Depressionen Wo betroffene Sportler Hilfe finden

Der Sport tut sich mit psychischen Erkrankungen immer noch schwer. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Situation deutlich verbessert, es wurden einige Anlaufstellen geschaffen. Die wichtigsten Einrichtungen für Sportler und Angehörige.

Fußballer (Symbolfoto): Psychische Erkrankungen keine Seltenheit
Corbis

Fußballer (Symbolfoto): Psychische Erkrankungen keine Seltenheit


Depression ist eine Volkskrankheit. In Deutschland sind derzeit schätzungsweise vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression erkrankt. Dabei kommen die Betroffenen aus allen sozialen Schichten, auch Leistungssportler sind nicht davor gefeit. So gaben in einer Studie der Deutschen Sporthilfe vor rund einem Jahr 9,3 Prozent der befragten Leistungssportler an, Depressionen zu haben. 9,6 Prozent klagten über Essstörungen und 11,4 Prozent glaubten, bei sich Burnout-Symptome zu erkennen.

Die Dunkelziffer könnte sogar noch höher liegen - rund 40 Prozent der Befragten wollten sich nicht zu psychischen Erkrankungen äußern.

Immerhin gibt es für Leistungs- und Freizeitsportler mittlerweile einige Anlaufstellen, an die sie sich bei Problemen und Fragen wenden können - ganz anonym. Eine der wichtigsten Institutionen ist die Robert-Enke-Stiftung, die sich seit 2010 für Aufklärung, Erforschung und Behandlung von Depression engagiert und auch entsprechende Einrichtungen und Maßnahmen fördert.

Unter anderem wurde in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Aachen eine Hotline eingerichtet. Außerdem unterstützt die Stiftung ein Beratungsangebot der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), das in Aachen an der Uniklinik angesiedelt ist.

Beispiele wie das des Bundesliga-Torwarts Markus Miller von Hannover 96 zeigen, dass sich die Situation für Betroffene deutlich verbessert hat. 2011 ließ sich Miller wegen "mentaler Erschöpfung" für einige Wochen vom Training freistellen und stationär behandeln. Nach erfolgreicher Therapie stieg er gut sechs Wochen später wieder ins Mannschaftstraining ein. Ähnlich verhielt es sich bei Constantin Braun von den Eisbären Berlin. Auch der Eishockey-Profi begab sich wegen akuter Depressionen mehrere Wochen in stationäre Behandlung und kehrte wieder zurück.

Der erste Schritt aus einer Depression heraus ist es, sich Hilfe bei einem Arzt, Psychotherapeuten oder einer Anlaufstelle zu suchen. Betroffene und Angehörige können sich mit folgenden Einrichtungen in Verbindung setzen, informieren und beraten lassen:

  • Robert-Enke-Stiftung: In Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Uniklinik RWTH Aachen bietet die Stiftung eine Beratungshotline an. Hier können sich auch Personen, die nicht aus dem Sport kommen, über Depressionen und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Die Sprechzeiten sind montags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 13 bis 16 Uhr. Telefon: 0241 - 8036 777. Wer sich nicht sicher ist, ob eine Depression oder Anzeichen für eine Erkrankung vorliegen, kann auf der Internetseite der Stiftung einen Selbsttest machen.
  • MentalGestärkt: Die Initiative, von der Robert-Enke-Stiftung finanziell unterstützt und von der Deutschen Sporthochschule in Köln ins Leben gerufen, soll vor allem Leistungssportlern helfen. Athleten, Trainer, Betreuer und Angehörige können sich bei der Koordinationsstelle an der Sporthochschule in Köln melden, die sich als Wegweiser sieht und an entsprechende Einrichtungen weitervermittelt. Am einfachsten geht das via Telefon 0221 - 4982 5540. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite.
  • Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Auf der Internetseite der Stiftung finden Betroffene eine umfangreiche Adressenliste von Krisendiensten nach Postleitzahlen geordnet. Angehörige von Erkrankten finden zudem Rat. Auch auf der Website der Deutschen Depressionshilfe gibt es einen Selbsttest zur ersten schnellen Diagnose.
  • Deutsche Depressionsliga: Bei dem Verein können sich Betroffene über E-Mail von anderen Betroffenen im Rahmen individueller Selbsthilfe beraten lassen. Außerdem beteiligt sich die Deutsche Depressionsliga am SeeleFon, der bundesweiten Telefon- und E-Mail-Beratung des Bundesarbeitskreises der Angehörigen psychisch Kranker (BApK). Über die Telefonnummer 01805 - 950 951 und die E-Mail-Adresse seelefon(at)psychiatrie.de kann Kontakt aufgenommen werden. Sprechzeiten sind: Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 20 Uhr, Freitag von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr. Spezielle Beratungszeiten für an Depression Erkrankte sind am Montag, Dienstag und Mittwoch von jeweils 18 bis 20 Uhr.

Wichtig: Dieser Artikel gibt Beispiele für das Vorgehen bei leichten mit mittelschweren psychischen Problemen. Falls Sie selbst oder Ihr Partner sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden oder Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie bitte mit Menschen, die dafür ausgebildet sind. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.

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