Dart-Weltmeister Anderson Trainingsfaul zum Titel

Es war eines der besten und spannendsten WM-Finals der Dart-Geschichte - mit dem besseren Ende für Gary Anderson. Der Schotte stand schon einmal im Endspiel, dann warfen ihn zwei Schicksalsschläge aus der Bahn.

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Nach seinem Triumph musste Gary Anderson noch einmal Schwerstarbeit verrichten. 7:6 hatte der 44-jährige Schotte seinen Konkurrenten Phil Taylor im Finale der Dart-WM bezwungen, in einem der besten und spannendsten Endspiele in der Geschichte dieser Sportart. Und nun wartete da noch dieser 25 Kilogramm schwere Klotz von Trophäe, den Anderson erstmals in seiner Karriere in die Höhe stemmen durfte.

"Es wird eine Weile dauern, bis ich es begriffen habe", sagte Anderson nach seinem Sieg über Taylor, den Rekord-Champion. 16-mal war der Engländer zuvor Weltmeister geworden, zuletzt 2013, daher sagte Anderson: "Phil ist der Beste und wird auch in 100 Jahren noch der Beste sein. Das macht den Sieg gegen ihn besonders."

Anderson, Spitzname "The Flying Scotsman", triumphierte vor allem dank seiner Präzision. Zwar hatte Taylor, genannt "The Power", im Finale mit 100,69 den besseren Drei-Dart-Schnitt, das heißt, er erzielte mit drei Darts mehr Punkte als Anderson (97,68). Dafür kam der Schotte bei den Doppelfeldern auf eine Trefferquote von fast 40 Prozent, Taylor erreichte hier nur 33 Prozent. Das war am Ende der entscheidende Unterschied, schließlich können die Spieler ein Leg nur mit einem Treffer auf ein Doppelfeld siegreich beenden.

Anderson klar besser bei den 180ern

"Die Doppelfelder waren heute mein Problem, sie haben mich zu viele Sätze gekostet", sagte dann auch Taylor. Der Rekord-Champion hatte im achten Satz die Chance zur 5:3-Führung, vergab aber gleich drei Satzdarts auf die Doppel-12. Anderson glich zum 4:4 aus und setzte sich später auf 6:4 ab - die Wende in der Partie.

Zweite herausragende Statistik zugunsten von Anderson: Er warf insgesamt 19-mal das Maximum von 180 Punkten, traf also mit allen drei Darts die Triple-20. Taylor kam nur 13-mal auf 180. Die 180er-Stärke Andersons zog sich durch das gesamte Turnier, insgesamt holte er 64-mal eine 180 und brach damit den WM-Rekord von Adrian Lewis, der 2011 60-mal 180 getroffen und sich damals den Titel geholt hatte - im Finale gegen Anderson.

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Fan-Kostüme bei der Dart-WM: Jedes Teil ein Treffer
Das Endspiel vor vier Jahren war der vorläufige Höhepunkt in Andersons Karriere. 2000 wurde der gelernte Kaminbauer Profi und gewann in den Folgejahren einige wichtige Turniere. Vor allem die Triumphe 2007 in der "International Darts League" und der "World Darts Trophy" sorgten für Aufsehen in der Szene, die erkannte: Dieser Schotte ist ein herausragendes Talent mit einer feinen Wurftechnik, wenn auch ein wenig trainingsfaul. "Ich trainiere wirklich nicht viel, manchmal wochenlang nicht", sagte Anderson einmal dem Internetportal Darts1.

Der endgültige Durchbruch gelang Anderson aber auch mit wenig Training, und zwar 2011 mit dem Erreichen des WM-Finales gegen Lewis und dem Gewinn der "Premier League Darts" - anschließend folgte allerdings der Einbruch. Im Herbst 2011 starben binnen weniger Wochen der Bruder und Vater von Anderson, der rückblickend sagt: "Die Leute haben über meine Würfe geredet und mir war das alles völlig egal."

In den folgenden Monaten und Jahren hatte er mit großen Leistungsschwankungen zu kämpfen. Beim "Grand Slam of Darts" 2011 erreichte er noch das Finale gegen Taylor und verlor, bei der WM 2012 war hingegen im Viertelfinale Schluss. Auch bei den Weltmeisterschaften 2013 und 2014 (jeweils Aus im Achtelfinale) konnte Anderson seinen 2011er-Erfolg nicht wiederholen. Erst im Laufe des vergangenen Jahres ging es wieder stetig bergauf, als Anderson drei Turniere gewann und Achtungserfolge bei weiteren Veranstaltungen errang.

