DBB-Bundestrainer Bauermann Der Power-Mann

Der Weg ist das Ziel: Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann sucht den Erfolg mit Disziplin und Regeln. Wer nicht mitzieht, hat im Team um Superstar Dirk Nowitzki einen schweren Stand. Vom WM-Titel will der Coach nicht sprechen - dafür aber alle Gegner aus dem Weg räumen.

Aus Saitama berichtet Martin Fünkele


Den erfolgreichsten Basketball-Coach Deutschlands bei einem spontanen Spaß zu ertappen, ist selten. Einem Fotografen hat Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann einmal verboten, ihn beim Lachen zu fotografieren – aus Sorge um sein Image. "Ich glaube, dass sich die meisten Trainer, die Erfolg in ihrem Geschäft haben, durch eine gewisse Souveränität auszeichnen", sagt er. Acht deutsche Meisterschaften, fünf Auszeichnungen als Trainer des Jahres, eine EM-Silbermedaille – Bauermann steht ebenso für Erfolg wie für seine schwarzen Anzüge, die er sich en gros zugelegt hat, um der täglichen Kleiderwahl ein Ende zu bereiten.

Bundestrainer Bauermann: "Anarchie funktioniert nicht"
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Bundestrainer Bauermann: "Anarchie funktioniert nicht"

Sein Führungsstil ist knallhart: "Es gibt nur drinnen oder draußen", sagt er. "Wenn das Ich wichtiger wird als das Wir und Spieler versteckte Agendas haben, muss das Konsequenzen haben." Als Nationalspieler Julian Sensely, der Amerikaner mit deutschem Pass, nach einer Auswechslung in einem WM-Vorbereitungsspiel wütend das Handtuch auf den Boden pfefferte, stellte Bauermann den Neuling im Nationalteam sofort zur Rede. Am nächsten Tag strich Bauermann Sensley aus dem WM-Kader.

"Ich habe verstanden, dass Sport nur mit Regeln erfolgreich sein kann. Anarchie funktioniert da nicht." Kein erfolgreicher Trainer könne "falsch verstandene Demokratie zulassen". Während Regeln Bauermanns Handeln auf dem Basketballcourt bestimmen, sieht es im Privatleben ganz anders aus: "In der Erziehung meiner Tochter bin ich komplett unfähig", gesteht Bauermann. "Hier halte ich keine Regeln ein, kann auch keine Konflikte austragen – was ich als Trainer ständig muss."

Der plötzlich gewährte Blick in sein Seelenleben kommt so unverhofft, dass er ein kalkuliertes Manöver sein könnte. Denn über Bauermanns Handeln steht immer dieselbe Maxime: zu gewinnen. "Erfolg muss die höchste Priorität haben, weit höher noch als Geld", sagt er. Würde er sich für den Erfolg gegen die eigene Tochter entscheiden? Für den Sieg mutiert der eloquente Gentleman schließlich auch zum wütenden Rüpel. Seine Schiedsrichtigerbeschimpfungen lassen sich nicht zitieren.

Der gereizte Clubpräsident mit der Pistole

Für den Erfolg verleugnet Bauermann selbst seine eigene Überzeugung. Als die Basketball-Bundesliga vor einem Jahr sämtliche Ausländerbeschränkungen aufhob, wetterte er: "Diese Entscheidung wird die Nationalmannschaft und auch die Liga nochmals treffen. Es ist schlimm, wenn der Druck von den Vereinen genommen wird, Spieler selbst zu entwickeln, weil sie billige Profis vom Balkan oder woher auch immer verpflichten können." In Bamberg, wo Bauermann seit fünf Jahren Trainer ist, spielte außer Nationalspieler Steffen Hamann - der zudem nach Italien wechselt - kein deutscher Spieler eine nennenswerte Rolle. Dafür trat Bamberg in der europäischen Königsklasse, der EuroLeague an – und das sehr erfolgreich.

Der vor 48 Jahren in Oberhausen geborene Trainer kennt auch die dunkle Seite seines Berufs. Vielleicht lieg es daran, dass er so radikal zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden kann. Ein bisschen ähnelt er dabei Kiefer Sutherland, der als "Jack Bauer" in der amerikanischen Actionserie "24" emotionslos eine tödliche Mission nach der anderen übersteht. Bauermanns Abstieg begann, nachdem er mit Leverkusen Anfang der 90er sieben Meisterschaften in Folge gewonnen hatte. Danach war er plötzlich nicht mehr wichtig.

Er versuchte sich in Belgien, scheiterte in Griechenland und in Hagen. Zwischenzeitlich wurde er in Athen mit der Pistole eines gereizten Clubpräsidenten bedroht. "Daran wären andere vielleicht zerbrochen", sagt er. Ihn hat es stärker gemacht. Zurück in Deutschland gewann er in seinem dritten Jahr mit Bamberg die Meisterschaft. Mit zwei verschiedenen Clubs war das in Deutschland noch keine Coach gelungen.

Auch der Gewinn eines WM-Titels ist noch keinem Basketball-Trainer mit Deutschland gelungen. Mittlerweile ist der DBB-Tross nach Saitama weiter gezogen. Dort trifft die deutsche Mannschaft im WM-Achtelfinale am Sonntagmorgen (3 Uhr MEZ, live auf DSF) auf Nigeria. Ein Sieg vorausgesetzt heißt der Viertelfinalgegner dann USA. Das Team um die NBA-Stars Carmello Anthony, Dwayne Wade und LeBron James verbreitete bisher eine furchteinflößende Dominanz. Bauermann sagt: "Egal wer sich uns in den Weg stellt, wir werden versuchen sie mit allen Mitteln zu schlagen." Das muss man ihm glauben.



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