Debatte nach Skandalfinale der US Open "Die Männer nerven den Schiedsrichter andauernd - und nichts passiert"

Serena Williams bekommt bei ihren Klagen über den Final-Schiedsrichter bei den US Open Unterstützung von ihrem Verband. Novak Djokovic, Sieger bei den Herren, kann Williams verstehen - findet eine Debatte aber unnötig.

Serena Williams redet auf Schiedsrichter Brian Earley ein
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Serena Williams redet auf Schiedsrichter Brian Earley ein


Trotz des 14. Grand-Slam-Titels von Novak Djokovic nach dessen Sieg im US-Open-Finale gegen Juan Martín del Potro (6:3, 7:6, 6:3) beschäftigt sich die Tennis-Welt noch immer mit dem Frauen-Endspiel einen Tag zuvor. Nun hat sich auch der Chef der Vereinigung der professionellen Tennisspielerinnen (WTA), Steve Simon, zu Wort gemeldet und Serena Williams bei ihren geäußerten Sexismusvorwürfen unterstützt. Die Schiedsrichter dürften das Verhalten von Männern und Frauen auf dem Platz nicht unterschiedlich bewerten, hieß es in einem Statement der WTA.

Das Spiel zwischen Williams und der späteren Siegerin Naomi Osaka "habe die Frage aufgeworfen, ob es Unterschiede in den Standards der Durchführung von Frauen- und Männerpartien gebe". Die WTA sei bereit, daran zu arbeiten, alle Spieler gleich zu behandeln. "Wir denken nicht, dass das letzte Nacht (Samstag) der Fall war", schrieb WTA-Chef Simon in der Erklärung.

Williams hatte dem Schiedsrichter Carlos Ramos nach ihrem verlorenen Finale Sexismus vorgeworfen. Der Portugiese hatte die 36 Jahre alte US-Amerikanerin dreimal verwarnt und ihrer Gegnerin den Regeln entsprechend zuerst einen Punkt und dann ein Spiel zugesprochen. Auf dem Platz hatte Williams Ramos als "Dieb" und "Lügner" bezeichnet.

Die 23-malige Grand-Slam-Siegerin ist für ihre Ausfälle mit einer Geldbuße in Höhe von 17.000 Dollar (14.700 Euro) belegt worden. Die Strafe wird von den 1,85 Millionen Dollar für Williams' Finalteilnahme abgezogen.

Die Chefin des US-amerikanischen Tennisverbands (USTA), Katrina Adams, schlug sich ebenfalls klar auf die Seite von Williams: "Die Männer nerven die Schiedsrichter bei Seitenwechseln immer wieder und nichts passiert", so die Organisatorin der US Open.

Anderer Meinung ist Djokovic. Der neue Weltranglistendritte, der in New York zum dritten Mal gewonnen hatte und dadurch nach Major-Erfolgen mit Pete Sampras gleichgezogen ist, widersprach Simon nach dem Männerfinale. "Ich sehe die Dinge anders als Herr Simon", sagte der Serbe: "Es ist schwierig, das zu generalisieren. Ich glaube nicht, dass wir das diskutieren müssen." Zwar sagte der 31-Jährige, dass der Schiedsrichter es - vor allem im Hinblick auf die Bedeutung der Partie - nicht so weit hätte kommen lassen dürfen. Allerdings äußerte er auch Verständnis für den Unparteiischen. "Es war eine harte Situation für ihn. Das müssen wir nachempfinden."

Djokovics Probleme mit der Shotclock - Azarenka beklagt "Inkonsequenz"

Dabei macht es Djokovic den Schiedsrichtern selbst nicht leicht. Einen Tag nach dem Frauen-Finale gab der Serbe reichlich Anlass für Regeldiskussionen. Im Endspiel gegen del Potro hatte er sich bei eigenem Aufschlag immer wieder aufreizend lang Zeit gelassen.

Zwischen den Ballwechseln hat der Aufschläger 25 Sekunden Zeit, um den nächsten Service auszuführen. Läuft die Uhr ab, muss es zunächst eine Verwarnung, anschließend einen Strafpunkt geben. Diese Regel gilt jedoch nicht zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag, weshalb Tennisfans eine Modifizierung fordern.

Djokovic prallte den Ball bis zu 20 Mal auf den Boden, ehe er aufschlug. Heikel war dies besonders im achten Spiel des zweiten Satzes, weil er sich zu diesem Zeitpunkt in einer kritischen Situation befand. Sein Gegner hatte die Chance, ihm das Aufschlagspiel abzunehmen und erspielte sich mehrere Breakbälle. Die Schiedsrichterin verzichtete auf eine Verwarnung, obwohl sie trotz fehlender Shotclock dazu in der Lage gewesen wäre. Djokovic gilt - wenig überraschend - als großer Kritiker der Einführung eines Zeitlimits.

