DFB-Integrationsbeauftragter Cacau sieht kein "flächendeckendes Rassismusproblem" in Deutschland

In der Causa Özil wirft der Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes sowohl dem Spieler als auch dem Verband Fehler vor. Laut Cacau sind die Rassismusvorwürfe gegen den DFB aber "einfach falsch".

Cacau (November 2016)
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Cacau (November 2016)


Cacau, Integrationsbeauftragter der Deutschen Fußball-Bundes, hat den zurückgetretenen Nationalspieler Mesut Özil kritisiert, aber auch Vorwürfe gegen die DFB-Führung erhoben. Auf die Frage, ob ein Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel hilfreich wäre, sagte er am Donnerstagabend in den ARD-"Tagesthemen": "Das ist im Moment schwer zu sagen, weil die Diskussion dann doch sehr emotional ist."

Aus seiner Sicht habe nicht nur Özil mit seinem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem langen Schweigen danach Fehler gemacht. "Sondern auch der DFB, der nicht von vorneherein klar eine Richtung vorgegeben hat und diese Richtung dann auch befolgt hat. Das war heute eine Aussage und morgen eine andere. Und das war schwierig", sagte Cacau. "Man muss das klar, transparent und offen ansprechen." Das sei im Moment aber leider nicht der Fall. Cacau ist selbst Ex-Fußballnationalspieler und seit 2016 Integrationsbeauftragter beim DFB.

Özil war am vergangenen Sonntag aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. In drei Statements hatte er zu einem Rundumschlag ausgeholt. Besonders scharf kritisierte er DFB-Präsident Reinhard Grindel und sprach von Rassismus in der Führung des Verbandes. "In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern" sei er ein Deutscher, wenn die Mannschaft gewinne, aber ein Migrant, wenn sie verliere, hatte Özil unter anderem geschrieben. Grindel wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück.

Video zu Özils Rücktritt: Integrationsdebatte ist neu entbrannt

Cacau bezeichnete die Rassismusvorwürfe Özils nun als "sehr hart". Er habe in seinen Jahren beim DFB nichts Derartiges erlebt, obwohl auch er erkennbar einen Migrationshintergrund habe - der 37-Jährige ist gebürtiger Brasilianer. Özil sei ein hochtalentierter Spieler, da seien die Erwartungen hoch. "Eine Kritik, die man an einem Spieler auch mit Migrationshintergrund übt, ist nicht gleich Rassismus."

Ähnlich äußerte sich Cacau auch gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Kritik ist nicht gleich Diskriminierung oder Rassismus. Wenn ich kritisiert werde und sage dann, das passiert nur, weil ich Brasilianer und dunkelhäutig bin, dann ist das nicht korrekt und nicht erwachsen." Der Rassismusvorwurf gegen den DFB sei "einfach falsch".

Die öffentliche Diskussion gehe mittlerweile in eine falsche Richtung, sagte Cacau: "Man hat das Gefühl, wenn man die Nachrichten sieht und liest, dass Deutschland ein flächendeckendes Rassismusproblem hat. Das ist nicht der Fall."

Seit Özils Rücktritt wird in Deutschland verstärkt über das Thema Alltagsrassismus diskutiert. Derzeit teilen beispielsweise Tausende Twitternutzer ihre Erfahrungen unter #MeTwo. Erfinder des Hashtags und Initiator der Aktion ist Ali Can. "Wir brauchen sozusagen eine 'MeToo'-Debatte für Menschen mit Migrationshintergrund", erklärt der 24-Jährige in einem Video, das auf Twitter veröffentlicht wurde. Mehr zu der Aktion lesen Sie hier.

aar/sid/dpa

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