Unerlaubte Medikation Deutsche Reiter-Equipe verliert EM-Silber

Strafe für die deutschen Vielseitigkeitsreiter: Wegen einer ungenehmigten Medikation beim Pferd von Julia Krajewski verliert die Auswahl ihre EM-Medaille. Für den Verband ist das nicht der erste Fall.

Julia Krajewski und ihr Pferd Samourai du Tho
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Julia Krajewski und ihr Pferd Samourai du Tho


Das deutsche Vielseitigkeitsteam muss seine Silbermedaille von der EM im August im polnischen Strzegom wieder zurückgeben. Wie der Weltverband Fei bestätigte, ist auch die B-Probe der Medikationskontrolle bei Julia Krajewskis Pferd Samourai du Thot positiv. Bereits am Mittwoch wurde bekannt, dass die A-Probe positiv ausfiel. Die Mannschaftsreiterin wird damit nachträglich disqualifiziert, die Equipe fällt im Klassement zurück.

"Im ersten Moment ist so eine Nachricht ein absoluter Schock", sagte Krajewski: "Weder ich noch jemand aus meinem Umfeld haben die Medikation verabreicht. Dieses Medikament kam bei uns nicht vor, deshalb kann auch eine Verwechslung nicht vorliegen." Krajewski hat nun 21 Tage Zeit sich zu entscheiden, ob sie eine administrative Strafe annimmt oder vor das Fei-Tribunal zieht.

Bei der unerlaubten Substanz handelt es sich um Firocoxib, das schmerz- und entzündungshemmend wirkt und laut Fei eine "Controlled Medication Substance", jedoch kein Doping ist. Das bedeutet, dass die Substanz zwar zu therapeutischen Zwecken im Training erlaubt ist, jedoch nicht im Wettkampf.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) zeigte sich bereits vor Öffnung der B-Probe schockiert. "Das ist ganz großer Mist und besonders bedauerlich für die anderen Reiter, die ihre Medaille abgeben müssen", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. Zum deutschen Team gehörten noch Einzelsiegerin Ingrid Klimke, Michael Jung und Bettina Hoy.

Für den deutschen Verband ist dies ein Rückschlag. Im Gedächtnis dürfte vielen Olympia-Interessierten vor allem Ludger Beerbaums Affäre bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen geblieben sein: Damals war eine Probe an seinem Pferd Goldfever positiv ausgefallen. Der verbotene, in einer Salbe enthaltene Wirkstoff Betamethason wurde entdeckt. Beerbaums Pferd wurde disqualifiziert, die deutsche Equipe fiel vom Gold- auf den Bronzerang.

Bei den Spielen 2008 wurde Springreiter Christian Ahlmann wegen unerlaubter Medikation disqualifiziert.

Seitdem hatte sich die FN um ein sauberes Image bemüht und etliche Maßnahmen ergriffen. "Insofern glaube ich nicht, dass wir jetzt gescheitert sind", sagte Lauterbach: "Wir hatten jahrelang Ruhe und müssen uns jetzt neu hinterfragen, gibt es irgendwo Schwächen im System, die wir beseitigen müssen."

jan/sid



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mameluk 09.11.2017
1. So,so
Nennt man sowas nicht schlicht Doping?
Nachtheinigte 09.11.2017
2. Unerlaubte Medikation
Ja so ist das, wenn andere unerlaubte Mittel anwenden ist das Geschrei gross. Aber wenn es bei den guten Deutschen passiert, ist das unerklärlich. Nicht, dass Russen heimlich injiziert haben, denn denen ist ja alles zuzutrauen.!!
trallafitti 09.11.2017
3. Nein, nennt man nicht Doping
Nennt man Medikation. Warum: weil es nicht leistungssteigernd, sondern schmerzlindernd wirkt. Steht auch so im Artikel. Wenn von den Deutschen verabreicht, natürlich nicht in Ordnung. Weil Schmerzen ja u.a. vor Überlastung schützen sollen. Wäre aber nicht auszuschließen, dass es zu einer Fremdkontamination gekommen ist. Auch Manipulation ist nicht auszuschließen. Die moderne Labordiagnose kann so geringe Spuren feststellen, die in der Dosis überhaupt nicht auf den Organismus wirken. Außerdem sind die Pferde viel zu teuer und die Gewinngelder im Verhältnis viel zu gering, als dass ein verantwortungsvoller Reiter - und dazu zähle ich die Deutschen - gesundheitliche Schäden riskiert. Es gibt unzählige Beispiele, wo erfolgreiche Springpferde ohne Gelenkschäden noch jahrelang topfit ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Und ja, ich bin befangen, aber der pauschale "Reiter sind Tierquäler"-Vorwurf ist ungerecht. Die allermeisten, auch die Spitzenprofis, orientieren sich am Grundprinzip horsemanship
larry_lustig 09.11.2017
4. Und schon wird relativiert....
Eine verbotene Medikation ist wie Doping zu Recht verboten.
trallafitti 09.11.2017
5. Hat mit relativieren nichts zu tun
lesen Sie einfach nochmal, was im Artikel steht und was ich geschrieben habe. Natürlich ist zu verurteilen, wenn ein Pferd schmerzfrei gestellt wird, um im Wettkampf zu funktionieren. Reiter und Pferd sind aber ein Team, gerade in der Vielseitigkeit muss das zusammenwachsen. Kein Reiter ist so blöd, sein verletztes Pferd schmerzfrei zu stellen und dann so eine schwere Prüfung wie eine EM zu absolvieren. Danach wäre das Pferd nämlich höchstwahrscheinlich Sportinvalide, und ein neues findet sich nicht so einfach. Was glauben Sie was so ein Pferd kostet? Durch Gewinngelder kommt das nie und nimmer wieder rein, das geht nur mit Förderern. Meinen Sie die sehen das als Wegwerfartikel? Außerdem wäre es auch für den Reiter viel zu gefährlich (Sturzgefahr). Übrigens gehen Spitzenpferde z.T. noch mit 18, 19 Jahren erfolgreich im großen Sport. Glauben Sie das geht mit ständiger Medikation?
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