Williams hat mit der Shotclock keine Probleme. Stattdessen wurde sie in ihrem 31. Grand-Slam-Finale für das sogenannte "Coaching" bestraft. Ein Trainer darf bei Grand-Slam-Turnieren aus der Box weder visuelle noch akustische Signale geben. Dies hatte Williams' Coach, Patrick Mouratoglu, aber getan, wie er später zugab. Auch diese Regel ist auf der Tour umstritten. Viktoria Azarenka, zweimalige Australian-Open-Siegerin und ehemalige Weltranglistenerste, fordert eine neue, klarere Regel. Sie spricht von "zu vielen Grauzonen". Außerdem beklagt die Weißrussin eine "Inkonsequenz" der Schiedsrichter.

bam/sid



insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
Greg84 10.09.2018
1.
So ganz kann ich nicht nachvollziehen, was in der ganzen Geschichte das Problem ist. Williams' Trainer hat das Coaching hinterher sogar zugegeben mit dem Hinweis "aber das machen alle". Der Schiedsrichter hat also nichts falsch gemacht. Wenn Williams dann noch meint ihn als Dieb oder Lügner bezeichnen zu müssen und ihren Schläger zu zertrümmern, ist in meinen Augen recht deutlich, bei wem der Fehler lag. Vielleicht erst mal an die eigene Nase fassen bevor man etwas von Sexismus erzählt. In einem Sport, in dem Frauen für weniger Leistung (Anzahl der zu spielenden Sätze) die gleichen Preisgelder bekommen, scheint mir Sexismus gegen Frauen nicht gerade ein Problem zu sein.
wizzard74 10.09.2018
2.
Dieses Mimimi ist so nervig, dass man es kaum in Worte fassen kann. Ständig irgendwelche Behauptungen ohne jeden Beleg ("aber die Männer sind viel schlimmer") bzw. Konjunktive ("einen Mann hätte der Schiedsrichter anders behandelt"). Aber wenn's um Fakten geht, wird es ganz, ganz dünn. Wie immer. Also bitte: Welcher ATP-Spieler mit einschlägigen Vorstrafen (nach dem Williams'schen Motto "I will shove that ball down your throat") hat in der jüngeren Vergangenheit ungestraft einen Schiedsrichter mit "Lügner" und "Dieb" beleidigt sowie offen bedroht ("Du schiedst kein Spiel von mir mehr") und ist damit ohne Code Violation davongekommen? Ich warte gespannt auf Beispiele.
white_rd 10.09.2018
3. Skandalfinale?
Was soll denn diese Überschrift? Das klingt ja als ob Serena Williams durch Beschiß verloren hat. Hat sie aber nicht, ihre Gegnerin war in jeder Hinsicht klar besser und hatte das Spiel bis zum Schluß unter Kontrolle, anders als Williams sich selbst. Der einzige Skandal war das unverschämte und beleidigende Verhalten von Williams dem Schiedsrichter gegenüber, sicher auch mit dem Ziel ihre zu jedem Zeitpunkt faire und anständige Gegnerin aus dem Konzept zu bringen.
rieberger_2 10.09.2018
4. billiges Verhalten einer schlechten Verliererin
Man kann darüber streiten, ob das Coaching-Verbot sinnvoll ist. Aber solange es Bestandteil des Regelwerks ist und verboten ist, solange muss es sanktioniert werden. Und genau das ist passiert. Wenn das ein Tennisstar nicht akzeptieren will, ist das das Problem des Stars. Daraus einen Genderskandal zu machen, ist billig und unwürdig. Übrigens wird es keine Gleichheit im Sanktionieren von Regelverstößen geben können, da es eben auch noch einen Ermessungsspielraum gibt. Lösung dieser unwürdigen Geschichte: Frauen schiedsen Frauen. Somit ist der Vorwurf einer Diskriminierung dann wohl vom Tisch. Das würde allerdings als billige Ausrede dann nicht mehr gelten.
Gmorker 10.09.2018
5. Whataboutism vom Feinsten
Der Fluch der Neuzeit. "aber die anderen", "aber bei denen", "aber sonst". Es ist unterm Strich vollkommen nebensächlich, wie Fehlverhalten in anderen Spielen von anderen oder demselben Unparteiischen geahndet oder nicht geahndet werden. Es gab für jede Strafe durch Ramos (reaktion!) einen klaren Grund von Seitens Williams/Trainer (Aktion). Auf Aktion erfolgt Reaktion, gemäß den Regeln. Das diese Regeln nicht mathematisch exakt immer und überall angewandt werden, ist schade, aber keinerlei Grund, sich über die Anwendung der Regeln so unwürdig aufzuregen.
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