Broncos-Defensivcoach Phillips Denvers Verteidigungsminister

Die Stars der Denver Broncos auf dem Platz heißen Peyton Manning und DeMarcus Ware. Der eigentliche Matchwinner beim Super-Bowl-Triumph stand an der Seitenlinie: Defensive-Trainer Wade Phillips.

Defensivcoach Phillips: Der heimliche Star der Broncos
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Defensivcoach Phillips: Der heimliche Star der Broncos

Aus Santa Clara berichtet


Bei jedem Super Bowl ist es üblich, dass spätestens Mitte des Schlussviertels die Frage nach dem wertvollsten Spieler des Finals (MVP) aufkommt. Das Endspiel in Santa Clara zwischen den Denver Broncos und den Carolina Panthers war da keine Ausnahme. Allerdings hatte sich diesmal in den mehr als 50 bereits gespielten Minuten noch kein Profi als würdiger MVP-Kandidat empfohlen.

Die typischen Verdächtigen, wie beispielsweise die Quarterbacks Peyton Manning und Cam Newton, hatten reichlich Mühe, ihre Offensiven gegen die dominierenden Abwehrreihen in Schwung zu bringen. Und so tauchte in den sozialen Netzwerken jemand auf, der gar nicht auf dem Platz stand, sondern an der Seitenlinie: Wade Phillips.

Der 68-Jährige ist Defensive Coordinator der Broncos - und darf, ohne Übertreibung, als heimlicher Held dieses Titelgewinns bezeichnet werden. Denn die von ihm geleitete Abwehr war die große Trumpfkarte der Broncos. "Eine unglaubliche Leistung von allen Spielern in den gesamten Playoffs", freute sich Phillips nach dem 24:10-Erfolg über die favorisierten Carolina Panthers.

Trainer und Spieler voll des Lobes für Phillips

Über seinen Anteil am Erfolg sprach Phillips nicht - das taten andere. Phillips habe "außerordentliche Arbeit" geleistet, hob beispielsweise Trainer Gary Kubiak hervor. "Dieser Super-Bowl-Sieg geht auf Wades Konto. Ich weiß es sehr zu schätzen, was er für das gesamte Team, nicht nur die Defensive, getan hat", betonte Linebacker Von Miller, der letztlich zum MVP gewählt wurde. Miller ist neben Defensive End DeMarcus Ware der Star in Denvers Verteidigung.

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Super Bowl 2016: Defensive Dominanz
Ware kennt Phillips bereits aus seiner Zeit bei den Dallas Cowboys, wo der Mann mit den grauen Haaren und dem Wohlstandsbauch einst vier Jahre Chefcoach war. "Als ich gehört habe, dass Wade nach Denver kommt, wusste ich sofort, dass er unsere Jungs mit seiner Art ansprechen, erreichen und so dafür sorgen wird, dass sie die Leistungen bringen, die wir von ihnen brauchen", meinte Ware. Jeder habe im Finale gesehen, wie hilfreich Phillips für das Team gewesen sei.

Als Denver 2014 im Super Bowl gegen die Seattle Seahawks spielte, hieß der Defensive Coordinator noch Jack del Rio. Damals lebte Denver die gesamte Saison über von der Offensive, erzielte so viele Punkte und durch Manning so viele Touchdowns (55) wie kein Team zuvor in der Liga-Geschichte. Im Finale gegen die Defensiv-Spezialisten aus Seattle kam dieser grandiose Angriff jedoch nicht zum Zug - ihm gelangen nur acht Punkte. Und die Defensive war im wichtigsten Spiel der Saison völlig überfordert, wurde von den Seahawks beim 43:8 regelrecht vorgeführt.

Abwehr in einem Jahr umgekrempelt

Phillips brauchte nun lediglich ein Jahr, um das Maximale aus dieser Broncos-Abwehr herauszuholen. Im Halbfinale gegen Meister New England Patriots erlebte deren Quarterback-Star Tom Brady das härteste Spiel der Saison. Phillips' Abwehr-Asse wühlten sich immer wieder zu ihm durch, rissen ihn viermal zu Boden und verpassten ihm 20 Stöße.

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Super-Bowl-Sieger: Von Montana bis Brady
Gegen Carolina stand ihnen mit Cam Newton nun ein komplett anderer Quarterback-Typ gegenüber. Im Gegensatz zum statischen Brady ist Newton beweglich und läuft liebend gerne selbst mit dem Ball. Aufgrund seiner Qualitäten galt Carolina als Favorit. Doch es dauerte bis zum Beginn des zweiten Viertels, ehe Newton erstmals etwas Platz zum Laufen bekam.

