Trotz EM-Enttäuschung DHB hält an Bundestrainer Prokop fest

Christian Prokop bleibt trotz der enttäuschenden EM Handball-Bundestrainer. Das hat der Verband nach einer außerordentlichen Präsidiumssitzung mitgeteilt. Der Coach habe "ehrliche Selbstreflexion geübt".

Christian Prokop
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Christian Prokop


Der Deutsche Handball-Bund (DHB) hält an Bundestrainer Christian Prokop fest. Dieses Ergebnis einer eingehenden EM-Analyse teilte der Verband im Anschluss an eine außerordentliche Präsidiumssitzung mit. Prokop darf die Nationalmannschaft damit trotz der mit Platz neun enttäuschenden EM in Kroatien auf die Heim-WM im kommenden Jahr vorbereiten.

Prokop hatte die deutsche Mannschaft im März 2017 übernommen und besitzt beim DHB einen Vertrag bis 2022. In den bisherigen 17 Länderspielen unter seiner Regie gab es zehn Siege, drei Remis und vier Niederlagen. Von den sechs EM-Spielen gewann Deutschland allerdings nur zwei.

Anschließend wurde er scharf kritisiert, auch aus Reihen der Mannschaft. Dass er im Amt bleibt, ist daher eine Überraschung.

Der Entscheidung pro Prokop ging eine wochenlange verbandsinterne Analyse voraus, in der die atmosphärischen Störungen zwischen dem Trainer und Team erörtert worden sind. Durch die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem 39-Jährigen bleibt Bob Hanning zudem DHB-Vizepräsident. Hanning hatte sein weiteres Engagement vom Schicksal Prokops abhängig gemacht.

"Es war sehr gut, dass wir uns die Zeit für die intensive Analyse genommen haben. Ab sofort richten wir unseren Blick nach vorn, um gemeinsam eine erfolgreiche Heim-WM 2019 zu bestreiten", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann: "Der Bundestrainer hat ehrliche Selbstreflexion geübt. Es hat eine deutliche Entwicklung beim Trainer gegeben. Das hat uns überzeugt, dass er den Weg mit der Mannschaft gehen kann."

Die Freistellung Prokops hätte den Verband mehr als eine Million Euro gekostet. Zwar hatte Hanning im ZDF-Sportstudio erklärt, dass sich der DHB eine Trennung hätte leisten können. Doch für den Verband, der deutlich weniger als zehn Millionen Euro Jahresumsatz erzielt, wäre das ein finanzieller Rückschlag gewesen. Der DHB teilte nach der Präsidiumssitzung mit, dass finanzielle Aspekte keine entscheidende Rolle gespielt haben sollen.

mru/dpa/sid



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
uli_san 19.02.2018
1. Das ist...
...wohl eher eine finanzielle denn eine rein sportliche Entscheidung, trotz gegenteiliger Beteuerungen.
klaus64 19.02.2018
2. Gabe es eine Alternative ?
Wenn man Prokop entlässt oder freistellt, wer hätte denn nun das Amt jetzt übernehmen sollen ? Gibt es denn eine Aussage der Handballnationalmannschaft zum Ergebnis der Europameisterschaft ? Es gab ja auch eine ganze Reihe von technischen Fehlern einzelner Spieler in entscheidenden Phasen, die dem Trainer nicht anzulasten sind. Die Mannschaft oder Teile davon sollten sich nun mit der diesem Trainer abfinden und einen Weg zur WM in Deutschland gemeinsam suchen. Auch die Clubtrainer sollten dazu ihren Beitrag leisten. Ich denke nur so kann es gehen.
fisschfreund 19.02.2018
3. Überschrift
Eine schlechte Entscheidung. Der Mann ist unfähig und gehört ersetzt.
RalfHenrichs 19.02.2018
4. Einige Spieler
sollen für diesen Fall mit Rücktritt gedroht haben. Gilt das noch? Auf jeden Fall drücke ich nun die Daumen, dass Deutschland nun bei der Heim-WM schlecht abschneidet. Hoffentlich werden dann Prokop und Hanning entlassen.
bs2509 19.02.2018
5. Bob Hanning oder die nächste Märchenstunde
alle Spatzen pfiffen es bereits von den Bäumen, dass die Mannschaft nichts mehr mit Trainer Prokop am Hut hatte. Und nun die wundersame "Selbstrefexion" des Bundestrainers Prokop. Besser, Bob Hanning hätte dann ebenfals seinen Hut nehmen müssen, aber weitgefehlt. Wie in der Politik, so krallen sich die Verantwortlichen Funktionäre an ihren gutbezahlten Jobs fest. Egal, ob es für den Deutschen Handball etwas bringt oder nicht. Na dann mal viel Vergnügen oder warten wir mal ab, wie viele Spieler eventuell noch mitspielen werden.
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