Tennisabstimmung in Orlando Darum geht es bei der geplanten Davis-Cup-Reform

Bekommt der traditionsreiche Davis Cup ein völlig neues Format? Die Tennisverbände stimmen am Donnerstag über entsprechende Pläne ab. Wie sehen die genau aus? Der Überblick.

Boris Becker, Patrick Kühnen, Kapitän Nikola Pilic, Eric Jelen und Carl-Uwe Steeb (v.l.n.r.) beim Davis-Cup-Sieg 1988
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Boris Becker, Patrick Kühnen, Kapitän Nikola Pilic, Eric Jelen und Carl-Uwe Steeb (v.l.n.r.) beim Davis-Cup-Sieg 1988


Worum geht's?

Bei der Konferenz der International Tennis Federation in Orlando wird am Donnerstag darüber abgestimmt, ob das aktuelle Davis-Cup-Format geändert werden soll. Von den 210 Mitgliedsverbänden sind 144 stimmberechtigt. Damit der Antrag als angenommen gilt, müssen zwei Drittel für ihn stimmen. Hinter der Idee steht das Konsortium Kosmos, zu dessen Gründern auch Barcelona-Star Gerard Piqué gehört. Drei Milliarden US-Dollar hat Kosmos für die nächsten 25 Jahre geboten.

Was soll geändert werden?

Bislang ist der Davis Cup über das ganze Jahr verteilt, an vier Wochenenden im Februar, Juli, September und November werden die K.-o.-Spiele ausgetragen, die Partien gehen über drei Tage. Der Sieger geht immer eine Runde weiter, die Verlierer der ersten Runde spielen gegen den Abstieg. Die ersten beiden Termine sind zeitlich nahe an den Australian Open und dem Grand-Slam-Turnier in Wimbledon gelegen.

Das neue Format sieht ein zeitlich komprimiertes Turnier vor, mit einer Qualifikationsrunde im Februar, an der 24 Teams teilnehmen, und einem einwöchigen Finalturner im November. Dort sollen die zwölf Sieger, die Vorjahres-Halbfinalisten sowie zwei Wildcard-Teams den Titel unter sich ausmachen - zunächst in einer Gruppenphase, dann weiter im K.-o.-Format.

Und es gibt noch weitere Änderungen, um die Belastung für die Spieler zu senken: Statt Fünfsatzspiele sollen in Zukunft nur noch Dreisatzpartien ausgetragen werden, statt insgesamt vier Einzel und einem Doppel pro Ländervergleich soll es nur noch zwei Einzel und ein Doppel geben.

Wer ist dafür?

ITF-Präsident David Haggerty sagt, dass ihn die Spieler immer wieder gedrängt hätten, das Davis-Cup-Format zu ändern. Der aktuelle Vorschlag werde auch von Tennisstars wie Novak Djokovic und Rafael Nadal gestützt, so Haggerty. "Niemand von den Topspielern kann sich vier Wochen im Jahr für sein Land zur Verfügung stellen", so Djokovic. Auch die Veranstalter der drei Grand-Slam-Turniere von Paris, Wimbledon und New York sind dafür.

Wer ist dagegen?

Widerstand kommt aus vielen nationalen Verbänden, zum Beispiel aus Australien. Nicht nur die Ausrichter der Australian Open, sondern auch der ehemalige Tennisstar und heutige Davis-Cup-Kapitän Lleyton Hewitt lehnen den Reformplan ab: "Der Wettbewerb, den sie vorschlagen, ist nicht der Davis Cup", sagte Hewitt. Auch Australiens Tennislegende Rod Laver fordert, dass die "großartige Tradition" des Wettbewerbs trotz der Änderungen erhalten bleibt. Der ehemalige französische Tennisspieler Yannick Noah schrieb bei Twitter: "Sie verkaufen die Seele eines historischen Wettbewerbs."

Auch der Deutsche Tennis Bund lehnt den Vorschlag ab. "Das würde eine mehr als hundert Jahre alte Tradition kaputt machen", sagte DTB-Präsident Ulrich Klaus. Den Ländervergleich im Tennis gibt es bereits seit 118 Jahren. Der DTB kritisiert zudem den Wegfall der Heim- und Auswärtsspiele. "Es geht uns nicht vorrangig um Geld, sondern darum, dass wir den Tennisfans in Deutschland unsere besten Spieler präsentieren wollen", sagt Klaus.

