Vuelta-Sieger Froome Sky is the Limit

Der Brite Christopher Froome hat mit der Vuelta die zweite Grand Tour innerhalb von zwei Monaten gewonnen. Warum sein Sieg historisch ist - und andere Fahrer nun Reformen im Radsport fordern.

Chris Froome
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Chris Froome

Von Eike Hagen Hoppmann


Es gibt im Radsport eine Regel, die vielleicht sogar ein Gesetz ist: Bei einer dreiwöchigen Rundfahrt hat auch der beste Fahrer einen schlechten Tag. So war es auch beim Briten Christopher Froome: Am vergangenen Mittwoch, einen Tag nach seinem Zeitfahrsieg, war der Akku leer. 42 Sekunden verlor er auf seine Verfolger. Die Vuelta schien noch einmal spannend zu werden.

Bemerkenswert ist aber, dass dies der einzige Tag blieb, an dem Froome größere Schwächen zeigte. Auf der anschließenden Etappe fuhr er der Konkurrenz schon wieder davon. Und bei der entscheidenden Königsetappe am Samstag dominierte er ebenfalls.

Froome ist deshalb ein verdienter Sieger der Vuelta, einer der drei großen Landesrundfahrten im Radsport. Dabei hatte er erst im Juli seinen vierten Erfolg bei der Tour de France gefeiert.

Der Gewinn der Spanienrundfahrt ist aus zwei Gründen besonders:

  • Es ist Froomes erster Gesamtsieg in Spanien. 2011 bei seiner ersten Teilnahme verpasste er den Gesamtsieg als Zweiter nur um 13 Sekunden. 2012 wurde er Vierter, 2014 und 2016 noch mal jeweils Zweiter.
  • Froome ist der erste Fahrer seit Bernard Hinault 1978, der die Tour de France und die Vuelta im selben Jahr gewinnen konnte. Doch die Vuelta wurde damals noch als erste Grand-Tour des Jahres im Frühjahr ausgetragen. Die aktuelle Terminierung nur wenige Wochen nach der Tour macht Siege bei beiden Rundfahrten noch unwahrscheinlicher. In dieser Konstellation ist Froomes Sieg einmalig.

Dabei ist es schon eine Leistung, nach der Tour die drei Wochen in Spanien überhaupt durchzuhalten. "Es gibt einen guten Grund, warum noch niemand nach der Tour auch noch die Vuelta gewonnen hat", sagte Froome. "Es ist ein sehr schwieriges Unterfangen."

Froome kann auf Sky-Eskorte zählen

Und dann hatten sich die Streckenplaner auch noch eine Route ausgesucht, bei der man schon vom Zuschauen Schmerzen in den Oberschenkeln bekommt. Es war eine brutale Schinderei in den Bergen - kaum Flachetappen, Berge reihten sich an Berge. Mehrfach mussten die Fahrer Abschnitte mit 20 Prozent Steigung überwinden.

Froome setzte sich dabei auch gegen Fahrer durch, die die Tour ausgelassen hatten. Der Italiener Vincenzo Nibali und der Russe Ilnur Zakarin landeten hinter ihm auf den Plätzen zwei und drei. Die meisten anderen Fahrer der Tour waren hingegen chancenlos: Romain Bardet, Fabio Aru, Louis Meintjes und Simon Yates kamen nicht mal in die Nähe der Podiumsplätze.

Neben Froome selbst hat seine Mannschaft Sky maßgeblichen Anteil am Sieg. Als der Brite am Mittwoch seinen schwachen Tag hatte, eskortierte ihn sein Sky-Team über die Berge. Bis zuletzt blieb Mikel Nieve an seiner Seite und zog ihn den letzten Anstieg förmlich hinauf. Am Samstag begleitete der ebenso starke Wout Poels seinen Kapitän bis über die Ziellinie. Wie schon bei der Tour war die Stärke von Sky die entscheidende Zutat für den Gesamtsieg.

