Dartspieler Hopp und Suljovic "Wir trainieren mehr als jeder andere Sportler"

Darts als Kneipensport? Die WM eine Kirmesveranstaltung? Deutschlands Turnierhoffnung Max Hopp und Geheimfavorit Mensur Suljovic wehren sich gegen diese Vorwürfe. SPIEGEL ONLINE traf die beiden vor der WM zu einem Gespräch.

Ein Interview von Sven Scharf


Am Donnerstag ist es wieder so weit: Bei der 24. Darts-WM fliegen die Pfeile. Am 2. Januar wird im legendären Londoner Alexandra Palace ("Ally Pally") der künftige Weltmeister ermittelt. SPIEGEL ONLINE hat sich vor der Weltmeisterschaft mit den beiden derzeit besten deutschsprachigen Dartspielern getroffen.

Darts-Profis und Freunde: Mensur Suljovic (l.) und Max Hopp
Sven Scharf

Darts-Profis und Freunde: Mensur Suljovic (l.) und Max Hopp

Max Hopp war im vergangenen Jahr bereits der beste Spieler der Welt - allerdings im Jugendbereich. Der 20-Jährige ist derzeit die Nummer 38 der Weltrangliste. Hopp hat bei der Auslosung einen schweren Gegner erwischt. Am 22. Dezember trifft er auf den Niederländer Vincent van der Voort, den 20. der Weltrangliste. Hopp gilt bei der WM in London als Außenseiter.

Im Gegensatz zu Mensur Suljovic. Der Österreicher hat das beste Jahr seiner Karriere gespielt und steht in der Weltrangliste derzeit auf dem 8. Platz - vor Szenegrößen wie Raymond van Barneveld. Suljovic gewann auf der diesjährigen European Darts Tour am 4. September das Finale der International Darts Open in Riesa gegen Kim Huybrechts. Eine Woche später verlor der 44-Jährige im Finale der European Darts Trophy in einem hochspannenden Match nur knapp 5:6 gegen den Weltranglistenersten und WM-Topfavorit Michael van Gerwen. Dank seines starken Jahres gilt Suljovic als Geheimfavorit bei der Weltmeisterschaft. In der ersten Runde der WM 2017 trifft er am 21. Dezember auf die Nummer 72 der Welt, den Niederländer Ron Meulenkamp.

Mensur Suljovic
imago

Mensur Suljovic

SPIEGEL ONLINE: Herr Suljovic, Herr Hopp, einige Leute halten Darts für einen Kneipensport, die WM für eine Kirmesveranstaltung: Drei Wochen Party, unten saufen die Leute und oben werfen ein paar halstätowierte Bierbäuche Pfeile auf Schweineborsten. Was sagen Sie solchen Leuten?

Suljovic: Dass solche Vorurteile eine Frechheit gegenüber den Teilnehmern sind. Diese Leute sollen nur eine Woche mit Max oder mir durchmachen. Wir trainieren mehr als jeder andere Sportler, davon bin ich überzeugt. Wir sind fünf bis acht Stunden mit Darts verbunden. Jeden Tag.

Hopp: Im Fußballstadion hat auch jeder Zweite ein Bier in der Hand! Nur beim Darts wird immer artig ein Klischee bedient. Dass es Dartboards in der Kneipe gibt, finde ich nicht verkehrt. Es ist ein Sport für Jedermann. Du musst dich nicht in einem Verein anmelden. Wenn jemand Darts im Fernsehen entdeckt und kann dann zwei Straßen weiter selbst spielen, dann ist es schön.

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihnen war der Einstieg ja ähnlich. 2015 sind Sie Junioren-Weltmeister geworden. Danach lief aber nicht mehr so viel zusammen.

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Hopp: Das stimmt so nicht. Ich hatte Hochs und Tiefs, Viertelfinals und Erstrundenniederlagen. Und ich hab noch die WM! Da spielt es keine Rolle, was du die elf Monate vorher gemacht hast. Peter Wright sagt immer: In zwei Wochen deines Lebens kannst du bei der WM alles geradebiegen.

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihnen lief das Jahr deutlich besser, Herr Suljovic. Man kann sagen, dass Sie die Saison Ihres Lebens gespielt haben.

Suljovic: Ich spiele schon seit drei, vier Jahren besser. Ich bin disziplinierter beim Spielen und trainiere mehr.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in der europäischen Rangliste zweiter hinter Superstar Michael van Gerwen geworden. Trotzdem wollen Sie nicht in der Premier League spielen, sollten sie eingeladen werden?

Suljovic: Die Meldung war eine Ente. Natürlich würde ich gerne in der Premier League gegen die besten der Welt antreten. Ich habe aber auch Respekt davor, so lange Zeit von meiner Familie getrennt zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Die Darts-Szene hat sich in den letzten Jahren verändert. Viele Spieler, die früher oben mitmischen konnten, qualifizieren sich nun nicht mal mehr für die großen Turniere. Andy Hamilton, Kevin Painter und Andy Jenkins sind Beispiele. Woran liegt das?

Hopp: Es ist für Spieler heute mehr möglich. Es geht um enormes Preisgeld. Das ist für viele junge Spieler ein Anreiz. Sie wissen, sie können von Darts leben. Das macht sie williger, mehr zu trainieren. Es wird auch viel mehr mit den Darts gearbeitet, ein, zwei Gramm mehr Gewicht, etwas länger, etwas kürzer, andere Spitzen. Die Feinarbeit sorgt dafür, dass es immer mehr Spieler auf Topniveau gibt.

Suljovic: Die jungen Spieler sind hungrig, sie halten jedes Turnier aus. Ich bin eigentlich ein wenig zu alt für diese Sportart. Mir tut es weh, jedes Wochenende zu spielen. Ich möchte hin und wieder ein Wochenende pausieren, aber wir brauchen jeden Punkt.

