Fuglsangs Sieg bei Dauphiné Vier Lehren für die Tour de France

Überraschung auf der letzten Etappe: Der Däne Jakob Fuglsang hat das Critérium du Dauphiné gewonnen. Vier Thesen, was die Ergebnisse der Generalprobe für die Tour de France bedeuten.

Jakob Fuglsang
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Jakob Fuglsang


Die 69. Ausgabe des Critérium du Dauphiné endete spektakulär. Der Däne Jakob Fuglsang vom Team Astana düpierte die Favoriten und schaffte es mit seinem zweiten Tageserfolg, Richie Porte das Gelbe Trikot noch abzunehmen und den Gesamtsieg zu holen. Lediglich zehn Sekunden Vorsprung hatte er in der Gesamtwertung auf den Australier vom Team BMC - genauso viel Zeitbonifikation bekam Fuglsang für den Etappensieg. Daniel Martin (Quick-Step Floors) komplettierte als Dritter das Podium.

Die einwöchige Dauphiné-Rundfahrt gilt als Generalprobe für die Tour de France. Die wichtigste Rundfahrt im Radsport-Kalender beginnt am 1. Juli in Düsseldorf. Folgende vier Thesen lassen sich aus den Dauphiné-Ergebnissen in Hinblick auf die Tour aufstellen.

1. Favorit Froome ist schlagbar

In den vergangenen beiden Jahren gewann Christopher Froome die Tour de France souverän. Auch in diesem Jahr gehört er wieder zu den Top-Favoriten. Aber er ist schlagbar. Denn 2015 und 2016 siegte er zuvor jeweils auch bei der Generalprobe. Schon 2013 bei seinem ersten Toursieg wurde er zuvor Erster bei der Dauphiné-Rundfahrt. In diesem Jahr zeigte der Brite ungewohnte Schwächen und wurde nur Vierter in der Gesamtwertung mit 1:33 Minuten Rückstand auf Fuglsang.

2. Fuglsang und Porte haben gute Siegchancen

Richie Porte war bereits im vergangenen Jahr der einzige Fahrer, der Froome in den Hochgebirgsetappen folgen konnte. Er hatte seine Chancen auf den Gesamtsieg allerdings bereits auf der zweiten Etappe verspielt, als ihm ein Reifenschaden vier Kilometer vor dem Ziel 1:45 Minuten Rückstand einbrachte. In diesem Jahr könnte Froomes einstiger Edelhelfer beim Team Sky seinen ehemaligen Chef erstmals überholen.

Auch Fuglsang ist nach seinen furiosen Auftritten im Favoritenfeld angekommen. Sein Team Astana muss nun entscheiden, ob es bei der Tour auf den Dänen oder den genesenen Italiener Fabio Aru als Fahrer für das Gesamtklassement setzen soll. Aru beendete die Dauphiné-Rundfahrt auf Platz fünf.

Ein großes Fragezeichen steht hingegen hinter dem Spanier Alberto Contador (Trek-Segafredo). Der Tour-de-France-Sieger von 2007 und 2009 schaffte es nicht einmal mehr in die Top Ten der Gesamtwertung und wurde mit über fünf Minuten Rückstand Elfter.

3. Buchmann kann überraschen

Erfreulich aus deutscher Sicht ist das Abschneiden von Emanuel Buchmann. Der 24-Jährige vom deutschen Team Bora-hansgrohe gilt bei der Tour als größte deutsche Hoffnung auf eine gute Platzierung im Gesamtklassement. Im vergangenen Jahr beendete er die Frankreich-Rundfahrt auf Rang 21, in diesem Jahr könnte er einen Sprung nach vorne machen, auch wenn er wohl nur als Helfer des Polen Rafal Majka eingeplant ist.

Bei der Dauphiné-Rundfahrt fuhr er im Kreis der besten Fahrer mit. Auf der letzten Etappe konnte er sogar die großen Favoriten abhängen und kam als Etappenvierter vor Froome, Porte und Aru ins Ziel. Die Belohnung: Platz sieben in der Gesamtwertung und das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers.

4. Gelb für Martin zum Auftakt ungewiss

Die Tour de France beginnt in Düsseldorf mit einem Zeitfahren. Das ist bekanntlich die Spezialdisziplin des Deutschen Tony Martin. Mit einem Sieg auf der ersten Etappe könnte er sich das Gelbe Trikot überstreifen. Allerdings belegte Martin beim Zeitfahren der Dauphiné mit zwölf Sekunden Rückstand auf Sieger Porte nur den zweiten Platz. Ein Heimsieg ist somit keine Selbstverständlichkeit.

ehh



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Le Commissaire 11.06.2017
1. Teamstärke, Altersschwäche und Jungprofis
Ja, natürlich ist Froome schlagbar. Die Zeiten, in denen ein, zwei Fahrer das Peloton fast schon nach Belieben dominieren, sind lange vorbei, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Sportarten gibt es beim Radsport effektive Dopingkontrollen. Wir sollten aber zwei Dinge nicht vergessen: Erstens ist Sky ist nach wie vor das stärkste Team. Und zweitens hat Froome von den genannten Favoriten diese Saison bislang die wenigsten Rennkilometer absolviert. Bei der Tour de Romandie Ende April landete Froome auf Platz 18, 1:55 Min. hinter dem Sieger Richie Porte. Nun bei der Dauphiné liegt Froome auf seinem vierten Platz 1:23 hinter dem zweiten Porte. Wenn man die Bonussekunden von Porte und Froome verrechnet, ist der Abstand noch geringer. Fun Fact: Froome, Porte und Fuglsang wurden 1985 geboren. Contador 1983, er leidet also womöglch schon an "Altersschwäche". Buchmann wird bei der Tour de France aufgrund der Ansprüche, die Rafał Majka und Peter Sagan an das Team stellen werden, meines Erachtens nicht den Hauch einer Chance bekommen, in die Top Ten zu fahren. Buchmann ist stärker geworden, aber er ist jetzt 24. Nairo Quintana hat mit 23 Jahren den Giro d'Italia gewonnen. Aber es kann noch viel werden, ich drücke ihm die Daumen.
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