Hamburg - Mit einer rauschenden Eröffnungsfeier wurden am Freitag die XXX. Olympischen Spiele in London eröffnet - zu diesem Zeitpunkt lagen die Ruderer des Deutschland-Achters wahrscheinlich schon im Bett. Sie hatten Nachtruhe. Angesichts des frühen Starts in die Gold-Mission keine zwölf Stunden später auf dem Dorney Lake stieg die erste Party in der britischen Hauptstadt ohne die Crew von Trainer Ralf Holtmeyer.
Vier Jahre nach der historischen Pleite bei den Olympischen Spielen von Peking, als es für den erfolgsverwöhnten Deutschen Ruderverband (DRV) erstmals seit 52 Jahren kein Gold und insgesamt nur zwei Medaillen gab, soll ausgerechnet der Deutschland-Achter, der in Peking so kläglich versagt hatte, für Rehabilitation sorgen.
Damals war das Flaggschiff des Verbands sang und klanglos im Vorlauf ausgeschieden. Seit dem peinlichen Aus hat sich einiges geändert. Aus dem "Verlierer-Boot" ist eine Siegmaschine geworden. 34 Rennen absolvierte der Deutschland-Achter seit Peking - alle wurden gewonnen. Diese Konstanz stimmt Trainer Ralf Holtmeyer zuversichtlich: "Solange ich dabei bin, hatten wir noch nie eine so ausgeglichene Mannschaft."
Aber bereits im Vorlauf wartet eine schwere Aufgabe auf das Team. Die deutsche Ruder-Crew trifft am Samstag (11.10 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Vizeweltmeister Großbritannien, Olympiasieger Kanada und die Niederlande. "Das wird ein heißer Tanz. In einem Vorlauf haben wir jetzt vier Boote, die auch wahrscheinlich im Endlauf zu erwarten sind. Das sind die vier stärksten vom Weltcup in Luzern", sagte Steuermann Martin Sauer. Nur der Sieger des Vorlaufs zieht auf direktem Weg in das Finale ein. Alle anderen Boote müssen in den Hoffnungslauf.
Mit Ausdauer und Nervenstärke zum Erfolg
Trotzdem stehen die Chancen gut, dass der Traum vom Olympiasieg in Erfüllung geht. Alle Versuche der ebenfalls hochgehandelten Konkurrenz aus Großbritannien, Kanada und den USA, dem Seriensieger aus Deutschland Paroli zu bieten, schlugen in den vergangenen Jahren fehl.
Der Deutschland-Achter profitierte bei zuletzt drei Weltmeistertiteln in Serie besonders von Ausdauer und Nervenstärke. Diese Attribute sollen auch auf der Regattastrecke von Eton zum Tragen kommen. Trotz der großen Erwartungshaltung verspürt Steuermann Sauer vor dem Start in die olympische Regatta mehr Vorfreude als Respekt: "Es ist von Vorteil, wenn man weiß, dass man es drauf hat."
DRV-Präsident Siegfried Kaidel hofft insgesamt auf vier Goldmedaillen. Das scheint im Mutterland des Rudersports etwas zu optimistisch, doch auch hinter dem Achter-Paradeboot hat sich der Verband gut in Stellung gebracht. "Wir sind sehr zuversichtlich, die Hausaufgaben wurden gemacht", sagte Buschbacher. Neben dem Achter ruhen die größten deutschen Medaillenhoffnungen auf dem Männer- und Frauen-Doppelvierer sowie dem Männer-Doppelzweier. In diesen Bootsklassen sei man sehr stabil, so Buschbacher.
Aber auch in den Einzeldisziplinen sind Medaillen möglich: Ex-Weltmeister Marcel Hacker gibt sich vor seinen vierten Olympischen Spielen selbstbewusst. "Ich gehe mit dem Anspruch ran, Gold zu holen", sagte der 35-Jährige. Mitte Juni hatte sich der Olympia-Dritte von 2000 mit seinem ersten Weltcupsieg im Einer seit sieben Jahren in der Weltspitze zurückgemeldet. Hacker muss allerdings seine Nerven in den Griff bekommen. In Athen 2004 und Peking 2008 scheiterte er trotz großen Ankündigungen jeweils bereits im Halbfinale.
mib/dpa/sid
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