Budget von 35 Millionen Euro

Das Team fuhr erneut so dominant, dass die Rufe nach Regeländerungen im Radsport lauter werden. Der spanische Radprofi Alberto Contador sprach sich für die sogenannte Salary-Cap aus, eine Gehaltsobergrenze, die es vielfach im US-Sport gibt und für mehr Chancengleichheit unter den Mannschaften sorgen soll. Mit einem geschätzten Budget von 35 Millionen Euro kann Sky die besten Verträge bieten - vielen anderen Mannschaften steht gerade mal ein Drittel des Geldes zur Verfügung.

Ganz vollendet ist Froomes Karriere nach dem Sieg in Spanien aber noch nicht. Der Giro d'Italia fehlt ihm weiterhin in der Titelsammlung - für einen Fahrer seiner Klasse ist das ein kleiner Makel. Froome ist inzwischen 32 Jahre alt, sein Fenster schließt sich langsam.

Dass er im nächsten Jahr versuchen wird, seinen Tour-de-France-Titel zu verteidigen, gilt als sicher. Normalerweise schließt das einen Giro-Start aus - zumindest bei Ambitionen auf den Sieg. Aber Froome hat in Spanien gezeigt, dass er zwei Rennen in kurzer Zeit gewinnen kann. Und eine weitere Sache kommt ihm entgegen: 2018 beginnt die Tour wegen der Fußball-WM eine Woche später. Sieben Tage mehr Pause zwischen Giro und Tour könnten Froome ins Grübeln bringen, ob er erneut ein Double anpeilen sollte. Er könnte scheitern - oder seiner Karriere die finale Krönung verpassen.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
awes 10.09.2017
1. Alles sehr sehr unwahrscheinlich
.... no further comment
Rebierhcs 10.09.2017
2. Gedanke
Warum gelang dies in der "Doping-Ära" niemand? Entweder waren alle so "fit" das sich die Titel verteilten oder Froome ist halt als einziger gedopt...
kriskross 10.09.2017
3. Froome hat einfach am meisten...
...Talent!
Le Commissaire 10.09.2017
4.
Zitat von RebierhcsWarum gelang dies in der "Doping-Ära" niemand? Entweder waren alle so "fit" das sich die Titel verteilten oder Froome ist halt als einziger gedopt...
1992 und (!) 1993 gewann Miguel Indurain das Double aus Giro und Tour de France, was noch schwieriger ist als das Double aus Tour und Vuelta. Radsport ist Mannschaftssport. Sky hat mehrere Fahrer, die, wären sie Kapitän der Mannschaft, gute Chancen hätten, die Tour de France zu gewinnen. So ein starkes Team hat es meines Wissens noch nie gegeben. Froome hat die diesjährige und letztjährige Tour als auch die diesjährige Vuelta nicht in einer übermenschlichen Leistung auf ein, zwei Etappen gewonnen (bei der diesjährigen Tour hat er keinen einzigen Etappensieg eingefahren), sondern in vielen kleinen Schritten seinen Konkurrenten mal hier, mal dort ein paar Sekunden abgenommen. Er fährt nie nach Gefühl, sondern klebt an seinem Wattmessgerät und kann länger eine sehr hohe Kadenz fahren, also Kraft sparen.
DiegoMarlasca 10.09.2017
5.
Herzlichen Glückwunsch an Christopher. Aber man sollte vielleicht besser recherchieren, Zitat. "Und bei der entscheidenden Königsetappe am Samstag dominierte er ebenfalls. ..." In Spanien habe ich die meisten Etappen direkt im Fernsehen verfolgt. Am Samstag dominierte Alberto Contador bei Anstiegen bis 25%, welcher auch den Tagessieg errungen hat. Chris hat zudem auf der Strecke Motril - Antequera Schwächen gezeigt. Hier stürzte er innerhalb weniger Minuten gleich zweimal. Insgesamt war die Vuelta dieses Jahr sehr interessant und spannend.
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