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01. Januar 2013, 18:29 Uhr

WM-Finalist Michael van Gerwen

Der Durch-Darter

Er gilt als Mann der Zukunft im Dart: Der Niederländer Michael van Gerwen ist gerade einmal 23 Jahre alt, hält aber schon mehrere Bestmarken in seiner Sportart. Im WM-Finale trifft er nun auf Legende Phil Taylor. Kommt es zum Machtwechsel?

Hamburg - Am Ende waren es wenige Millimeter, die Michael van Gerwen von der Unsterblichkeit trennten. Der Niederländer hatte im WM-Halbfinale gegen James Wade schon 17 perfekte Darts (Video) in Serie geworfen, mehr als jeder andere Profi in der Dart-Geschichte zuvor. Nur noch die Doppel-12 trennte van Gerwen vom zweiten Neun-Darter in Folge.

Stille im Londoner Alexandra Palace. Ein konzentrierter Blick van Gerwens, ein genauer Wurf, doch der Pfeil ging knapp vorbei. "Zwei Neun-Darter in Folge wären brillant gewesen", sagte er später, erklärte aber dann: "Darum ging es nicht. Es ging darum, die Partie zu gewinnen." Und das schaffte van Gerwen.

Mit einem 6:4-Sieg zog "Mighty Mike" ins Finale ein, in dem er am Abend (21.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Phil "The Power" Taylor trifft. Dabei geht es um mehr als den WM-Titel, es ist das Duell um die Vormachtstellung im Dart. Taylor ist 15facher Weltmeister, kein Spieler war erfolgreicher. Der 51-Jährige gilt als bislang bester Spieler der Geschichte.

Im Viertelfinale warf van Gerwen Titelverteidiger Lewis raus

Sein Gegner van Gerwen, erst 23 Jahre alt, spielte zuletzt überragend. Er gilt als Mann der Zukunft. Schon vor sechs Jahren gewann er das Winmau World Masters und wurde mit 17 Jahren und 174 Tagen der bisher jüngste Gewinner eines Major-Turniers. Ein Jahr später warf er beim Masters of Darts einen Neun-Darter vor laufenden TV Kameras - als bisher Jüngster.

In diesem Jahr besiegte er in der Champions League Steve Beaton mit 6:0. Er benötigte nur acht Minuten und 15 Sekunden für den Erfolg und warf durchschnittlich 121,86 Punkte pro Durchgang - Weltrekord. Bei der WM in London warf er im Viertelfinale Titelverteidiger Adrian Lewis raus. In der Dart-Weltrangliste verbesserte er sich im Jahr 2012 von Platz 37 auf sieben. Gewänne van Gerwen das WM-Finale, wäre er die Nummer zwei.

"Das ist ein sehr großer Sprung nach vorne. Ich bin erst 23 Jahre alt und habe eine große Zukunft vor mir. Ich will keine Fehler machen", sagte van Gerwen jüngst der englischen Tageszeitung "The Guardian".

Doch um Taylor dauerhaft zu verdrängen, reicht es nicht bloß aus, Fehler zu vermeiden. Dafür müssen Bestleistungen her, und das dauerhaft. Schon Raymond van Barneveld, Weltmeister von 2007 und im Halbfinale knapp an Taylor gescheitert, sowie Lewis, Champion der beiden vergangenen Jahre, schienen einst in der Lage, Taylor als Branchenprimus ablösen zu können - doch es gelang ihnen nicht. Taylor, bekannt für seine Nervenstärke, ist noch immer unerreicht.

Der ehemalige Profi Wayne Mardle kennt die Dart-Szene bestens, arbeitet als Experte für den britischen TV-Sender Sky. "Van Gerwen ist besonders. Ich habe noch keinen besseren Spieler gesehen", sagt Mardle: "Außer Phil Taylor."

leh

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