NBA-Star Cousins zu den Golden State Warriors Als hätten die Beatles Mick Jagger geholt

NBA-Serienmeister Golden State hat sich mit DeMarcus Cousins den nächsten Superstar geangelt. Doch bei allem Talent: Gesundheit und Charakter des Basketball-Hünen könnten zum Problem werden.

DeMarcus Cousins
AP/dpa

DeMarcus Cousins

Von Philipp Awounou


"Die Golden State Warriors verpflichten DeMarcus Cousins."

Auch Stunden nach ihrer Veröffentlichung wirkt diese Nachricht surreal. Schon vor dem spektakulären Deal waren die Warriors das klar talentierteste Team der NBA, verfügten mit Stephen Curry, Kevin Durant, Klay Thompson und Draymond Green bereits über immense Qualität. Nun hat die Franchise noch einmal nachgelegt und mit Cousins einen Weltklasse-Center verpflichtet. Fans, Medien und Konkurrenz sind fassungslos - nicht zum ersten Mal.

Schon vor zwei Jahren erschütterten die Warriors die Liga, als sie ihrem Kern aus Curry, Thompson und Green über Nacht den besten Scorer der NBA, Forward Durant, an die Seite stellten. Das hatte zuvor niemand für möglich gehalten - und noch weniger, dass sich solch ein Coup wiederholen ließe.

Nun ist genau das passiert. Als hätten die Beatles Mick Jagger geholt. Und dann Elvis Presley.

Cousins, 2,11 Meter groß und 123 Kilo schwer, ist ein Phänomen. Er dribbelt, wirft und passt wie ein Flügelspieler, zugleich dominiert er mit seiner Masse die Zone und den Kampf um Rebounds. Vom Potenzial ist er zusammen mit Joel Embiid der beste Center der Liga.

Mit seinem Wechsel von den New Orleans Pelicans nach Golden State baut Cousins den Vorsprung der Franchise weiter aus. Schon vor seiner Verpflichtung mussten die Warriors nicht an ihre Leistungsgrenze gehen, um den NBA-Titel zu erringen. Nun hat das Team die vielleicht beste Startformation in der Geschichte der Liga: Curry, Thompson, Durant, Green, Cousins.

Cousins ist ein Schnäppchen

Eigentlich kann sich ein NBA-Team keine fünf Superstars leisten. Den Warriors ist es jedoch gelungen, trotz ihrer Klasse im vorgegebenen Gehaltsrahmen zu bleiben. Wie? Mit Ausnahme von Curry spielen alle Stars zu (verhältnismäßig) reduzierten Bezügen, vor allem Cousins: Der 27-Jährige unterschrieb einen Einjahresvertrag über 5,6 Millionen US-Dollar. Viel Geld, aber kein Vergleich zu den 18 Millionen, die er zuvor in New Orleans verdiente.

Die Gehaltseinbußen des Star-Centers verdienen besondere Beachtung: Sie sind das sichtbarste Indiz der Schattenseiten dieses Deals.

Derart günstig zu haben war Cousins nur, weil er derzeit verletzt ist. Schwer verletzt. Nach einem Achillessehnenriss, zugezogen Anfang Februar, wird der Center frühestens im Dezember 2018 zurück auf dem Court erwartet, wobei niemand weiß in welcher Verfassung. Vor allem großgewachsene Spieler schafften es in der Vergangenheit kaum, nach einem Achillessehnenriss an ihre vorigen Leistungen anzuknüpfen.

Schwieriger Charakter

Offenbar hielt das andere Teams davon ab, die Gehaltsvorstellungen des Star-Centers zu erfüllen. Die Warriors wiederum konnten Cousins zwar kaum Geld, dafür aber unmittelbare Titelaussichten bieten. Und: Sie können es finanziell und spielerisch verkraften, sollte der 27-Jährige nicht mehr ganz der Alte werden.

Wesentlich schwerer träfe es die Warriors dagegen, sollte Cousins' zweifelhafter Charakter auch in Oakland für Unruhe sorgen. Der Ex-Pelican gilt nicht gerade als Musterprofi, die von ihm produzierten Negativschlagzeilen reichen von Barprügeleien über Fehden mit dem eigenen Trainer bis hin zu 13 Platzverweisen. Kritiker werfen Cousins außerdem Egoismus, Unbeherrschtheit und mangelnde Trainingseinstellung vor.