Was für einen Stand hat der Davis Cup in Deutschland?

Das Match zwischen Boris Becker und John McEnroe vom 24. Juli 1987 wird vielen Tennisfans unvergessen bleiben. 4:6, 15:13, 8:10, 6:2, 6:2 setzte sich der Deutsche nach 6:21 Stunden durch. Becker bezeichnete die Partie später als "das größte Match, das ich je gespielt habe". Es war kein Finale, sondern eine Partie im Relegationsduell mit den USA, das Deutschland am Ende für sich entschied. Den Titel gewann der DTB 1988, 1989 sowie 1993.

In den vergangenen Jahren hat das Interesse am Davis Cup hingegen deutlich nachgelassen, auch die Erfolge blieben aus. Der Tiefpunkt war sicherlich der zweite Abstieg in der DTB-Geschichte 2003. Immer wieder gab es zudem Absagen von Topspielern, zuletzt Philipp Kohlschreiber und Alexander Zverev. Für die Profis sind die Partien nur schwer mit ihrem Turnierkalender in Einklang zu bringen.

Allerdings: Als das Deutsche Team - ohne seine Topstars - im September 2017 in der Relegation einen dramatischen Klassenerhalt gegen Portugal feierte, waren Emotionen, Anerkennung und Freude im deutschen Tennispublikum wieder deutlich zu erkennen. Auch der Einstieg von Boris Becker als neuer Chef im deutschen Herrentennis hat das Interesse gesteigert.

bka/AP/sid/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
emd 15.08.2018
1. Da fehlt doch einer
Na, da hat die Redaktion wohl Nikola Pilic bei der Bildunterschrift vergessen. Der war damals der Coach der Davis-Cup Mannscht und ist der Herr in der Mitte.....
A. Merkel 15.08.2018
2. den Davis Cup kann man sich sparen
da treten doch ehr immer die gleichen Pappnasen an wie bei allen anderen Turnieren in Wembley, Paris, Australian Open etc. und am Schluss gewinnt immer Federer gegen Nadal und bei den Frauen eine der beiden Williams-Schwestern gegen die andere. Das ist ungefähr so spannend wie der DFB-Pokal, in dem halt auch die Bundesligamannschaften noch mal gegeneinander antreten und fast immer Bayern München gewinnt. Todsterbenslangweilig, gerade auch für Fans des jeweiligen Sports.
juliabernd88 15.08.2018
3.
Zitat von A. Merkelda treten doch ehr immer die gleichen Pappnasen an wie bei allen anderen Turnieren in Wembley, Paris, Australian Open etc. und am Schluss gewinnt immer Federer gegen Nadal und bei den Frauen eine der beiden Williams-Schwestern gegen die andere. Das ist ungefähr so spannend wie der DFB-Pokal, in dem halt auch die Bundesligamannschaften noch mal gegeneinander antreten und fast immer Bayern München gewinnt. Todsterbenslangweilig, gerade auch für Fans des jeweiligen Sports.
Bitte, wenn man keine Ahnung hat, sollte man sich einfach nicht äußern. Zumindest sollte man den Unterschied zwischen Wembley und Wimbledon kennen.
jean-baptiste-perrier 16.08.2018
4. #2 omg!
Hat Angelique Kerber vor einem Monat Wembley gewonnen, oder nicht? Ich bin mir jetzt im Moment nicht mehr so sicher. Und wie heisst das Pferd auf dem sie geritten ist? Also wenn schon Motorsport, dann Tennis! Der Deutsche Tennis Bund ist mit rund 1,4 Millionen Mitgliedern der größte Tennisverband der Welt! Wenn man ein Drittel der Forums-Beiträge bei SPON zum Thema Tennis liest, dann kann man das kaum glauben.
benjaminknaack_SPIEGEL_ONLINE 16.08.2018
5. Danke für den Hinweis
Zitat von emdNa, da hat die Redaktion wohl Nikola Pilic bei der Bildunterschrift vergessen. Der war damals der Coach der Davis-Cup Mannscht und ist der Herr in der Mitte.....
Da haben Sie recht, ich habe den Fehler korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis! Viele Grüße Benjamin Knaack
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