Deutsche im US-Basketball "In der NBA fängst du noch mal von vorne an"

Dennis Schröder, Paul Zipser, Daniel Theis: Immer mehr Deutsche spielen in der NBA. Doch der Sprung in die beste Basketball-Liga der Welt ist auch mit einem Risiko verbunden.

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Wenn die neue NBA Saison jetzt startet, ließe sich theoretisch ein rein deutsches NBA-Start-Team zusammenstellen: Mit Dirk Nowitzki, der mit den Dallas Mavericks in seine 20. NBA-Saison geht. Mit Dennis Schröder, der sich als Stammspieler bei den Atlanta Hawks etabliert hat. Mit Paul Zipser, der seine Minuten bei den Chicago Bulls bekommt. Dazu kommen jetzt noch Maxi Kleber (Dallas Mavericks) und Daniel Theis (Boston Celtics), die in ihre erste NBA-Saison gehen.

Ein Wechsel in die amerikanische Profi-Liga ist immer mit Risiken für die eigene Karriere verbunden. Das weiß auch Tibor Pleiß. Der 27-Jährige ging 2015 von Barcelona zu den Utah Jazz. "Als ich in die NBA ging, war ich schon ein gestandener Spieler. Aber da kennt dich keiner, du fängst noch mal ganz von vorne an", erklärt der 2,18 Meter große Basketballer im Gespräch mit dem SPIEGEL. "In Europa hat man sich etwas erarbeitet. Und dann gehst du rüber - und alles ist weg."

Ein schwieriger Schritt, selbst für Top-Spieler wie Milos Teodosic. Der Serbe gilt als einer der besten Aufbauspieler Europas. Jahrelang schob er einen Wechsel in die NBA auf. Jetzt - im Alter von 30 Jahren - wagt er das Abenteuer.

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Für Tibor Pleiß war die NBA-Karriere nach einer Saison wieder beendet. In zwölf Spielen für die Utah Jazz erzielte er im Schnitt zwei Punkte und 1,3 Rebounds. "Ich kam von der Bank und durfte nur die letzten zwei Minuten spielen, wenn die Jazz schon mit 20 Punkten vorne oder hinten lagen", so der Center.

Ein Basketballer, der viel auf der Bank sitzt, kann sich weder entwickeln noch präsentieren. Gift für die Sportlerkarriere. Pleiß wollte Spielpraxis und entschied sich dazu, in die D-League zu gehen (inzwischen heißt sie G-League). Es handelt sich dabei um die offizielle Entwicklungsliga der NBA, mit festem Spielplan, Playoffs und eigener Meisterschaft.

In dieser Liga spielen NBA-Profis, die Spielpraxis brauchen, aber auch Basketballer, die sich für die NBA empfehlen und einen Vertrag ergattern wollen. Die Entwicklungsliga gilt als "Prügelstube". Pleiß bestätigt das: "Da ich einen NBA-Vertrag hatte, wollten sich die gegnerischen Spieler im Duell mit mir besonders beweisen. Es wurde öfter ruppig."

Was die Rahmenbedingungen angeht, hat Pleiß dank seinem Status als NBA-Spieler in der Entwicklungsliga relativ gute Erfahrungen gemacht. Er musste sich keine Wohnung teilen, sondern hatte ein Hotelzimmer. "Im Flugzeug bin ich meistens in der ersten Klasse geflogen, der Rest des Teams musste sich um die Sitze streiten", so der Deutsche.

Ohlbrecht bleibt in den USA: "Man zahlt drauf"

Einer, der sich um Sitze im Flieger streiten musste, ist Tim Ohlbrecht. Er startete 2012 zunächst in der Entwicklungsliga, dann gaben ihm die Houston Rockets einen Vertrag bis zum Ende der NBA-Saison. Doch Ohlbrecht lief nur dreimal für die Texaner auf, danach ging es für den 2,11 Meter großen Spieler wieder zurück in die D-League. Nach der Saison wurde er entlassen.

Ohlbrecht entschied sich für eine weitere Saison in der Entwicklungsliga, in der Hoffnung, dass ihn ein NBA-Klub verpflichten würde. Er nahm damit auch eine schlechte Bezahlung in Kauf. "Man bekommt pro Tag 40 Dollar Essensgeld, aber damit ist es schwer. Klar, man kann Fast Food essen - aber eigentlich will man das als Sportler ja nicht", sagte Ohlbrecht in einem Interview mit dem Deutschen Basketball Bund. "Man zahlt drauf."

Tim Ohlbrecht gewann zwei Meisterschaften in der D-League. Aber das, die Rahmenbedingungen und selbst die Aussicht auf die NBA waren es ihm nach den zwei Jahren nicht mehr wert.

Ohlbrecht und Pleiß sind das Risiko eingegangen und haben das Abenteuer NBA gewagt. Sie sind gescheitert. Ein Rückschlag für die Karriere, doch geschadet haben die Erfahrungen den beiden nicht. Das haben beide mehrfach betont. Ohlbrecht spielt inzwischen bei Ulm in der deutschen Bundesliga, die Schwaben schafften es in der vergangen Saison bis in Halbfinale. Pleiß ist zurück in der spanischen Liga, die als eine der stärksten Europas gilt. Mit Valencia hat er in dieser Saison mit dem Supercup bereits einen Titel gewonnen.

"In der NBA wird ganz anders gespielt als in Europa", sagt Pleiß. "Es geht mehr darum, sich in den Vordergrund zu spielen." Die großen Spieler würden allerdings "am Ende der Nahrungskette" stehen und seltener den Ball bekommen. Das mache es schwerer, so Pleiß. Jetzt versuchen es Daniel Theis und Maxi Kleber mit der NBA. Beide sind große Spieler..



insgesamt 2 Beiträge
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trevorcolby 19.10.2017
1. .
Ich fürchte das wird so enden wie Pleiß/Ohlbrecht. Trotzdem: Alles Gute!
jean-baptiste-perrier 19.10.2017
2. Frage der Physis
Im europäischen Team-Basketball wird die Physis eher über Ausdauer definiert. Im superstar-fokussierten NBA-Basketball wird Physis mit roher Kraft assoziert. Spieler verschaffen sich in der NBA vor allem durch ihre Körperlichkeit (Muskeln, Gewicht) Respekt. Und in der Hinsicht wirken viele Europäer zu "zart" (sprich schwach). Es ist natürlich auch ein Risiko sich schnell viel Muskelmasse anzutrainieren ohne dadurch das "Händchen" zu verlieren, durch die notwendige Neu-Kalibrierung von Körper und Hirn. Und da muss man feststellen, dass Nowitzki und auch Schrempf dies sehr gut geglückt ist. Sehr vielen anderen jedoch nicht, weil ihnen teilweise aber auch die Bereitschaft fehlte diesen Weg zu wagen (starker Muskelaufbau). Stattdessen versuchen viele in der NBA genau so zu agieren wie in Europa. Und das funktioniert dann eben häufig nicht (insbesondere für Center und Power Forwards). Aufbauspieler haben da bessere Chancen sich an die NBA anzupassen (siehe Schröder).
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