SPIEGEL ONLINE: Was sind Ihre Ziele für die WM?

Suljovic: Die erste Runde zu überstehen.

SPIEGEL ONLINE: Mehr nicht? Sie spielen gegen den Niederländer Ron Meulenkamp, den 73. der Weltrangliste.

Suljovic: Trotzdem. Die erste Runde ist die wichtigste.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind die Nummer acht der Welt. Da sollte man höhere Ziele haben.

Suljovic: Ich werde nicht abheben. Jeder kann jeden schlagen.

Hopp: Ich will auch die erste Runde überstehen. Die WM ist für alle das Wichtigste, die wird für jeden da oben (Tippt sich an den Kopf) gespielt. Die erste Runde zu gewinnen, ist schon ein tolles Gefühl. Mein größter Erfolg war der Sieg gegen Mervyn King bei der WM 2015 in der ersten Runde.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mit diesem Sieg einen kleinen Darts-Boom in Deutschland ausgelöst. Bei der vergangenen WM hat Ihnen der deutsche Qualifikant René Eidams mit der knappen Niederlage gegen van Gerwen (Video unten) die Show gestohlen, das Jahr davor sprachen viele über Sascha Stein. Wie gehen Sie mit deutschen Konkurrenten um?

Hopp: Ich würde sie nicht als Konkurrenten bezeichnen. Wir alle wollen da Deutschland groß machen, wir wollen mehr Fans für diesen Sport begeistern. Wir wollen zeigen, dass es Präzisionsarbeit ist. Was René geschafft hat, war wichtig. Ein Deutscher hätte fast Michael van Gerwen geschlagen. Es zeigt, dass deutsche Spieler mithalten können.

SPIEGEL ONLINE: Was macht die besondere Faszination der WM aus?

Hopp: Wenn du in den Ally Pally reinkommst und die spezielle Stimmung erlebst, das kann man mit keinem anderen Turnier vergleichen.

Suljovic: Da sind alle guten Spieler unter Druck, es ist die WM! Wir wollen alle unser Bestes geben und meistens gelingt das leider nicht. Wir sind unter Druck, durch die Medien, durch alles. In Österreich kommen die Medien immer nur zur WM. Jeder möchte dann was von mir. Aber ich schalte das alles ab. "Das ganze Jahr wart ihr nicht da - und jetzt wollt ihr auf einmal alle?"

SPIEGEL ONLINE: Welcher Spieler kann bei der WM überraschen?

Suljovic: Ich darf keine Namen sagen. Jeder hat die Chance. Für mich sind immer Phil Taylor und van Gerwen die Favoriten, aber auch die scheitern mal.

Hopp: Ich will mich nicht festlegen, aber Mensur und Daryl Gurney haben sehr gute Chancen.

SPIEGEL ONLINE: Kann es einen Weltmeister Suljovic gegen?

Hopp: Spielerisch ja, aber das Niveau ist so hoch, dass man sich vorher nicht festlegen kann. Es gibt so viele, die es schaffen können. Letztes Jahr hat van Gerwen die ganze Saison dominiert und dann im Viertelfinale gegen Raymond van Barneveld verloren.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Angstgegner?

Suljovic: Meine Freunde. (Legt den Arm um Hopps Schulter) Ich habe immer Angst, gegen einen meiner Freunde zu spielen.

Hopp: Ich nehme es, wie es kommt.

SPIEGEL ONLINE: Da Sie sich so gut verstehen: Was schätzen Sie am jeweils anderen? Welche Eigenschaft würden Sie voneinander auswählen, wenn sie könnten?

Hopp: Ich schätze an Mensur sein Engagement. Er tut viel für sein eigenes Spiel, ist aber auch für andere Spieler da. Vor zwei Jahren hatte ich ein paar Probleme - ich konnte immer zu ihm gehen. Ich konnte ihn immer anrufen. Ich würde gerne seine Gelassenheit in den Spielen haben. Er ist die Ruhe in Person auf der Bühne.

Suljovic: Ich muss ehrlich sein: Ich würde gerne seine Jahre haben (alle lachen).

SPIEGEL ONLINE berichtet täglich mit einem Liveticker von der Darts-WM. Zudem bieten wir jeden Tag Videos zu den Höhepunkten des wichtigsten Darts-Turniers der Welt an.

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Uns_Goethe 15.12.2016
1. Viel Erfolg!
Ich wünsche beiden Spielern viel Erfolg. Witzig finde ich, dass der Artikel "ein Interview mit den beiden besten deutschen Spielern " ankündigt. Weiter so, SPON!
moeski 15.12.2016
2.
"SPIEGEL ONLINE hat sich vor der Weltmeisterschaft mit den beiden derzeit besten deutschen Dartspielern getroffen." Suljovic ist, wie Sie später auch richtig feststellen, Österreicher.
eimsbusher 15.12.2016
3.
Ich vermute jetzt einfach mal, der Autor wollte deutschSPRACHIGEN Spielern schreiben ... auch wenn Karl Kraus ja mal so treffend bemerkte, das Trennendste zwischen Deutschen und Österreichern sei die gemeinsame Sprache.
Levator 15.12.2016
4. Sie sind aber kleinlich @# 2
Sind alles prima Sportler, Nationalität von daher nicht wirklich wichtig.
niska 15.12.2016
5.
Na spätestens jetzt ist Suljovic kein Geheimfavorit mehr. Spaß beiseite, habe u.a. das Spiel Mike gegen Gentle gesehen, da hat Suljovic sehr viel richtig gemacht, aber leider auch später noch viel falsch. Das letzte Leg war nicht gut. Diesmal macht er es besser. Wir drücken die Daumen.
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