Wie stark der Schotte vor allem nervlich mittlerweile wieder ist, bewies er am Ende des Finales, als Taylor 4:6 zurückgelegen hatte und ausglich. "Als Phil zurückkam und diese zwei Sätze zum 6:6 gewann, dachte ich, das Spiel sei verloren", sagte Anderson, der den entscheidenden 13. Satz dann aber klar 3:0 gewann.

"Im letzten Satz hat Gary mich kaputt gespielt", sagte Taylor. Ein größeres Lob konnte es für Anderson kaum geben.

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
boettchi67 05.01.2015
1. Super spannend.
Was für ein Finale,mit einem verdienten Gewinner. Herzlichen Glückwunsch.
get2for1 05.01.2015
2. Präzisionssport
Ich stelle mir gerade, vor wie Bogenschützen, Kleinkaliberschützen, Billiardspieler oder sonstige Präzisionssportler Ihren Sport bei so einem Radau ausführen sollen. Alleine das Einkapseln der Sportschützen (olympische Sportart!) mit Ohrstöpseln, Augenklappe, Hüten, ein Mental-Trainer formt die Einstellung etc etc... das scheint mir doch alles eine Farce zu sein, wenn man sieht, mit welcher Genauigkeit, Konzentration und dennoch Emotionalität die Dartsportler auf das sisalsche Rund werfen. Ich fordere daher weg mit dem Skispringen aus dem deutschen TV. Denn gerade mal rund 90 Skispringer gibt es in Deutschland, die jetzt 14 bzw. 15 Jahre alt sind. Keine gute Basis für die kommenden Jahre. Skispringen kann man leider nur dort, wo es auch Schanzen gibt. Pfeilewerfen kann man in jedem Kinderzimmer, Keller, Jugendfreizeit, Pfadfinderheim oder... ja, auch in der Kneipe. Aber da ist das auch kein Sport, sondern Freizeitvergnügen. Also liebe ARD und liebes ZDF, macht Verträge mit der BDO und der PDC und übertragt Darts und meintewegen auch Golf. Da hat man im Winter mehr Stimmung in der Halle und mehr Grün auf dem Course.
stumpen89 05.01.2015
3. Darts
Eigentlich heißt die Sportart ja Darts, mit s. Ein Dart ist ein einzelner Pfeil.
enforcer666 05.01.2015
4. Toll gemacht....
Gary Anderson! Dank Ihnen hatte ich letzte Nacht nur 4 Stunden Schlaf, wo ich eigentlich 8-9 Stunden benötige! :) Trotzdem danke für ein tolles Finale und eine klasse WM! Und da ich VOR der WM einen dreistelligen Betrag auf Sie gesetzt habe, werde ich ein tolles kommendes Wochenende verleben! Danke und gute Nacht! ;)
rudi.waurich 05.01.2015
5. Volle Zustimmung
Zitat von get2for1Ich stelle mir gerade, vor wie Bogenschützen, Kleinkaliberschützen, Billiardspieler oder sonstige Präzisionssportler Ihren Sport bei so einem Radau ausführen sollen. Alleine das Einkapseln der Sportschützen (olympische Sportart!) mit Ohrstöpseln, Augenklappe, Hüten, ein Mental-Trainer formt die Einstellung etc etc... das scheint mir doch alles eine Farce zu sein, wenn man sieht, mit welcher Genauigkeit, Konzentration und dennoch Emotionalität die Dartsportler auf das sisalsche Rund werfen. Ich fordere daher weg mit dem Skispringen aus dem deutschen TV. Denn gerade mal rund 90 Skispringer gibt es in Deutschland, die jetzt 14 bzw. 15 Jahre alt sind. Keine gute Basis für die kommenden Jahre. Skispringen kann man leider nur dort, wo es auch Schanzen gibt. Pfeilewerfen kann man in jedem Kinderzimmer, Keller, Jugendfreizeit, Pfadfinderheim oder... ja, auch in der Kneipe. Aber da ist das auch kein Sport, sondern Freizeitvergnügen. Also liebe ARD und liebes ZDF, macht Verträge mit der BDO und der PDC und übertragt Darts und meintewegen auch Golf. Da hat man im Winter mehr Stimmung in der Halle und mehr Grün auf dem Course.
Dann noch das garantiert dopingfreie Biathlon gleich mit weg. Trotzdem, bevor ich mir irgendwelche Moralvorträge über Doping bei der Tour bei der ARD anhöre/sehe, schaue ich die Tour weiterhin bei Eurosport.
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