Froome-Start beim Giro d'Italia War da nicht ein Doping-Befund?

Beim Giro d'Italia startet Christopher Froome, obwohl er im Vorjahr mit einer erhöhten Dosis eines Asthmamittels erwischt wurde. Ein Urteil des Weltverbands gegen den Radstar gibt es bis heute nicht.

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Vor acht Monaten endete die letzte große Rundfahrt der Radprofis, die Vuelta durch Spanien. Acht Monate sind eine lange Zeit, man sollte glauben, dass ein solcher Zeitraum ausreicht, um einen Dopingfall abzuhandeln. Selbst wenn er etwas knifflig ist.

Nicht so beim Radsportweltverband UCI. Nicht so, wenn der Sünder Christopher Froome heißt, seines Zeichens vierfacher Sieger der Tour de France - und auch Gewinner der Vuelta 2017.

Im September des Vorjahres wurde bei dem Briten während der Vuelta eine deutlich erhöhte Dosis des Asthmamittels Salbutamol nachgewiesen. Dass Froome dieses Mittel einnimmt, war bekannt und auch von den zuständigen Stellen genehmigt. Bei der Vuelta jedoch lagen seine Werte extrem über dem erlaubten Level. Normalerweise folgt so einem Vergehen eine Sperre, lediglich über die Dauer wird dann gestritten. Froome jedoch hat bis heute kein Urteil der UCI erhalten, er darf nach wie vor an Rennen teilnehmen. Selbstverständlich wird er auch beim Giro d'Italia an den Start gehen, schließlich will er in diesem Jahr das Double erringen, den Sieg bei Giro und Tour.

Ebenfalls seit acht Monaten ist der Präsident des Weltverbandes, David Lappartient, im Amt. Der Franzose hat bei seiner überraschenden Wahl ein "Aktionspaket Glaubwürdigkeit" angekündigt, aber offensichtlich hat er es noch nicht abgeschickt. Nachdem der öffentliche Druck von Woche zu Woche größer geworden ist, drängt Lappartient jetzt immerhin darauf, dass vor der Tour de France eine Entscheidung fällt, wie mit Froomes Befund umzugehen ist. Zuvor hatte Tour-Direktor Christian Prudhomme von einer "völlig grotesken" Situation gesprochen: "Wir brauchen eine Antwort von der UCI."

Giro-Ergebnis könnte Streichergebnis werden

Wenn Froome tatsächlich gesperrt würde, dürfte ihm sein Giro-Ergebnis nachträglich wieder aberkannt werden. Aber erst einmal darf er auf Sieg fahren. Wer das eine Farce nennt, liegt nicht so falsch.

Eine Sperre des Briten bei der Frankreichrundfahrt würde vor allem seinem Hauptkonkurrenten, Romain Bardet, helfen. Was zumindest den Verdacht nährt, dass der Franzose Lappartient das Thema nur deswegen vor der Tour vom Tisch haben möchte, damit dadurch die Chancen steigen, dass endlich mal wieder ein Landsmann das Gelbe Trikot des Siegers nach Paris auf die Champs-Élysées bringt. Wenn Froome gesperrt wäre, würde Bardet automatisch zum Top-Favoriten aufrücken.

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Fotostrecke: Frisch, Froome, fröhlich, frei

So oder so: Der Radsport hat mal wieder ein massives Imageproblem, und er wird es nicht los. Wie fast immer in den vergangenen 20 Jahren gibt der Weltverband dabei ein denkbar schlechtes Bild ab, egal, welcher Präsident seitdem an der Spitze des Verbandes stand und wie viel auch von Aufklärung und Transparenz seitdem gesprochen wurde. Wieder einmal ist die UCI irgendwo angesiedelt zwischen Untätigkeit und Vertuschung, also dort, wo sie ihren Stammplatz hat.

Vorwürfe gegen Sky sind alt

Froome und sein Rennstall Sky stehen seit Langem am Pranger, die Vorwürfe sind seit Jahren bekannt. Mehr denn je, nachdem ein Ausschuss des britischen Parlaments im März ein Untersuchungsergebnis präsentierte, das Sky mit seinen Tour-Helden Froome und Bradley Wiggins der fortwährenden Tricksereien bezichtigt hat. Die Chance, mit Asthmamitteln an den großen Rundfahrten teilzunehmen, sei von Sky bis an die Grenze des offiziell Erlaubten ausgenutzt worden, so die Parlamentarier. Wohlgemerkt: Es geht um Mittel, die eigentlich zur Gesundung kranker Menschen eingesetzt werden sollten. Und nicht, um ausschließlich die Leistung zu steigern.

"Ich bin sicher, dass es zur Tour kein Team Sky mehr geben wird", hatte der frühere US-Radstar Floyd Landis wagemutig prophezeit. Wobei man bei Äußerungen von Landis, des Dopings überführt nach seinem Tourerfolg 2006, eine gewisse Vorsicht walten lassen muss, sie fallen gerne etwas vollmundiger aus.

Sanktionen hat Sky tatsächlich bisher überhaupt keine bekommen, Wiggins hat seine Laufbahn ohnehin beendet, nach seinen Erfolgen ist er von der Königin zum Sir geadelt worden. Das Team ist bei den Rundfahrten des Frühjahrs der Konkurrenz in bewährter Manier davongefahren. Froome zeigte sich zuletzt in guter Form und fuhr bei der Tour of the Alps vorne mit. Sein sportlicher Leiter Nicolas Portal sagt, sein Starfahrer sei mittlerweile wieder "total fokussiert". Der 32-Jährige sagt selbst: "Ich bin bereit für den Giro. Ich fühle mich in einer sehr guten Position." War was? Nein, es war nichts.

insgesamt 14 Beiträge
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demiurg666 02.05.2018
1.
Unglaublich wie viele Asthmatiker Leistungssport betreiben. Man wird den Eindruck nicht los dass in jeder Sportart gedopt und verschoben wird. Hauptsache die Zwandsgebühren der GEZ unterstützen die Kriminellen und machen mich damit zum Komplizen obwohl es mir am Arsch vorbeigeht wie gut jemand Fahrrad fahren kann oder ob er es schafft mit einem Ball umzugehen.
steingärtner 02.05.2018
2. Heuchler
Die einen werden gesperrt ohne positiven Test. Sie sind aber aus einem bestimmten Land. Die anderen werden positiv getestet, werden aber NICHT gesperrt. Sie sind auch aus einem bestimmten Land.
paps 02.05.2018
3. Keine Minute
dieser Tour de dope sollte diese Jahr übertragen werden.
viceman 02.05.2018
4. ich als
athmatiker , aufgrund von allergien , konnte definitiv keinen leistungssport betreiben. bei der tour allen davonfahren , naja , das hat nicht nur ein geschmäckle, das ist der pure betrug. armstrong hat es vorgemacht und froome und andere machen es nach. solange aber nur " der russe" dopt, tanzen uns die westlichen athmatiker auf der nase bzw. auf dem siegertreppchen herum.
fccopper 02.05.2018
5. Ich
habe diese Betrügereien satt und Froome erst recht, schau also nicht mehr zu bei all den radelnden Asthmatikern. Wer's mag ...
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