DDR-Sport Bund zahlt Doping-Opfern zehn Millionen Euro Entschädigung

Nach langen Verhandlungen hat sich der Bund dazu entschieden, zehn Millionen Euro an die Opfer des DDR-Dopings zu zahlen. Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein ist zufrieden, übt aber gleichzeitig scharfe Kritik am organisierten Sport.

DDR-Athleten: Viele ehemalige Sportler leiden an den Folgen des Zwangsdopings
DPA

DDR-Athleten: Viele ehemalige Sportler leiden an den Folgen des Zwangsdopings


Aufatmen bei den Doping-Opfern des DDR-Sports: Der Bund zahlt nach langer Debatte zehn Millionen Euro an Entschädigung. Vor der entscheidenden Haushaltssitzung des Deutschen Bundestags für das Jahr 2016 habe sich die Regierungskoalition "in letzter Minute" entschlossen, doch einen Fonds für die DDR-Dopingopfer einzurichten, erklärten die Grünen-Abgeordneten Monika Lazar und Anja Hajduk. "Die damals minderjährigen Opfer des DDR-Zwangsdopings bekommen eine Entschädigungszahlung."

Da der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOH) von tausend betroffenen Ex-Athleten ausgeht, soll jeder Anspruchsberechtigte rund 10.000 Euro. erhalten. Bei den Sportlern handelt es sich um damals oft noch minderjährige Opfer des DDR-Zwangsdopings, die heute unter schwersten körperlichen wie seelischen Schäden leiden.

Die DOH-Vorsitzende Ines Geipel sagte SPIEGEL ONLINE: "Nach einer lagen Pattsituation ist das endlich ein wichtiger, konkreter Schritt in die richtige Richtung. Und auch der Ton der Erklärung im Bundestag war wichtig für die Opfer." Staatssekretär Ole Schröder hatte sich bereits Anfang Oktober für die Zahlung der Summe stark gemacht und gefordert, dass auch der organisierte Sport in Deutschland Geld bereitstellen sollte. Geipel fand noch deutlichere Worte: "Es ist ein Desaster, dass der organisierte Sport keinen Cent gezahlt hat. Das werden wir auch so nicht hinnehmen."

Grünen nehmen den DOSB in die Pflicht

Dieser Grundforderung schlossen sich die Grünen-Abgeordneten an. "Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) muss nun als Rechtsnachfolger des DDR-Sportsystems ebenfalls Verantwortung übernehmen und seinen finanziellen Beitrag leisten", hieß es in der Mitteilung: "Bisher duckte sich der DOSB in dieser Frage weg. Mit dem nun eingerichteten Fonds ist das nicht mehr möglich."

Bereits im Jahr 2002 hatte es eine Einmalzahlung des Bundes für die Dopingopfer des DDR-Regimes gegeben, die ähnlich hoch ausgefallen war. Damals erhielten 194 Anspruchsberechtigte je 10.500 Euro. 2006 kamen noch einmal 2,5 Millionen Euro dazu. Der DOSB zahlte bislang etwa 500.000 Euro.

ckr/sid

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
al3x4nd3r 12.11.2015
1.
10.000 Euro für lebenslange Schädigung sind nicht wirklich großzügig. Aber können die Sportler überhaupt noch klagen?
trotz-ossi 12.11.2015
2.
Und wer entschädigt die BRD-Doping-Opfer? - Ach nein, gedopt wurde ja nur im Osten... Danke für die ausgewogene Berichterstattung!
kastenmeier 12.11.2015
3.
Zitat von trotz-ossiUnd wer entschädigt die BRD-Doping-Opfer? - Ach nein, gedopt wurde ja nur im Osten... Danke für die ausgewogene Berichterstattung!
Lieber trotz-ossi, hier wird staatliches Zwangsdoping durch die DDR entschädigt, nicht eigenmächtiges Dopen von Athleten oder Trainern. Nur falls es Ihnen hilft, den Schaum vorm Mund zu trocknen.
hei-nun 12.11.2015
4. Lesen !
Zitat von trotz-ossiUnd wer entschädigt die BRD-Doping-Opfer? - Ach nein, gedopt wurde ja nur im Osten... Danke für die ausgewogene Berichterstattung!
Ich hoffe, Sie haben mehrfach den Begriff "DDR-Zwangs-Doping" gelesen ... Wo gab's sonst noch Zwangs-Doping ? Richtig Russland. Ob da auch entschädigt wird ?
Lankoron 12.11.2015
5. Also entweder
gabs Zwangsdoping oder nicht...ich frage mich dann nur, warum sich einige erfolgreich widersetzt haben und gefeiert werden, andere aber nicht und jetzt trotzdem gefeiert werden. Und gegen kaum einen der Verantwortlichen ist jemals vorgegangen worden. Aber Geld vom DOSB? Geld von einem verband, der mit Steuermillionen unterstützt wird, soll jetzt Gelder zahlen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.