DDR-Sportführer Manfred Ewald ist tot

Der führende Sportfunktionär der DDR ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Manfred Ewald galt als Medaillenschmied und "treibende Kraft" des systematischen Dopings im Arbeiter- und Bauernstaat.


Berlin - Ewald verstarb am Montagabend an den Folgen einer Lungenentzündung in einer Klinik in Brandenburg. Der allmächtige Sportfunktionär, der von 1961 bis 1988 Präsident des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR war und von 1973 bis 1990 das Nationale Olympische Komitee der DDR anführte, hinterlässt seine Ehefrau Vera sowie drei erwachsene Kinder. Ewald soll am 23. November in Damsdorf beigesetzt werden.

Manfred Ewald wurde 1926 als Sohn eines Schneiders im pommerschen Podejuch in einfachen Verhältnissen geboren, 1938 trat er in die Hitlerjugend ein, 1944 in die NSDAP. Nach Ende des Krieges gehörte Ewald 1945 zunächst der KPD an, ein Jahr später wurde er Mitglied der SED und der Jugendorganisation FDJ. 1952 ernannte ihn Walter Ulbricht zum Vorsitzenden des neu gegründeten Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport. Unter seiner Leitung entstanden die Spitzensport-Zentren.

Manfred Ewald vor seiner Verurteilung im Jahr 2000
DPA

Manfred Ewald vor seiner Verurteilung im Jahr 2000

Schon im Alter von 38 Jahren erhielt Ewald als erster Sportfunktionär den "Vaterländischen Verdienstorden in Gold", eine der höchsten Auszeichnungen der DDR. Die Schlüsselrolle spielte Ewald bei der Konzentration des DDR-Sports auf Medaillen trächtige Sportarten. In seiner Amtszeit gewannen DDR-Athleten bei Olympischen Spielen 160 Gold-, 153 Silber- und 141 Bronzemedaillen.

Weil Ewald aber mit zunehmenden Erfolgen immer selbstherrlicher auftrat und seine Alkohol-Exzesse kaum mehr zu vertuschen waren, verlor er das Vertrauen der SED-Führung. Nachdem er auf dem Rückflug von den Olympischen Winterspielen in Calgary 1988 erneut betrunken aufgefallen war, musste er am 5. November des gleichen Jahres seinen Hut nehmen. Ewald, der 27 Jahre lang an der Spitze des DTSB und 17 Jahre an der Spitze des NOK gestanden hatte, wurde jedoch noch der Karl-Marx-Orden verliehen.

Im Jahr 2000 musste sich Ewald vor dem Landgericht Berlin wegen Dopings von Minderjährigen im DDR-Sport verantworten. Er wurde hinter Manfred Höppner als "treibende Kraft" des systematischen, planmäßigen Dopings der DDR überführt. Ewald wurde wegen Beihilfe zur Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Er wurde dafür verantwortlich gemacht, dass 20 Hochleistungssportlerinnen ohne ihre Kenntnis mit der Folge von Gesundheitsschäden und -gefährdungen Anabolika verabreicht worden waren.



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