jahre bei Aston Villa und Chesterfield beschreibt er als einen Rausch: die ersten Profieinsätze in der Premier League, Berufung zur Deutschen Jugendnationalmannschaft, die ersten aufmerksamen Zeitungsberichte, die ständigen Besuche von bewundernden Freunden aus Deutschland.

"Zufrieden war ich erst, wenn ich ein Tor geschossen habe"

Er stockt jetzt, nach jedem einzelnen Satz, so, als würde er sich beim Aufzählen nachträglich vor jeder Station und vor seinem eigenen Mut verbeugen wollen. Vor der ambitionierten Neugierde, die ihn in die Fremde hat ziehen lassen, heraus aus der beschaulichen Provinz und der behüteten Großfamilienidylle mit den sechs Geschwistern.

Thomas Hitzlsperger hat sich nicht ausgeruht auf seinen Leistungen im Teenageralter. Er hat sich nicht bremsen lassen durch den Jubel aus seinem Umfeld, das ihn schon früh an der Spitze sah. Auch die Verlockungen der Popularität konnten ihn nicht ablenken. Er wollte besser werden, der Beste sein.

"Ich habe immer wieder die Geschichten gehört, von David Beckham, der nach dem Training noch stundenlang Freistöße übt, obwohl er längst ein Superstar ist", sagt Hitzlsperger. Also hat er auch Freistöße geschossen. Schüsse, die ihn zum nächsten Verein, einem Top-Club, bringen sollten, und in die Nationalmannschaft.

Es gab immer noch eine Station weiter oben. Ein gewonnenes Spiel war gut, "aber zufrieden war ich erst, wenn ich ein Tor geschossen oder das Spiel maßgeblich beeinflusst hatte". Der Druck, sagt er leise, sei immer aus ihm selbst heraus entstanden.

Lesen Sie die ungekürzte Fassung dieses Kapitels und viele weitere Geschichten in Katja Kraus' Buch "Macht - Geschichten von Erfolg und Scheitern"

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Herausforderung
golfstrom1 18.04.2013
Das sind menschliche Züge die solche Karrieren maßgeblich beeinflußen. Hitzelsberger beschreibt dass er ein gewonnenes Spiel als gut empfand ihn es aber eigentlich wichtiger war selbst im Spiel zu glänzen und Tore zu schießen. Das heißt auch, dass er ein starkes Geltungsbewußtsein besitzt. Ihm ist es wichtig im Mittelpunkt zu stehen und gefeiert oder gelobt zu werden. Das ist bei vielen Menschen so die Führungsverantwortung übernehmen. Zu Führen heißt ja auch im Mittelpunkt zu stehen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Menschen die lieber im Hintergrund agieren werden selten Verantwortung übernehmen und Leute führen.
2. Hahaha
trevorcolby 18.04.2013
und bis Heute weiß kein Mensch wie diese "Katja Kraus" eigentlich in den Vorstand des HSV kam und was die Geleistet hat dahin zu kommen geschweige denn, was die da konkret gemacht /geleistet hat. Mit Hoffmann gegangenworden mit Hoffmann gekommen, typisches Mitläuferschicksal halt. Merkt man schon daran, dass nun Bücher über die alten Tage geschrieben werden müssen um die Miete und die Leasing-Rate für die dicke Karre zu zahlen. Warum nun SPON medial hilf,t wieder auf die Beine zu kommen bleibt wohl immer ein Geheimnis.
3.
zxmar06 18.04.2013
Ein Mann mit Ehrgeiz? Na dann gleich mal die Steuern erhöhen, dann gibt sich das wieder...
4. Hilfe für Sie!
Felix MS 18.04.2013
Zitat von trevorcolbyund bis Heute weiß kein Mensch wie diese "Katja Kraus" eigentlich in den Vorstand des HSV kam und was die Geleistet hat dahin zu kommen geschweige denn, was die da konkret gemacht /geleistet hat. Mit Hoffmann gegangenworden mit Hoffmann gekommen, typisches Mitläuferschicksal halt. Merkt man schon daran, dass nun Bücher über die alten Tage geschrieben werden müssen um die Miete und die Leasing-Rate für die dicke Karre zu zahlen. Warum nun SPON medial hilf,t wieder auf die Beine zu kommen bleibt wohl immer ein Geheimnis.
Das können Sie prima zusammengefasst bei Wikipedia nachlesen. Sie war eine ziemlich erfolgreiche Fußballerin, sie hat Germanistik und Politik studiert, sie war in der PR-Abteilung bei Adidas, Presseprecherin bei Eintracht Frankfurt und dann beim HSV die Verantwortliche für Kommunikation und Marketing. Aus meiner Sicht ist das ein sehr guter Weg, den sie nur aufgrund ihrer sehr guten Qualifikationen gehen konnte. Aber Ihnen ging es ja auch gar nicht um die Qualifikationen der Dame, sie wollten gern trollen und gehören vermutlich zu den Menschen, die anderen Menschen nicht wieder auf helfen, wenn sie gefallen sind. Vermutlich lehnen Sie auch den Satz ab: Stark ist nur der, der einmal mehr aufsteht als er hinfällt.
5. bin
nickellodeon 18.04.2013
Zitat von Felix MSDas können Sie prima zusammengefasst bei Wikipedia nachlesen. Sie war eine ziemlich erfolgreiche Fußballerin, sie hat Germanistik und Politik studiert, sie war in der PR-Abteilung bei Adidas, Presseprecherin bei Eintracht Frankfurt und dann beim HSV die Verantwortliche für Kommunikation und Marketing. Aus meiner Sicht ist das ein sehr guter Weg, den sie nur aufgrund ihrer sehr guten Qualifikationen gehen konnte. Aber Ihnen ging es ja auch gar nicht um die Qualifikationen der Dame, sie wollten gern trollen und gehören vermutlich zu den Menschen, die anderen Menschen nicht wieder auf helfen, wenn sie gefallen sind. Vermutlich lehnen Sie auch den Satz ab: Stark ist nur der, der einmal mehr aufsteht als er hinfällt.
als Bremer alles andere als ein HSV Kenner. Aber ein Freund, der nicht nur leidenschaftlich die Müllhalde unterstützt, sondern Frau Kraus persönlich kennt, beschreibt sie als ziemliche Luftnummer. Insofern habe ich den Hamburgern das duo Hoffmann/Kraus sehr gegönnt. Und was sie dort gemacht hat, kann bis heute wirklich niemand seriös beantworten
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