Tödlicher Unfall in Le Mans: Drama in der Tertre Rouge

Aus Le Mans berichtet Christoph Stockburger

24 Stunden von Le Mans: Rennfahrer Allan Simonsen tödlich verunglückt Fotos
AP/dpa

Ein tödlicher Unfall überschattet das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Der Däne Allan Simonsen kam in der Tertre-Rouge-Kurve von der Strecke ab und prallte mit seinem Aston Martin gegen die Leitplanke. Im Krankenhaus erlag der Fahrer seinen Verletzungen.

Für Soren Magnussen ist es der dritte Besuch beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. In diesem Jahr hat der junge Däne einen Familienausflug nach Frankreich unternommen, seine Eltern und seine Freundin sind ebenfalls mitgereist. Jetzt sind die vier gerade auf dem Weg vom Campingplatz zur Rennstrecke, Magnussen hat sich die weiß-rote Flagge seines Heimatlandes wie einen Mantel um die Schultern geworfen. Hat er schon von dem Unfall gehört? "Ja", sagt der Däne, "es ist schrecklich."

Der Unfall: Am Samstag um 15.09 Uhr kommt der 34 Jahre alte Rennfahrer Allan Simonsen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans in der Tertre-Rouge-Kurve von der Fahrbahn ab. Sein Aston Martin mit der Startnummer 95 kracht in die Leitplanke, Streckenposten müssen den Dänen bergen. Simonsen wird in ein Krankenhaus an der Rennstrecke gebracht. Dort erliegt der Vater einer jungen Tochter kurz drauf den Verletzungen, die er sich bei dem Crash zugezogen hatte.

Einige Familienmitglieder Simonsens sind an diesem Tag an der Strecke und beobachten das Geschehen. Die Nachricht von seinem Tod erfahren sie von David Richards, einem Miteigentümer von Aston Martin. Das Rennen geht währenddessen weiter, auch die restlichen Wagen des Aston Martin Racing-Teams hören nicht auf, ihre Runden zu drehen - laut Angaben einer Pressesprecherin des Rennstalls war das der ausdrückliche Wunsch der Hinterbliebenen.

Über die Jahre wurde die Strecke entschärft

Allan Simonsen galt als erfahrener Motorsportler. In Le Mans war er 2013 das siebte Mal an den Start gegangen, zum zweiten Mal für Aston Martin. Davor fuhr er unter anderem für den deutschen Rennstall Hankook Team Farnbacher in Ferraris. Zwei Mal schaffte er es in der Rennkategorie GT2 aufs Podium.

Kein anderer Autohersteller war in diesem Jahr in Le Mans mit mehr Wagen an den Start gegangen als die Briten von Aston Martin. Auf die Frage, warum es sie nach Le Mans zieht, sagte Team-Manager Paul Diggins SPIEGEL ONLINE am Vorabend des Rennens: "Die 24 Stunden sind das größte Motorsportevent der Welt. Wenn man sich mit den Besten messen will, tut man das hier." Der Herstellermarke, erklärte er, geht es dabei vor allem um Prestige und Marketing. "Aber uns", sagte Diggins, "also meinem Team aus Fahrern und Mechanikern, geht es um Racing und um Wettbewerb."

Simonsen war der 22. Fahrer, der in der 90-jährigen Geschichte von Le Mans tödlich verunglückte. Vor ihm traf es zuletzt den Franzosen Sébastien Enjolras im Jahre 1997 nach einem Unfall im Qualifying. In einigen Meldungen wurden die Toten von Le Mans mit mehr als 115 angegeben - darin sind die Opfer unter den Zuschauern mitgerechnet, die 1955 beim bislang größten Unglück des Motorsports starben. Damals flog ein Mercedes in die Publikumsränge und ging in Flammen auf.

Die Strecke des 24-Stunden-Rennens wurde über die Jahre immer wieder entschärft, unter anderem durch größere Auslaufzonen und Fangzäune. Ende der achtziger Jahre bauten die Veranstalter zwei Schikanen in die lange Hunaudiere-Gerade, nachdem das Welter-Rennteam mit seinem "Projekt 400" ernst gemacht hatte und dort den bis heute gültigen Geschwindigkeitsrekord von 405 km/h aufstellte.

Auch am Nürburgring stirbt ein Fahrer

Beim Start des 24-Stunden-Rennens am Samstag herrschte leichter Regen. Einige Minuten zuvor trieb der Wind das Wasser aber fast waagerecht über die Strecke. "Frohe Weihnachten", sagte ein Journalist beim Blick aus dem Fernster des Pressezentrums von Le Mans. Nur drei Runden nach dem Start kam es zum Unfall.

Die genaue Ursache wird derzeit untersucht, laut Angaben der Pressesprecherin von Aston Martin Racing ist noch nicht abzusehen, wann ein Ergebnis vorliegt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa war Simonsen auf die blaue Streckenmarkierung gekommen und hatte dadurch die Kontrolle über sein Auto verloren. Ein anderer Pilot war an dem Unfall demnach nicht beteiligt.

"Der Verlust von Allan Simonsen ist furchtbar", sagt Soren Magnussen, der in die dänische Flagge gehüllte Motorsportfan, "aber ich glaube, als echter Racer war er sich des Risikos immer bewusst".

