Chronologie Der Prozess


Berlin - Das Bangen um die Gesundheit der heute 74 Jahre alten Manfred Ewald und die drohende Verjährung begleiteten stets den wichtigsten Prozesses um das systematische Doping im DDR-Sport. Mit Ewald wurde auch der Sportmediziner Manfred Höppner angeklagt. Hier die wichtigsten Etappen des Prozesses.

2. Mai 2000 - Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Spitzenprozess gegen Ewald und Höppner mit einer Überraschung: Die Kammer - seit kurzem unter dem Vorsitz von Richter Dirk Dickhaus - will jetzt alle Nebenkläger als Zeugen hören. Zuvor war gemutmaßt worden, dass das Gericht nach pauschalen Geständnissen bereits am ersten Tag zum Urteil kommt. Ewald schweigt zu den Vorwürfen.

5. Mai 2000 - Höppner legt ein Teilgeständnis ab: Er räumt seine Mitwirkung an der Vergabe von männlichen Hormonen ein, meinte aber, dies sei legal gewesen.

9. Mai 2000 - Der Ewald-Prozess droht zu platzen: Das Gericht entscheidet auf Antrag der Verteidigung, Ewald erneut auf seine Verhandlungsfähigkeit zu untersuchen.

16. Mai 2000 - Das Gericht entscheidet auf Grund eines weiteren Gutachtens, dass der Prozess fortgesetzt werden kann. Allerdings darf täglich nur etwa zweieinhalb Stunden verhandelt werden.

19. Mai 2000 - Erstmals haben die Opfer das Wort. "Wir wurden missbraucht", sagt die frühere Schwimm-Weltrekordlerin Carola Beraktschjan. Ewald hört mit versteinerter Mine schweigend zu.

2. Juni 2000 - Ewald erscheint nicht vor dem Landgericht. Sein Anwalt sagt, der inzwischen 74-Jährige sei von seiner Hausärztin krankgeschrieben. Der Fortgang des Prozesses ist wieder offen.

9. Juni 2000 - Ewald erscheint wieder vor Gericht. Zuvor hatte ein gerichtlich bestellter Sachverständiger erneut festgestellt, dass Ewald zumindest eingeschränkt verhandlungsfähig ist.

13. Juni 2000 - Zwischen Gericht und Nebenklage kommt es zum Streit. Der Vorsitzende Richter Dirk Dickhaus kritisiert, dass Zeuginnen trotz Ladung nicht erschienen sind und rät der Nebenklage, wegen der am 2. Oktober drohenden Verjährung keine weiteren Anträge mehr zu stellen.

20. Juni 2000 - Rund 100 Tage vor der Verjährung drückt die Strafkammer aufs Tempo: 120 der 142 verhandelten Fälle der Körperverletzung werden eingestellt.

22. Juni 2000 - Das anabole Steroid Oral-Turinabol hätte nach Ansicht des vom Gericht beauftragten Gutachters Hellmut Mahler nicht an junge Mädchen verabreicht werden dürfen.

27. Juni 2000 - Das Gericht lehnt eine Reihe ausstehender Anträge der Nebenklage ab und schließt die Beweisaufnahme. Staatsanwalt Klaus-Heinrich Debes fordert in seinem Plädoyer für beide Angeklagte zwei Jahre Haft auf Bewährung.

30. Juni 2000 - Rechtsanwalt Michael Lehner, der 17 der insgesamt 22 Nebenkläger vertritt, fordert für Ewald drei Jahre Gefängnis und für Höppner zweieinhalb Jahre.

4. Juli 2000 - Die Ewald-Verteidigung verlangt einen Freispruch. Höppners Verteidigung fordert für den Fall eines Schuldspruchs nur eine mildere Strafe als im Antrag der Staatsanwaltschaft.

6. Juli 2000 - Das Gericht eröffnet überraschend erneut die Beweisaufnahme, um weitere Einzelheiten zu zwei Nebenklägerinnen zu ermitteln.

18. Juli 2000 - Ewald wird zu 22 Monaten Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zur Körperverletzung an 20 frühere DDR-Sportlerinnen verurteilt. Höppner erhält 18 Monate auf Bewährung. In zwei der 22 verhandelten Fälle erfolgen Freisprüche



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