Der Fall Armstrong Eine Chronologie

Lance Armstrong galt jahrelang als Dominator der Radsportszene. Zwischen 1999 und 2005 feierte er sieben Titel bei der Tour de France. Lange kursierten Dopingvorwürfe. Im Oktober 2012 erkannte der Radsport-Weltverband UCI die Titel dann ab, im Januar 2013 gestand Armstrong. Eine Chronologie.

Ex-Radprofi Armstrong: Über Jahre systematisch gedopt
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Ex-Radprofi Armstrong: Über Jahre systematisch gedopt


4. Juli 1999: Nach der ersten Etappe der Tour de France wird im Urin von Armstrong ein geringer Anstieg von Cortecoiden nachgewiesen. "Armstrong hat die Salbe Cemalyt benutzt, um eine allergische Hautkrankheit zu behandeln. Es ist auszuschließen, daß sie systematisch benutzt wurde", hieß es in der damaligen nachträglichen UCI-Erklärung. "Ich nahm sie zum Kurieren von Sitzproblemen, wie sie viele Fahrer bei einer langen Tour haben", erklärte Armstrong. Der Wirkstoff ist allerdings meldepflichtig und darf nur bei ärztlich bestätigter Indikation im Rennen verwendet werden.

25. Juli 1999: Armstrong gewinnt die Tour de France und feiert 518 Tage nach seiner Hodenkrebs-Diagnose ein sensationelles Comeback.

2. Juli 2004: Unmittelbar vor der Tour de France 2004 erscheint das Buch "L.A. Confidential", in dem die beiden Journalisten David Walsh und Pierre Ballester schwere Doping-Vorwürfe gegen Lance Armstrong erheben. Der US-Amerikaner scheitert vor Gericht mehrfach mit dem Versuch, sich in dem Buch äußern zu dürfen.

1. Oktober 2004: Wegen Sportbetrugs wird der Sportarzt Michele Ferrari zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der Italiener arbeitete lange mit Armstrong zusammen. Vom Vorwurf, Radsportler mit Dopingmitteln versorgt zu haben, wird Ferrari aus Mangel an Beweisen jedoch freigesprochen.

1. April 2005: Sein ehemaliger Betreuer Mike Anderson erklärt vor Gericht, 2004 "ein verbotenes Medikament" in Armstrongs Badezimmer gefunden zu haben. Der reagiert darauf mit einer Schadensersatzklage.

24. Juli 2005: Armstrong gewinnt zum siebten Mal die Tour de France und beendet danach seine Karriere.

23. August 2005: Die französische Sportzeitung "L'Equipe" berichtet, dass in sechs Urinproben von Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren worden und konnten dem Bericht zufolge eindeutig Armstrong zugeordnet werden. EPO ist erst seit 2001 nachweisbar.

31. Mai 2006: Eine vom Weltverband UCI eingesetzte Kommission spricht Armstrong von den 1999er Doping-Vorwürfen frei. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada nennt den UCI-Bericht "fast schon lächerlich".

9. September 2008: Armstrong kündigt für 2009 sein Comeback an.

2. Oktober 2008: Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD schlägt Armstrong vor, die sechs Proben der Tour de France 1999 nochmals zu testen. Der US-Amerikaner lehnt das ab.

20. Mai 2010: Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis gibt öffentlich zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der Tour-Sieger von 2006 beschuldigt in diesem Zusammenhang auch Armstrong des Dopings. Der weist die Anschuldigungen zurück.

26. Mai 2010: Nach den Aussagen von Landis kündigen die US-Behörden an, die Ermittlungen gegen Armstrong auszuweiten. Es geht jetzt nicht nur um die Einnahme unerlaubter Mittel, sondern auch um die Frage, ob das Sponsorengeld des amerikanischen Postdienstleisters US Postal dazu genutzt wurde, um Dopingmittel zu finanzieren.

16. Februar 2011: Armstrong erklärt sein endgültiges Karriereende.

20. Mai 2011: Tyler Hamilton ist der nächste ehemalige Teamkollege, der schwere Doping-Vorwürfe gegen Armstrong erhebt. "Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat", sagt der Zeitfahr-Olympiasieger von 2004 dem TV-Sender CBS.

4. Februar 2012: Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre Doping-Ermittlungen gegen Armstrong ein.

9. Februar 2012: Der Triathlon-Weltverband WTC gibt eine Kooperation mit Armstrong bekannt. Für sechs Starts kassiert seine Krebs-Foundation "Livestrong" eine Million Dollar. Die erste Teilnahme soll im Oktober 2012 sein.

12. Februar 2012: Armstrong wird Zweiter beim Ironman 70.3, einem Wettkampf über die halbe Distanz. Zum Dopingtest müssen nicht wie üblich die ersten drei, sondern die Athleten auf den Plätzen vier bis sechs.

