Dart-Experte Scholten: "Alles nur Kopfsache"

Roland Scholten ist die Stimme des deutschen Dartsports, als Fernsehkommentator polarisiert er mit seiner unverwechselbaren Art. Im Interview spricht der ehemalige Weltranglistenvierte über die deutsche Nachwuchshoffnung Max Hopp, die aktuelle Dart-WM und erklärt, worauf es wirklich ankommt.

Niederländischer Dart-Profi Roland Scholten: besitzt Kultstatus unter deutschen Dartfans.Zur Großansicht
Getty Images

Niederländischer Dart-Profi Roland Scholten: besitzt Kultstatus unter deutschen Dartfans.

Es gibt wohl kaum einen deutschen Dart-Fan, dem diese Stimme nicht bekannt ist: Der niederländische Profi Roland Scholten ist die schillernde Figur des Darts in Deutschland, einer sonst kaum beachteten Sportart. Als mehrfacher WM-Teilnehmer und Fernsehexperte kennt sich Scholten wie kaum ein anderer in seiner Sportart aus, manchmal kommentiert der 47-Jährige sogar seine eigenen Spiele. Für SPIEGEL ONLINE wirft er einen Blick auf die gerade begonnene Weltmeisterschaft, die deutsche Nachwuchshoffnung Max Hopp und einen Sport, dem in Deutschland noch immer das Kneipen-Image anhaftet.

SPIEGEL ONLINE: Herr Scholten, gerade hat in London die Dart-Weltmeisterschaft begonnen. Erklären Sie als mehrfacher WM-Teilnehmer uns doch einmal: Was hat es mit dem Turnier auf sich?

Scholten: Es ist eines der wichtigsten Turniere des Jahres. Damit kann man viel Geld verdienen und seine Position im Ranking entscheidend verbessern. (Mehr als 1,2 Millionen Euro an Preisgeldern werden verteilt, der Sieger erhält umgerechnet etwa 250.000 Euro - d. Red.).

SPIEGEL ONLINE: Wie stehen die Chancen für die deutsche Nachwuchshoffnung, den 16 Jahre alten Max Hopp?

Scholten: Er hat das Talent, ist aber noch ein bisschen zu jung. Er muss länger spielen, um Erfahrung zu sammeln.

SPIEGEL ONLINE: Was genau fehlt Hopp?

Scholten: Bei großen Turnieren sind die Rahmenbedingungen anders. Wie geht man mit den Kameras um? Wie kommt man mit den Leuten in der Halle, dem Lärm und den vielen Scheinwerfern zurecht? Da muss Max Hopp noch einiges lernen. Aber ich bin mir sicher, dass wir noch viel von ihm hören werden.

Fotostrecke

6  Bilder
Dart-WM: Hoffen auf den großen Wurf

SPIEGEL ONLINE: Als Kommentator sind Sie immer völlig entspannt, singen bei Live-Übertragungen auch einfach mal laut ins Mikrofon. Wie sieht das aus, wenn Sie selbst große Turniere spielen?

Scholten: Man darf sich nicht nervös machen lassen, nur weil da ein paar Leute zuschauen. Das sollte man ausblenden. Denn wenn du konzentriert bist, dann ist es egal, ob da 50, 1000 oder 10.000 Zuschauer hinter dir stehen.

SPIEGEL ONLINE: Beim Dart kommt es also vor allem auf die Konzentration an?

Scholten: Es ist alles nur Kopfsache. Die Profis spielen auf einem Niveau, auf dem sich alle gegenseitig schlagen können. Entscheidend ist: Wie stark ist man im Kopf? Das macht Dart für mich so interessant.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, der psychisch Stärkste gewinnt?

Scholten: Ich habe einmal vier Tage vor einer WM bei Phil Taylor (Rekordweltmeister mit 15 WM-Titeln - d. Red.) übernachtet. Er meinte: "Komm, lass uns noch ein bisschen üben." Wir gingen in eine Kneipe, zwei Stunden spielte ich gegen seinen Chauffeur. Phil gab in der Zwischenzeit Interviews, anschließend spielten wir ein paar Legs. Aber nach zwanzig Minuten hörte er auf. Am nächsten Tag das Gleiche. Als ich fragte, "Phil, musst du nicht mehr trainieren?", antwortete er: "Nein, nein. Ich bin schon zwei Monate fertig."

SPIEGEL ONLINE: Und kurz darauf gewann er die WM?

Scholten: Ja. Weil bei ihm alles nur noch Kopfsache ist. Nach diesen 20 Minuten wusste er ganz genau, dass alles klappt. Er wusste, dass er Weltmeister wird.

Das Interview führte Robert Berg

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 3 Beiträge
fesch 15.12.2012
Gut, dass der Sport nun mehr Beachtung bekommt aber die Weltmeisterschaft findet in London und nicht in München statt.
Gut, dass der Sport nun mehr Beachtung bekommt aber die Weltmeisterschaft findet in London und nicht in München statt.
2Cents 15.12.2012
Außerdem heißt der Austragungsort Alexandra Palace
Außerdem heißt der Austragungsort Alexandra Palace
atemlos9 15.12.2012
Sie glauben doch nicht im Ernst, dass SPON das interessiert?
Zitat von 2CentsAußerdem heißt der Austragungsort Alexandra Palace
Sie glauben doch nicht im Ernst, dass SPON das interessiert?
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
alles zum Thema Mixed Zone

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Samstag, 15.12.2012 – 13:03 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
Das macht den Dartsport aus
Die Dartscheibe teilt sich in 20 Felder mit Wertigkeiten von eins bis 20 auf. Dabei sind die Felder mit sich abwechselnden ein- und zweistelligen Zahlen so angeordnet, dass bei einem Wurfabstand von 2,37 Metern eine hohe Treffsicherheit erforderlich und nicht der Zufall entscheidend ist.

Den Mittelpunkt bildet das rote Bull's Eye auf einer Höhe von 1,73 Metern. Ein Treffer bringt 50 Punkte ein. Umgeben wird es von dem grünen Single Bull, welches 25 Punkte beinhaltet.

Des Weiteren ist die Scheibe in zwei Ringe aufgeteilt. Der äußere wird als Doppel-Feld bezeichnet und verdoppelt die geworfene Punktzahl. Der innere Dart Triple-Ring verdreifacht sogar das geworfene Feld und bringt die höchsten Punktzahlen. So ist nicht das Bull's Eye das wichtigste Feld, sondern die dreifache 20.

Ein hochwertiges Board besteht meistens aus afrikanischen Sisal-Fasern, die sich beim herausziehen des Pfeils wieder in ihre ursprüngliche Form zusammenschließen.

Mehr auf SPIEGEL ONLINE





TOP



TOP