Der Unfall von Le Mans war nicht die einzige Rennsport-Tragödie an diesem Samstag. Wenige Stunden zuvor war beim vierten Lauf der deutschen Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring ein 55 Jahre alter Opel-Fahrer ums Leben gekommen. Nach dpa-Informationen hatte er einen Herzinfarkt am Steuer. Das Rennen wurde nach dem tödlichen Zwischenfall abgebrochen.

Mit Material von dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
benutzer8472 23.06.2013
In Zeiten von Überrollkäfigen, modernen Werkstoffen, automatischen Feuerlöschern, HANS usw. usf. scheinen viele vergessen zu haben, daß Motorsport immer noch ein tödliches Risiko ist. Egal ob man ein 24Stunden Rennen fährt oder mit seinem Privatauto über die Nordschleife donnert - mit viel Pech können immer noch tödliche Unfälle passieren und das sollten wir nie vergessen. Respekt an alle Rennfahrer, die sich trotzdem ins Auto setzen und für ihren Traum ihr Leben riskieren. Und mein Beileid an die Angehörigen, die trotz des Wissens um die Gefahren nicht weniger trauern als alle anderen, die eine geliebte Person verlieren. benutzer8472, ein Hobbyfahrer, der auch beim Trackday um die Gefahren weiss.
2.
edith_60 23.06.2013
[QUOTE=benutzer8472;13043010]In Zeiten von Überrollkäfigen, modernen Werkstoffen, automatischen Feuerlöschern, HANS usw. usf. scheinen viele vergessen zu haben, daß Motorsport immer noch ein tödliches Risiko ist. Egal ob man ein 24Stunden Rennen fährt oder mit seinem Privatauto über die Nordschleife donnert - mit viel Pech können immer noch tödliche Unfälle passieren und das sollten wir nie vergessen. Respekt an alle Rennfahrer, die sich trotzdem ins Auto setzen und für ihren Traum ihr Leben riskieren. Und mein Beileid an die Angehörigen, die trotz des Wissens um die Gefahren nicht weniger trauern als alle anderen, die eine geliebte Person verlieren. Lieber Hobby(Renn-)fahrer, leider ist das, was Sie in Ihrer Freizeit so zur Gefährdung Ihres persönlichen Lebens unternhmen, in der Tat 'Ihre Sache'. Ganz anders stellt sich das allerdings dar, sobald Unbeteiligte durch Ihr Verhalten beeinträchtigt werden. Insofern habe ich keinen 'Respekt' vor Menschen, die andere vorsätzlich, eigensinnig und ausschließlich zur Befriedigung niedriger Lust in Todesgefahr bringen.
3. optional
socke87 23.06.2013
auch Von mir herzliches beileid. Ich habe den Crash gestern live im Fernsehen erlebt und er sah alles andere als schlimm aus. So kann man sich irren. als begeisterter Autofahrer und auch hobbyrennfahrer kann Ich dem ersten Kommentar nur zustimmen. zum zweiten Kommentar: alles Rennfahrer wissen um die Gefahr, genau so wie alle Zuschauer an der Strecke. niemand ist aus zwang an der Strecke. worin besteht nun also die Gefährdung unbeteiligter? im Fußball setzt man auch seine Gesundheit aufs spiel
4.
benutzer8472 23.06.2013
Zitat von edith_60Lieber Hobby(Renn-)fahrer, leider ist das, was Sie in Ihrer Freizeit so zur Gefährdung Ihres persönlichen Lebens unternhmen, in der Tat 'Ihre Sache'. Ganz anders stellt sich das allerdings dar, sobald Unbeteiligte durch Ihr Verhalten beeinträchtigt werden. Insofern habe ich keinen 'Respekt' vor Menschen, die andere vorsätzlich, eigensinnig und ausschließlich zur Befriedigung niedriger Lust in Todesgefahr bringen.
Was genau hat das mit Trackdays und Autorennen auf abgesperrten Strecken zu tun? Ich verstehe nicht, wie sich Dein Beitrag auf meinen bezieht..
5. Leben ist toedlich!
nichtverstummt 23.06.2013
Rennfahren bleibt und ist ein hohes Risiko. Dessen sind sich die Fahrer bewusst und das ist auch ein Anreiz. Was soll dieser Text und der grosse Hinweis auf die Familie. Es ist Schicksal für die Hinterbliebenen, aber es handelt sich um Menschen, die aus freien Antrieb, ein sehr hohes Risiko eingehen und ich finde es fair wenn es Möglichkeiten gibt es, Risiko auszuleben ohne Unbeteiligte zu gefährden. Niemals wird über das Risiko gesprochen, das zum Beispiel dadurch entsteht, wenn Menschen unglücklich sind, Nichts unternehmen oder von Arbeit und zuviel Stress vereinnahmt werden und daran still zu Grunde gehen. 22 Fahrer in 90 Jahren. Mich stört an diesem Artikel die Scheinheiligkeit und der Versuch jegliches Risiko aus dem Leben zu verbannen und einen Konsens aufzubauen, der alles Gefährliche verbietet oder an den Pranger stellt und vor Allem an der Selbstbestimmung von uns Menschen kratzt. Leben ist gefährlich und endet tödlich.
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