12. Juni 2012: Die US-Anti-Doping-Agentur Usada erhebt in einem Schreiben schwere Vorwürfe gegen Armstrong. Proben aus den Jahren 2009 und 2010 sollen "vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden." Armstrong wird sofort für alle Wettbewerbe gesperrt.

14. Juni 2012: Der WTC gibt bekannt, dass Armstrong wegen der laufenden Ermittlung nicht an Wettkämpfen teilnehmen darf. Der Ironman in Nizza am 24. Juni findet ohne den 40-Jährigen statt.

20. August 2012: Ein Gericht in Austin erklärt die Ermittlungen der Usada gegen Armstrong für rechtens. Der Texaner muss entscheiden, ob er eine Schiedsgerichtsverhandlung will oder eine drohende lebenslange Sperre der Usada akzeptiert.

24. August 2012: Armstrong teilt in einem Statement mit, dass er den Kampf gegen die Anschuldigungen aufgibt. Ihm droht nun die Aberkennung seiner Tour-Titel.

7. September 2012: UCI-Chef Pat McQuaid stellt im Fall Lance Armstrong in Aussicht, die Strafen der Usada zu übernehmen.

10. Oktober 2012: Die Usada schickt ihre Urteilsbegründung mit deutlichen Anschuldigungen gegen Armstrong an die UCI. Nach Erhalt der Akten hat der Verband 21 Tage Zeit, sein Urteil zu fällen. Armstrongs langjähriges Profiteam US Postal habe das "ausgeklügelste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals gesehen hat", schreibt die Usada in einer Mitteilung.

22. Oktober 2012: Der Weltverband UCI folgt der Usada und erkennt Armstrong sämtliche sieben Tour-Siege ab.

26. Oktober 2012: Nur vier Tage später entscheidet die UCI, dass die Armstrong-Titel nicht neu vergeben werden. Der Grund: Da mögliche Nachrücker ebenfalls unter Dopingverdacht stehen, sollen so weitere Diskussionen verhindert werden. Somit wird in der Liste aller Tour-Sieger ein Lücke klaffen. Außerdem fordert der Verband Preisgelder zurück.

31. Oktober 2012: Die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions verlangt vom Texaner zwölf Millionen Dollar zurück. Hintergrund war ein Preisgeld für Armstrongs sechstem Tour-Erfolg im Jahre 2004, dass SCA zunächst nicht zahlen wollte. Dagegen hatte der Ex-Weltmeister aber erfolgreich geklagt.

11. November 2012: Armstrong provoziert mit einem Twitter-Foto. Es zeigt ihn auf der Couch, darüber hängen seine sieben Gelben Trikots der Tour de France eingerahmt an der Wand. Dazu der Satz: "Zurück in Austin - Zeit zum Ausruhen."

12. November 2012: Nach dem Rücktritt als Vorsitzender im Oktober gibt Armstrong nun alle offiziellen Aufgaben seiner Krebsstiftung Livestrong ab.

23. Dezember 2012: Die "Sunday Times" verklagt Armstrong auf 1,6 Millionen Dollar. Vorausgegangen waren Dopingvorwürfe der britischen Zeitung, gegen die Armstrong einen erfolgreichen Verleumdungsprozess führte.

29. Dezember 2012: Die Einspruchsfrist ist abgelaufen. Damit verliert Armstrong endgültige alle sieben Tour-de-France-Titel.

5. Januar 2013: Wie die "New York Times" berichtet, gibt es erste Anzeichen auf ein mögliches Doping-Geständnis Armstrongs. Wenige Tage später kündigt US-Talkerin Oprah Winfrey ein Interview mit dem Texaner an.

10. Januar 2013: Nach der Bekanntgabe des anstehenden TV-Auftritts kamen immer mehr Einzelheiten ans Licht. Auf eine angebliche Spende an die amerikanische Anti-Dponig-Agentur folgte der Vorwurf einer Aufklärung über Epo-Tests, die ihm der Schweizer Martial Saugy im Jahr 2002 geliefert haben soll.

14. Januar 2013: Die TV-Show von Winfrey mit Armstrong wird aufgezeichnet. Medienberichten zufolge soll der Ex-Profi darin Doping gestanden haben. Außerdem wolle er laut der "New York Times" gegen die UCI aussagen. Die Sendung wird am 17. Januar ausgestrahlt.

18. Januar 2013: In der Nacht zum 18. Januar wird der erste von zwei Teilen des Interviews ausgestrahlt. Lance Armstrong gesteht Doping - bei allen sieben Tour-de-France-Titeln. Er spricht über den Umfang und die Beweggründe des Betrugs. Verbandsmitglieder, Offizielle oder bestimmte Kollegen belastet er jedoch nicht.

mib/asi/dpa



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