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05. Februar 2016, 11:52 Uhr

Leichtathletik

Chinesische Weltrekordhalterin gesteht Doping

Lag es doch nicht am Schildkrötenblut? In den Neunziger Jahren liefen chinesische Leichtathletinnen zu Fabelrekorden. Sie konnten nicht des Dopings überführt werden, doch nun wurde ein alter Brief einer Weltrekordhalterin veröffentlicht.

Chinas Leichtathletik droht ein gewaltiger Dopingskandal. Die ehemalige chinesische Langstreckenläuferin und mehrfache Weltrekordhalterin Wang Junxia hat in einem Brief offenbar gestanden, während ihrer Karriere systematisch gedopt zu haben. Sie und andere Läufer ihres Teams seien von ihrem Trainer Ma Junren dazu gezwungen worden, "große Mengen von illegalen Substanzen einzunehmen", heißt es in dem Schreiben, das auf dem chinesischen Internetportal Tencent Sports veröffentlich wurde.

Chinas Leichtathletikverband prüfe den Fall und werde in den nächsten Tagen eine Mitteilung herausgeben, sagte ein Sprecher. Auch der zuletzt selbst stark kritisierte Leichtathletik-Weltverband IAAF will die Vorwürfe prüfen. Zunächst müsse festgestellt werden, ob der Brief echt ist, teilte IAAF-Sprecher Chris Turner mit. Käme die Anti-Doping-Kommission dann zu dem Schluss, dass ein Athlet tatsächlich eine verbotene Substanz eingenommen hat, müssten von ihm erzielte Rekorde aberkannt werden.

Wang Junxia hatte unter Trainer Ma in den Neunziger Jahren unter anderem Weltrekorde über 3000 und 10.000 Meter aufgestellt, die noch heute gelten. Junxias Bestmarke über 3000 von 8:06,11 Minuten stammt aus dem Jahr 1993, auf den Plätzen zwei bis vier in der Rangliste der besten jemals gelaufenen Zeiten liegen ihre damaligen Teamkolleginnen Qu Yunxia, Zhang Linli und Ma Liyan. Die Kenianerin Hellen Onsando Obiri benötigte 2014 als schnellste nicht-chinesische Läuferin 8:20,68.

Brief soll bereits 1995 verfasst worden sein

Auch über 10.000 Meter lief Junxia 1993 eine fast schon unheimliche Zeit. In 29:31,78 Minuten war sie 22 Sekunden schneller als 2009 die Äthiopierin Meselech Melkamu mit der zweitbesten Zeit der Geschichte (29:53,80).

Schon damals wunderten sich Beobachter über die erstaunlichen Leistungen des chinesischen Frauenteams. Wie das Portal Tencent weiter berichtete, sei der Brief bereits 1995 von Junxia und ihren Teammitgliedern geschrieben und unterzeichnet, aber erst jetzt veröffentlich worden.

Sollte das Schreiben echt sein, wäre es der bisher stärkste Hinweis auf die illegalen Praktiken des berüchtigten Leichtathletik-Trainers Ma Junren, der Doping stets abstritt - das Erfolgsgeheimnis seiner schnellen Truppe sei hartes Training und Schildkrötenblut.

Bereits Anfang der Woche war Ma in chinesischen Medien unter Druck geraten. Laut erstmals veröffentlichten Recherchen des chinesischen Schriftstellers und Journalisten Zhao Yu soll er Sportlerinnen geschlagen und ihnen Dopingsubstanzen selbst injiziert haben.

Zuletzt war die internationale Leichtathletik durch den Doping-Skandal in Russland erschüttert worden. Der nationale Verband Araf wurde daraufhin im November von der IAAF vorläufig suspendiert, russischen Athleten droht damit das Aus für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

luk/sid/dpa

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