Radprofi Chris Froome "Ich freue mich, weiter ein Botschafter für einen sauberen Radsport zu sein"

Das Dopingverfahren ist eingestellt, der Weg zur Titelverteidigung bei der Tour frei: Kurz vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt geht Chris Froome in die Offensive und liefert erneut Erklärungsversuche.

Chris Froome
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Chris Froome


"Ich freue mich, weiter ein Botschafter für einen sauberen Radsport zu sein" - das hat der vom Dopingvorwurf freigesprochene Radprofi Chris Froome in einem Interview der Londoner "Times" gesagt. Gleichzeitig hat der Brite drei Tage vor der am Samstag beginnenden Tour de France erneute Erklärungsversuche unternommen. Demnach habe der 2017 während der Vuelta gemessene Wert des Asthmamittels Salbutamol in seinem Urin weit weniger über dem erlaubten Limit gelegen als bisher publiziert.

Froome bezifferte seinen Wert bei der Kontrolle vor seinem Vuelta-Sieg auf 1429 Nanogramm. Sein Team Sky hatte den Wert einst mit 2000 Nanogramm angegeben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) setzte für das Mittel einen Grenzwert von 1000 Nanogramm pro Milliliter fest. Dazu gebe es allerdings einen Ermessensspielraum bis 1200 Nanogramm, erklärte Wada-Wissenschafts-Direktor Oliver Rabin.

Dass Froome das Asthmamittel einnimmt, war bekannt und auch von den zuständigen Stellen genehmigt. Und doch liegt auch der von Froome bezifferte Wert weit über dem Grenzwert - selbst inklusive Ermessensspielraum.

Wada weist Promi-Rabatt zurück

Die Wada verteidigt ihren viel diskutierten Freispruch und wies den Vorwurf eines Promi-Rabatts zurück. "Das war nicht das erste Mal, dass wir eine zu hohe Salbutamol-Konzentration überprüft haben. Das Außergewöhnliche an diesem Fall war, dass Froome ein sehr bekannter Sportler ist und sein Fall durch Indiskretion in die Presse gelangte", erklärte Rabin der Internetplattform "cyclingnews": "Wir verhalten uns in solchen Situationen immer gleich, jetzt und in Zukunft."

Im konkreten Fall akzeptierte die Wada die Erklärung der Froome-Seite, dass eine Dehydrierung nach der schweren Vuelta-Etappe auf den Los Machucos und die Einnahme weiterer Medikamente gegen eine Infektion die Messung beeinflusst hätten. "Ich hätte nichts als einen kompletten Freispruch akzeptiert", erklärte der umstrittene Sky-Kapitän.

Seriensieger Froome ist seit dem 4. Mai auf Rekordkurs. Sein Sieg beim Giro d'Italia, mit einem historischen Solo herausgefahren, bedeutete den dritten Grand-Tour-Sieg in Serie. Das hatten vor ihm nur Eddy Merckx (1972/1973) und Bernard Hinault (1982/1983) geschafft. Jetzt wartet der vierte Streich am Stück. Als fünfmalige Toursieger bilden Jacques Anquetil, Merckx, Hinault und Miguel Indurain einen exklusiven Klub. Er könnte durch Froome erweitert werden.

Video: Das Doping-Geständnis des Jörg Jaksche (2007)

Uwe Speck/Witters

sak/dpa



insgesamt 42 Beiträge
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uzsjgb 04.07.2018
1. Richtige Entscheidung
Etwas anderes als einen Freispruch hatte ich nicht erwartet. Gut ist, dass sich der Radsportverband UCI hier nach der Wada gerichtet hat, so hat der Freispruch ein höheres Gewicht und Kritik fällt nicht auf die UCI zurück. Aus meiner Sicht ist es ein Unding, wenn ein Sportler ein erlaubtes Mittel in der erlaubten Menge einnimmt, aber die Auswirkungen für den Dopingtest so schwanken. Denn dann ist es ein Glücksspiel, auf welches der Sportler kaum Einfluss hat. Es ist anzunehmen, dass Froome, der seit der Kindheit Asthmamittel nimmt und nie negativ aufgefallen ist, seine Dosis genau kennt. Was wird die Wada jetzt wegen Salbutamol unternehmen? Eigentlich kann man es nur freigeben oder den Grenzwert extrem erhöhen. Anscheinend ist ja Froome nicht der erste Fall, der ohne Schuld einen erhöhten Wert hatte. Es wäre extrem unfair weitere Sportler solch einer Untersuchung auszusetzen.
kalsu 04.07.2018
2. Botschafter für einen sauberen Radsport.
Das behauptete Lance Armstrong 15 Jahre lang von sich auch immer.
taglöhner 04.07.2018
3. Schreckliche Situation
Zitat von kalsuDas behauptete Lance Armstrong 15 Jahre lang von sich auch immer.
Und dann ist er aufgeflogen und tief gefallen. Nachdem er die Seuche ausgebreitet hat. Froome ist eher nicht zu packen, sonst wäre es wohl bereits geschehen. Oder er ist wirklich sauber. Ich zweifle.
stef_ma 04.07.2018
4. Naja....
Schon eigenartig wieviele Radprofis Asthma haben und Salbutamol und ähnliche leistungssteigernde Medikamente einnehmen "müssen". Dieser Sport ist durchtrieben von Doping, vielleicht muss man das einfach akzeptieren. Glaube kaum, dass es in den letzten Jahren einen Toursieger gab, der komplett sauber war.
Rebierhcs 04.07.2018
5. #1
Oder ist anders und Froome kennt seine Dosis genau und hat bewusst mehr genommen, da er ja angeblich durch einen Infekt den anderen Sportlern gegenüber benachteiligt war, musste hier aus Gründen der Gerechtigkeit Chancengleichheit hergestellt werden und deshalb war es gerechtfertigt, dass er mehr nimmt *Ironie aus. Wenn der Wert durch Dehydratation und andere Mittel zu Stande kommt, dann ist der Sportler halt selber Schuld und muss dafür die Konsequenzen tragen. Andere hats auch erwischt, Dieter Baumann mit der Zahnpasta. Für mich bedeutet diese Überdehnung der Regeln das Ende meines Interesses am Radsport, den ich bislang immer gerne verfolgt habe. Aber jetzt ist das Fass voll und ich möchte dieses Huldigen der Lex Sky nicht länger sehen und hören.
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