Reform angenommen Der Davis Cup wird revolutioniert

Bereits 2019 wird der Davis Cup in einem neuen Modus ausgespielt. Dafür haben sich die Mitglieder des Tennis-Weltverbands ausgesprochen. Deutschland war bis zuletzt gegen die Reform.

Deutsches Team beim Davis Cup
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Deutsches Team beim Davis Cup


Die Delegierten der Mitgliederverbände haben auf der Jahrestagung des Tennis-Weltverbands ITF die Davis-Cup-Reform verabschiedet. Die von ITF-Präsident David Haggerty unterstützten Pläne zur Neustrukturierung des traditionsreichen Wettbewerbs erhielten in Orlando die notwendige Zweidrittelmehrheit - 71,5 Prozent stimmten für die Änderung. Der Widerstand großer Tennisnationen wie Großbritannien, Australien und Deutschland reichte nicht aus, um die Reform zu verhindern.

Damit wird bereits 2019 in einem neuen Format um den 118 Jahre alten Davis Cup gespielt. Dann treffen 18 Teams in der zweiten November-Hälfte in einem einwöchigen Turnier gegeneinander an. Zuvor hatte es vier über das gesamte Jahr verteilte Runden mit Heim- und Auswärtsspielen gegeben.

Nun folgt nach einer Vorrunde direkt eine Finalrunde im K.-o.-Format mit jeweils zwei Einzeln und einem Doppel über je zwei Gewinnsätze. In einem Qualifikationsturnier im Februar sollen 16 Teilnehmer ermittelt werden, zwei weitere erhalten eine Wildcard. Lille und Madrid haben bereits ihr Interesse als Gastgeber signalisiert.

Haggerty und seine Mitstreiter aus dem ITF-Board überzeugten die Verbände mit viel Geld von der Reform. Für die Finanzierung soll die Investmentgruppe Kosmos sorgen, zu deren Gründern Spaniens ehemaliger Fußball-Weltmeister Gerard Piqué gehört. Drei Milliarden Dollar für 25 Jahre wurden den Verbänden versprochen.

"Wir waren leider nicht erfolgreich. Gestern waren wir noch zuversichtlich und hatten genügend Stimmen", sagte Ulrich Klaus, Chef beim Deutschen Tennis-Bund: "Das ist jetzt schon eine große Enttäuschung. Es wurde nur über Geld, aber nicht über Sport geredet", sagte Klaus. Zwar seien Änderungen am Format notwendig, so drastisch wie der ITF-Boss wollte der DTB den Wettbewerb aber nicht verändern. Vor allem die Tatsache, dass nun nur noch einmal im Jahr die Möglichkeit auf ein Heimspiel besteht, stieß beim DTB auf Kritik.

(Mehr über die Reform lesen Sie hier.)



insgesamt 10 Beiträge
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jean-baptiste-perrier 16.08.2018
1. Zum K.......!
Sorry, aber das ist ein schwarzer Tag für das Tennis. Wenn man dann wenigstens so ehrlich wäre und zugeben würde, dass man den Davis Cup offiziell beerdigt. Die neue Ersatz-Veranstaltung weiterhin unter dem Marken-Namen "Davis Cup" zu verkaufen, grenzt schon an Betrug. Schöne neue Welt in der man den Leuten bunte Schachteln mit klanghaften Namen jedoch mit falschem Inhalt verkaufen will!
aurichter 16.08.2018
2. @ jean-baptiste-perrier*heute, 16:49 Uhr
Geld regiert die Welt. Es war von einer Zusage durch dies ominöse Konsortium um Gerard Pique von 3 Mia Dollar die Rede. Erinnert irgendwie um die Geldscheffelmaschine UEFA Champions League, wo es in erster Linie auch nur um den Umsatz geht und sehr viel später um das Sportliche. Hier wurde bei der Abstimmung die Mehrheit mit den Geldern geködert, also auch hier Parallelen zur Turniervergabe der FIFA.
Sibylle1969 16.08.2018
3.
Beim bisherigen Modus war das Problem, dass die Topspieler immer seltener Daviscup gespielt haben, weil das nicht so gut in ihren Turnierkalender passt. Die erste Runde war z.B. stets nur eine Woche nach dem Australian Open-Finale. Ich denke, dass die Reform zum Ziel hat, den Davis Cup für Topspieler wie Nadal wieder attraktiver zu machen, die in den letzten Jahren nur noch selten Daviscup gespielt haben. Ich war übrigens mal bei einem Daviscup-Match als Zuschauerin, im Februar 2017 in Frankfurt. Zwar trat Deutschland in Top-Besetzung an, aber der Gegner Belgien ohne seinen Top-Spieler David Goffin. Stattdessen gab es weitgehend unbekannte Spieler zu sehen, die in der Weltrangliste teils deutlich jenseits der 100 standen (was die Deutschen aber nicht daran hinderte, gegen Belgien zu verlieren). Klar hat der Daviscup eine lange Tradition, aber was nützt es, wenn die Topspieler nicht mehr antreten?
uwe.aram64 16.08.2018
4. Macht des Geldes
Es fällt sehr stark auf das nicht nur der Tennisverband, sondern auch der Welt Handballverband und natürlich auch die FIFA alles tun um Ihre Kassen zufüllen. Alles im Sinn gefüllter Konten und nicht des Sports. Ich investiere nicht einen Euro in diese Dinge um sowas zu unterstützen, deren Gier.
compiler 16.08.2018
5.
Zitat von Sibylle1969Beim bisherigen Modus war das Problem, dass die Topspieler immer seltener Daviscup gespielt haben, weil das nicht so gut in ihren Turnierkalender passt. Die erste Runde war z.B. stets nur eine Woche nach dem Australian Open-Finale. Ich denke, dass die Reform zum Ziel hat, den Davis Cup für Topspieler wie Nadal wieder attraktiver zu machen, die in den letzten Jahren nur noch selten Daviscup gespielt haben. Ich war übrigens mal bei einem Daviscup-Match als Zuschauerin, im Februar 2017 in Frankfurt. Zwar trat Deutschland in Top-Besetzung an, aber der Gegner Belgien ohne seinen Top-Spieler David Goffin. Stattdessen gab es weitgehend unbekannte Spieler zu sehen, die in der Weltrangliste teils deutlich jenseits der 100 standen (was die Deutschen aber nicht daran hinderte, gegen Belgien zu verlieren). Klar hat der Daviscup eine lange Tradition, aber was nützt es, wenn die Topspieler nicht mehr antreten?
Für mich war der Davis-Cup interessant, weil er ein anderes Format bot. Ich brauchte dazu auch nicht die Top-Spieler, mir reichte es, wenn die Spieler aus der zweiten Reihe hochmotiviert und von einer Stimmung, wie sie bei normalen Turnieren nicht zu finden ist, getragen wurden. DAS ist Davis-Cup und nicht wie jetzt beschloßen ein weiteres seelenloses Turnier im doch immer wieder gleichen Modus (Best-of-3). Brauch ich nicht... Vielleicht schliessen sich die großen Nationen, die ja ursprünglich mal den Davis-Cup ins Leben geholt haben, zusammen und veranstalten einen eigenen Wettbewerb. Mal schauen, wie lange die ITF dann an ihrem Konzept festhält.
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