Zuvor hatte ihm Phillips' Defensive keinerlei Lücken gegeben. "Unser Fokus lag natürlich auf Newton. Wir wussten, dass wir ihn unter Druck setzen und ihn eingrenzen müssen. Und wenn du Leute wie Von Miller und DeMarcus Ware hast, dann musst du sie halt einfach nur loslassen", erklärte Phillips seinen Matchplan.

Er hatte im ersten Viertel schnell bemerkt, dass Newton sehr unbeweglich war, nicht lief, sondern nur warf. "Da habe ich gesagt, dass wir mit vier, fünf Leuten auf ihn raufgehen. Mal sehen, ob wir zu ihm durchkommen." Phillips' akribische Arbeit hat sich ausgezahlt. Denver war sowohl im Halbfinale gegen New England als auch im Endspiel gegen Carolina nur Außenseiter. Aufgrund der Defensive gewannen die Broncos dennoch beide Spiele - und erlaubten den beiden Top-Offensiven der Liga zusammen nur 28 Punke.

Bevor Phillips im Januar 2015 nach Denver kam, war er bereits bei den Houston Texans unter Gary Kubiak Defensive Coordinator. Als Kubiak krank und später nach elf aufeinanderfolgenden Niederlagen entlassen wurde, sprang Phillips als Interimstrainer ein. In der vergangenen Saison war er dann ohne Job. Vor dem Endspiel hatte Phillips bereits geflachst, dass er es aus der Arbeitslosigkeit in den Super Bowl geschafft habe. "Aber vom Erwerbslosen zum Super-Bowl-Gewinner ist natürlich noch besser."



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Boesor 08.02.2016
1.
Verdiente Würdigung eines großen Strategen, aber der Seitenhieb, dass auf dem Feld lange kein MVP würdiger Spieler stand ist genauso sinnlos wie die in anderen Artikeln geäußerte Missachtung der Defense als Element des Spiels. Der Autor sollte allmählich begriffen haben das ein Footballspiel aus Offense und Defense besteht.
johannesraabe 08.02.2016
2.
Der 50. Superbowl war eines der besten Spiele überhaupt, die Kritik ist nicht gerechtfertigt. Wie will den der Underdog sonst gegen eine offense Übermacht gewinnen? Phillips hat einen ruhigen und coolen Eindruck gemacht. Während die Coaches von Carolina konstant ausflippten, blieb er ruhig und baute eine Armee auf. Das Spiel war im dritten Quarter für Carolina gelaufen, die ständigen Angriffe auf den Quaterback haben den Sieg geholt. Newton musste eine Halbzeit mit dem Gedanken spielen, jederzeit von einem Hulk kassiert zu werden. Das macht mental viel aus. Deshalb starke Leistung Denver und SPON hört auf, das Ding tot zu analysieren.
antiantianti 08.02.2016
3.
Ein sensationelles Spiel aus meiner Perspektive. Grandiose Defense auf beiden Seiten, die Broncos waren allerdings in allen belangen, ob nun an der line, secondary oder auch auf der Safety-Position in allen belangen ueberlegen. Fragt sich, ob die NFC keine vernuenftige Defense spielen laesst. Carolina ist da so durchmaschiert, auf der anderen Seite hatten die Broncos hier und da (auch gegen die Steelers) mitunter Ihre Probleme. Dennoch, schmaelern soll das die Leistung um Ware und von Miller nicht. Tolles Spiel
Fishpool 08.02.2016
4.
Das Spiel wirkte zunächst fahrig wegen der relativ erfolglosen Drives und der vielen Richtungswechsel. Im Nachhinein haben die Broncos eine grandiose Leistung geliefert, die so wohl nur die Wenigsten wirklich erwartet oder zugetraut hätten. Glückwunsch Peyton Manning, der wahrscheinlich genau weiss, wem er den zweiten Ring zu verdanken hat.
alexander.nolte 08.02.2016
5. Liebe Spiegel Redaktion...
...hört doch einfach mal auf so einen Blödsinn zu schreiben. Die ganzen Artikel zum Superbowl sind echt nicht zu ertragen. Nur weil es keine 40 Punkte pro Seite gab war das Spiel also schlecht? Bis zum Ende stand kein MVP Kandidat fest? Wie bitte? Habt ihr das Spiel überhaupt gesehen? Das war mit Sicherheit einer der besseren Superbowls und Von Miller war schon in der ersten Hälfte so dominant, dass es kaum eine andere Wahl für den MVP gab. Das Spiel war eine Defensivschlacht sondergleichen, die über den ganze Verlauf spannend war. Und dann dieses Ende für Peyton Manning. Großartig.
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