Verstorbener BMX-Profi Mirra "Pionier, Ikone, Legende"

Die Sportwelt trauert um Dave Mirra. Der BMX-Fahrer war einer der Besten seiner Disziplin, eine Legende. Auch zwei schwere Unfälle konnten ihn nicht zurückhalten.

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Verstorbener BMX-Profi Mirra: 14 Goldmedaillen bei den X Games
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Verstorbener BMX-Profi Mirra: 14 Goldmedaillen bei den X Games


"Es ist selten, dass ein Athlet seinen Sport wahrlich überragt, aber BMX-Legende Dave Mirra hat genau das getan." Dieses Statement ist auf einer Website über den kürzlich gestorbenen Sportler zu lesen. Und was im ersten Moment wie eine Überhöhung klingt, könnte hier sogar zutreffen. Mirra hat seine Sportart jahrelang entscheidend geprägt und wichtige Meilensteine gesetzt.

Kein BMX-Fahrer hat bei den X-Games mehr Medaillen gesammelt als Mirra. Bis vor drei Jahren galt das sogar für alle Disziplinen. Der US-Amerikaner stand insgesamt 24-mal auf dem Podest, 14-mal gewann er Gold. Erst 2013 löste ihn der Skateboarder Bob Burnquist mit seiner 25. X-Games-Medaille ab - heute sind es bereits 27.

Beim BMX bleibt Mirra aber weiter unangefochten. Direkt in seiner ersten Saison als Profi zeigte er, dass er schnell zu den Großen seines Sports zählen würde. Als Rookie besiegte er den damals unschlagbar scheinenden Matt Hoffman.

Schon im Alter von fünf Jahren fuhr Mirra - geboren 1974 in Chittenango, New York - zusammen mit seinem älteren Bruder BMX. Nach seinem Highschool-Abschluss wurde er zum Profi. Genau wie sein Bruder zog er in den Neunzigerjahren nach Greenville und sorgte mit dafür, dass sich die Stadt zur sogenannten Protown entwickelte - einem Mittelpunkt der BMX-Szene.

Dort lernte er BMX-Profi Ryan Nyquist kennen. Die beiden konstruierten zusammen BMX-Rampen und fuhren auch gemeinsam. Mirra gewann fast alle wichtigen Wettbewerbe seines Sports. 2000 war er der Erste, der in einem Wettkampf einen doppelten Rückwärtssalto stand. Aber vor allem bei den X-Games machte er sich einen Namen.

Leberriss und Schädelfraktur

1995, bei der Erstaustragung der wohl größten und wichtigsten Extremsportveranstaltung seiner Art, sicherte sich Mirra direkt seine erste Silbermedaille. Das erste Gold folgte im Jahr darauf. In der Folge bekam er fast jedes Jahr eine Medaille bei den X-Games - abgesehen von 2006, als Mirra eine schwere Verletzung zu überstehen hatte.

Bei einem Sturz im Training zog er sich einen Leberriss zu. Während der Heilung sagte Mirra laut "Washington Post": "Ich konzentriere mich einfach mehr darauf, das alles zu genießen: positiv bleiben und tun, was ich am besten kann." Er trat jedoch nie wieder in Vert-Wettbewerben, also in der Rampe oder Halfpipe, an, sondern fuhr nur noch Street/Park.

Es war nicht der erste schwere Zwischenfall, den Mirra zu verkraften hatte. 1993 war seine Karriere fast beendet, bevor sie wirklich begonnen hatte. Der damals 19-Jährige wurde von einem Betrunkenen mit dem Auto angefahren. Mirra zog sich eine schwere Schulterverletzung und eine Schädelfraktur mit anschließendem Blutgerinnsel im Gehirn zu. Nach einer Erholungsphase über viele Monate fuhr Mirra wieder. Er wollte nicht aufgeben.

Es war auch dieser Kampfgeist, der Mirra auszeichnete und in die Weltspitze seines Sports gebracht hat. Darüber hinaus war der Profi sehr vielseitig. Ab 1998 moderierte er zwei Staffeln der Fernsehshow "Real World" für den Sender MTV. So wie bei Skateboarder Tony Hawk kamen ab dem Jahr 2000 auch über Mirra Videospiele auf den Markt: Dave Mirra Freestyle BMX 1 und 2. Neben seinen Hobbys Boxen und Schwimmen konzentrierte er sich nach dem Ende seiner aktiven BMX-Karriere auf Triathlon, nahm 2014 sogar am Ironman teil.

Die Nachricht von Mirras Tod löste bei vielen Kollegen Entsetzen aus. Weggefährte Nyquist schrieb auf Instagram: "Ein Bruder der zwei Räder mit einem Herzen und Lächeln, das den Tag eines jeden erhellen konnte." Tony Hawk nannte Mirra auf Twitter "einen Pionier, eine Ikone, eine Legende". Carey Hart, Motocrossfahrer, schrieb, er stehe unter Schock, sei "wütend, untröstlich und einfach traurig".

Auch Mirra selbst war in den sozialen Medien aktiv. Er begleitete viele seiner sportlichen Events mit liebevollen Texten und Fotos seiner Familie. Mirra hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. Noch Stunden vor seinem Tod veröffentlichte er ein Bild von sich selbst und seiner Frau mit der Unterschrift "Mein Fels. Gott sei Dank." Sollte sich die Annahme des Selbstmords bestätigen, hat die BMX-Legende seine positive Lebenseinstellung wohl verloren.

aev

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insgesamt 4 Beiträge
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Bueckstueck 05.02.2016
1. Eine schlimme Woche für die Freestyle-Welt
Am Montag starb Kelly McGarry (33) im neuseeländischen Bikepark Queenstown und nun Dave Mirra. Mögen sie in Frieden ruhen.
TS_Alien 05.02.2016
2.
Man muss als Profisportler rechtzeitig den Absprung schaffen. Denn der Sport auf hohem Niveau wird irgendwann vorbei sein. Spätestens dann braucht man eine sinnvolle Alternative. Am besten schafft man die Grundlagen dafür bereits zu den Zeiten als Profisportler. Zeit genug hat man. Und der Geist verlangt auch nach Training.
sternthaler45 06.02.2016
3. Keine Ahnung
Wer Selbstmord begeht, hat schon lange keine positive Lebeneinstellung mehr. Er trägt einen Panzer, der irgendwann zu schwer wird. Die Zeichen sind meistens sichtbar, aber niemand will sie sehen. Und das ist spannend, weil ja mittlerweile viel über diese vermeintlich überraschenden Schritte in den Tod geschrieben und berichtet wird - aber trotzdem schaut niemand hin. Der Autor des Artikels hat nichts verstanden, wenn er die letzte Nachricht positiv wertet. Aber das ist die Tragik der Menschen, die sich das Leben nehmen - sie wirken stark, als Kämpfer - aber sie senden Botschaften, die bis zuletzt niemand versteht ... und dann sind sie tot.
andreasm.bn 06.02.2016
4. aber warum...
fällt es uns so schwer diese Botschaften zu verstehen/ergründen? Jemand, der sich ernsthaft mit Selbstmordgedanken trägt, wird niemals eindeutige Botschaften aussenden, sondern immer sehr subtil bleiben. Vll. hat man als Aussenstehender da sogar mehr Feingefühl für solche Botschaften als jemand, der ständig/täglich mit diesem Menschen zu tun hat? Es ist und bleibt einfach nur unendlich traurig, dass Menschen keinen Ausweg mehr sehen, obwohl sie eine sie liebende Familie und gute Freunde haben.
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