Deutsches Davis-Cup-Team: Kühnen wirft Kohlschreiber raus

Eigentlich sollte der Streit beigelegt sein, doch jetzt ist er eskaliert. Teamchef Patrik Kühnen verzichtet im Davis-Cup-Relegationsduell gegen Australien auf Philipp Kohlschreiber. Die deutsche Nummer eins und der Kapitän zoffen sich schon seit Monaten.

Tennisprofi Kohlschreiber: Als 20. bester Deutscher in der Weltrangliste Zur Großansicht
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Tennisprofi Kohlschreiber: Als 20. bester Deutscher in der Weltrangliste

Hamburg - Teamchef Patrik Kühnen hat Philipp Kohlschreiber vor dem Relegationsspiel im Davis Cup gegen Australien aus der Mannschaft gestrichen. Grund sind Streitigkeiten zwischen dem Kapitän und der deutschen Nummer eins. "Irgendwann ist eine Grenze erreicht", sagte Kühnen bei der Nominierung der Mannschaft für die Partie in Hamburg (14. bis 16. September).

"Ich hatte bei den US Open ein gutes Gespräch mit Philipp und gedacht, dass die Querelen ausgeräumt sind", so Kühnen: "Danach hat er sich gegenüber den Medien wieder anders geäußert und den Inhalt unseres Gespräches konterkariert. Das hat mich geärgert." Für Kohlschreiber, dem Weltranglisten-20., bleibe die Tür aber offen.

Kohlschreiber wollte sich vor seinem Achtelfinalmatch am Dienstag gegen Janko Tipsarevic aus Serbien bei den US Open nicht zu seiner Ausbootung äußern - dafür sprach sein Manager Stephan Fehske. "Er hätte sehr gern gespielt, akzeptiert aber die Entscheidung und wünscht dem Team viel Glück für dieses wichtige Match", sagte Fehske dem Internetportal tennis-magazin.de.

Der Streit zwischen beiden dauert nun schon mehr als ein halbes Jahr an. Im Februar hatte Kohlschreiber für die Viertelfinal-Partie gegen Argentinien in Bamberg (1:4) wegen Krankheit abgesagt. Dafür war er vom Teamchef sowie Thomas Haas öffentlich kritisiert worden. Kohlschreiber warf Kühnen später vor, eine angebliche SMS, mit der er die Mannschaft unterstützen wollte, absichtlich unterschlagen zu haben.

Kohlschreiber: "Wir sind kein Team"

Seitdem ist die Stimmung im Team vergiftet: Kohlschreiber und Haas reden nicht mehr miteinander ("Wir gehen uns aus dem Weg", so Kohlschreiber); Kühnen wurde vor dem World Team Cup in Düsseldorf im Mai von Kohlschreiber und den weiteren deutschen Profis als Kapitän abgesetzt. Eigentlich war es Tradition, dass der Davis-Cup-Teamchef auch die deutsche Mannschaft bei der WM betreut. Das Regelwerk erlaubte die Absetzung von Kühnen.

Kurz vor dem Start der derzeit laufenden US Open hatte es dann das klärende Gespräch zwischen Kühnen und Kohlschreiber gegeben. "Ich habe mir Luft verschafft. Für mich war das ein Schlussstrich", so Kohlschreiber.

Danach hatte der Profi, der mittlerweile im Achtelfinale steht, nach seinem Erstrundensieg in Flushing Meadows aber gesagt: "Wir sind kein Team, das durch Freundschaft glänzt. Wir sind unterschiedliche Charaktere, die sich wie Magnetpole voneinander weg bewegen." Für Kühnen war das offenbar zu viel. Laut eigener Aussage habe er noch einmal den Kontakt mit Kohlschreiber gesucht, sei aber nur an den Manager verwiesen wurden. Daher verzichtete der Teamchef auf den 28-Jährigen.

Gegen Australien wird zudem Thomas Haas fehlen. Die Nummer 21 der Welt verzichtet aus persönlichen Gründen auf einen Einsatz. Kühnen nominiert für das Spiel um den Klassenerhalt Florian Mayer, Philipp Petzschner, Cedrik-Marcel Stebe und Benjamin Becker. Ich bin mir sicher, dass wir damit ein gutes und geschlossenes Team haben", sagte der 46-jährige Kühnen. Für Australien werden Bernard Tomic, Lleyton Hewitt, Matthew Edben und Christopher Guccione spielen.

max/dpa/sid

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Danke
pirx64 04.09.2012
Danke! Der will doch eh nur für Kole spielen, siehe die Absage von Olympia
2. optional
Magic-Gerd 04.09.2012
Hey-wer interessiert sich denn überhaupt noch für den Tennissport in Deutschland? Diese hochbezahlten Luschen bringen doch eh nichts zustande, die Zeiten einer Steffi Graf und eines Boris Becker sind lange vorbei....
3. @Magic-Gerd
thethruth 04.09.2012
Naja, zum Glück gibt es ja noch andere Tennisspieler außer deutsche. Von einem Federer-Fan ;-)
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Davis-Cup-Sieger seit 1990
Jahr Sieger (Endspiel-Ergebnis)
2013 Tschechien (3:2 gegen Serbien)
2012 Tschechien (3:2 gegen Spanien)
2011 Spanien (3:1 gegen Argentinien)
2010 Serbien (3:2 gegen Frankreich)
2009 Spanien (5:0 gegen Tschechien)
2008 Spanien (3:1 gegen Argentinien)
2007 USA (4:1 gegen Russland)
2006 Russland (3:2 gegen Argentinien)
2005 Kroatien (3:2 gegen Slowakei)
2004 Spanien (3:2 gegen USA)
2003 Australien (3:1 gegen Spanien)
2002 Russland (3:2 Frankreich)
2001 Frankreich (3:2 gegen Australien)
2000 Spanien (3:1 gegen Australien)
1999 Australien (3:2 gegen Frankreich)
1998 Schweden (4:1 gegen Italien)
1997 Schweden (5:0 gegen USA)
1996 Frankreich (3:2 gegen Schweden)
1995 USA (3:2 gegen Russland)
1994 Schweden (4:1 gegen Russland)
1993 Deutschland (4:1 gegen Australien)
1992 USA (3:1 gegen Schweiz)
1991 Frankreich (3:1 gegen USA)
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