Für die Warriors könnte das zum Problem werden. Schon die vergangene Spielzeit war teamintern nicht reibungslos verlaufen, wie Power Forward David West nach Saisonende andeutete. Es sei "viel los" gewesen hinter den Kulissen, "die Leute wären geschockt, wenn das rauskäme". Cousins könnte derlei Schwierigkeiten verstärken.

Keine Dynastie mit Cousins

Umso mehr ist künftig Warriors-Coach Steve Kerr gefragt. An ihm ist es, Cousins gewinnbringend ins Teamgefüge zu integrieren, offensiv wie defensiv. Noch wichtiger: Er muss einem erfolgsverwöhnten Team, das in den vergangenen vier Jahren drei Meisterschaften gewann und nun noch besser ist, neuen Titelhunger einflößen. Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Sollte es Kerr gelingen, seine Spieler auch nur in die Nähe ihres Top-Niveaus zu bringen, so wird Golden States dritter Titel in Folge nicht zu verhindern sein - ganz gleich, was in Houston, Los Angeles oder Boston passiert.

Trost spendet der Konkurrenz vor allem der Blick auf die Zukunft: Eine Dynastie aus fünf Top-Stars erscheint unrealistisch. Selbst ein Cousins, der nur ansatzweise sein Potenzial ausschöpft, wird im kommenden Sommer kaum zu halten sein und an anderer Stelle wieder in gewohnte Gehaltssphären aufsteigen. Allerdings sollte man nach den vergangenen Jahren nicht ausschließen, dass die Warriors im Fall eines Abschieds die nächste Überraschung aus dem Hut zaubern.



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
furzgurk 04.07.2018
1. Glückwunsch an die Dubs!
Hiermit gratuliere ich den Dubs für den vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft 18/19. Und ja, in spätestens einem halben Jahr wird Boogie wieder der alte sein...
Turbo 04.07.2018
2. Schöne neue Welt
Lässt man die Lakers Dynastie mal außen vor, waren Dirk und Jordan die letzten großen Spieler, die Meisterschaften mit „ihrem“ Team holten. Sprich, nicht bei der erstbesten Gelegenheit zu einem Titelkandidaten wechselten, sondern sich daheim durchbissen. Die NBA wird gerade in absurder Weise zu einer wünsch-dir-was Wechselbörse, bei der man den Titel mal so im Vorbeigehen mitnimmt, wenn es sein muss. Dass ausgerechnet der aktuell beste Badketballer LBJ diese Entwicklung startete mit seiner „Decision“ , ist dann irgendwie historisch konsequent. Bleibt abzuwarten, ob das der Popularität der Liga hilft.
melfox76 05.07.2018
3. Vorhersehbare deutsche Meinung
Außer Dirk und MJ hat kein großer Spieler den Titel gewonnen ohne Wechsel zu einem top team... Ähm MJ zuletzt 1998. Dirk einmal in 2011. Was ist mit all den weiteren Jahren? 2004 die Pistons ohne Star. 2005 die Spurs mit Duncan ohne große Trades. 2006 DWade mit verletztem Shaq. 2007 Spurs siehe 2005. 2008 Super team Boston erste Bestätigung der Behauptung. 2009 und 2010 sehr starkes Lakers Team mit ertradetem Pau. Bestätigung strittig. 2011 Dirk und starke Team performance. 2012 umd 2013 Heat Big 3 Bestätigung. 2014 Spurs mit gedraftetem Kawhi keine Bestätigung. 2015 Warriors mit gedarftetem Steph keine Bestätigung. 2016 Cavs mit LeBron strittig, da uncle Drew top player, aber Cavs vor LeBrons Rückkehr lottery team daher keine Bestätigung. 2017 und 2018 Warriors mit KD absolute Bestätigung. 2019 wohl auch. Der Trend ist klar. LeBron hat Selbstbestimmung der Spieler massiv gestärkt. Selbstbestimmung ist aber doch positiv konnotiert, oder? ;-) Davon abgesehen zeigt meine Auflistung, dass sehr viele Meister ohne super teams gewannen. Die Spurs, Heat 2006, Cavs 2016, eventuell auch Lakers 2009 und 2010. Dazu noch Dirk 2016, klar. Aber alle diese Teams hatten einen 'Superstar' bzw. future hall of famer go to guy. Somit ist die Behauptung arg subjektiv.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.