Klassenerhalt im Davis Cup: Kleine Schritte in Richtung Versöhnung

Von Franziska Ringleben

Freude und Erleichterung im deutschen Davis-Cup-Team: Die Tennisprofis haben den Abstieg aus der Weltklasse abgewehrt. Damit sorgten sie für etwas Entspannung innerhalb der Mannschaft - vor allem für Teamchef Patrik Kühnen. Für ihn hatte mehr als die Erstklassigkeit auf dem Spiel gestanden.

Tennisspieler Stebe und Teamchef Kühnen (r.): Freude über Sieg in Hamburg Zur Großansicht
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Tennisspieler Stebe und Teamchef Kühnen (r.): Freude über Sieg in Hamburg

Patrik Kühnen hielt es kaum aus auf seiner Bank am Spielfeldrand. Der deutsche Davis-Cup-Teamchef sprang nach jedem Punktgewinn auf, applaudierte und massierte beim Seitenwechsel sogar die Waden von Cedrik-Marcel Stebe. Als der seinen Matchball gegen Lleyton Hewitt zum 3:2-Sieg über Australien und damit zum Klassenerhalt der deutschen Mannschaft verwandelte, stürmte Kühnen auf den 21-Jährigen zu und umarmte ihn. Er machte nicht nur seiner Freude über den sportlichen Erfolg Luft - sondern vor allem auch seiner Erleichterung.

Seit zehn Jahren ist Kühnen im Amt, doch zum Feiern war ihm in den vergangenen Wochen kaum zu Mute. Die öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten zwischen ihm, Philipp Kohlschreiber und Thomas Haas, die Kritik an seiner Arbeit als Teamchef gingen nicht spurlos an Kühnen vorbei. Im Duell gegen Australien stand für ihn deshalb einiges auf dem Spiel: Nicht nur der Klassenerhalt, sondern auch die Verlängerung seines zum Jahresende auslaufendes Vertrages beim Deutschen Tennis Bund (DTB).

Mayer und Stebe hielten dem Druck stand

Der frühere Profi Alexander Waske hatte sich zwar bereits als möglicher Nachfolger ins Gespräch gebracht - war aber auf wenig positive Resonanz gestoßen: "Komplett unpassend zu diesem Zeitpunkt", sagte Verbandschef Karl-Georg Altenburg SPIEGEL ONLINE.

Dennoch war Kühnen nach dem zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand gegen Australien alles andere als entspannt. "Natürlich sind wir nicht zufrieden. Für uns geht es darum, das jetzt abzuhaken", sagte Kühnen, nachdem Philipp Petzschner und Benjamin Becker gegen Lleyton Hewitt und Chris Guccione am Samstag im Doppel 3:6, 2:6, 6:2, 6:7 verloren hatten.

Am besten gelang das Florian Mayer: Auf seinen überzeugenden Sieg gegen Hewitt folgte am Sonntag ein noch eindeutiger Triumph über Bernard Tomic. Mayer gewann gegen die Nummer 42 der Welt 6:4, 6:2, 6:3 und glich damit für das deutsche Team zum 2:2 aus. "Ich bin nicht mehr so angespannt wie bei früheren Matches. Dadurch konnte ich beide Male eine richtig gute Leistung abrufen", sagte Mayer.

Nach seinem Erfolg ruhte alle Hoffnung auf Stebe, der gegen Hewitt eigentlich gar nicht zum Einsatz kommen sollte. "Meine erste Idee war, Petzschner spielen zu lassen", gestand Kühnen. Doch Petzschner war kurz vor Beginn wegen einer Reizung der Quadrizepssehne im linken Knie ausgefallen - nun lag es an Stebe.

Kühnen muss Vertrauen der Spieler zurückgewinnen

Der hielt dem großen Druck stand und besiegte Hewitt nach 2:04 Stunden 6:4, 6:1, 6:4. Dabei startete Stebe nervös, lag im ersten Satz schnell mit zwei Breaks 0:3 zurück. "Erst dachte ich, er hätte mich im Sack. Das änderte sich aber, als ich ihn zum ersten Mal breaken konnte", sagte Stebe nach der Partie.

"Man hat gesehen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Ihm stehen noch viele Jahre großes Tennis bevor", lobte Kühnen den Spieler - und indirekt auch seine Taktik. Denn der Teamchef konnte mit dem unerwarteten Klassenerhalt in der Weltgruppe seine Position vorerst stärken. "Wir gehen gut gelaunt in die Vertragsverhandlungen", so Altenberg.

Bei allem Optimismus: Komplett vergessen werden die internen Probleme nicht sein, sie haben nach dem erfolgreichen Wochenende in Hamburg bestenfalls an Brisanz verloren. Noch ist unklar, ob Philipp Kohlschreiber, der beste Deutsche, noch einmal zurück ins Team kommt. Und auch, wie es um eine mögliche Rückkehr von Tommy Haas steht.

Kühnen steht ein langer Weg bevor, um das Vertrauen der deutschen Profis wiederzugewinnen. In Hamburg ist ihm zumindest ein wichtiger Schritt in die Richtung gelungen.

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Davis-Cup-Partien
Phase Begegnung Ergebnis
Halbfinale Spanien-USA 3:1
Halbfinale Argentinien-Tschechien 2:3
Playoff Deutschland-Australien 3:2
Playoff Kasachstan-Usbekistan 3:1
Playoff Japan-Israel 2:3
Playoff Belgien-Schweden 5:0
Playoff Kanada-Südafrika 4:1
Playoff Brasilien-Russland 4:0
Playoff Italien-Chile 4:1
Playoff Niederlande-Schweiz 2:3

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